Quarantäne-Tagebuch Teil 2 – Casa Stein // The New Normal – Tipps um auch in der Quarantäne soziales Miteinander zu feiern

In Quarantänezeiten kann es – trotz „Home Office“ und „Home Schooling“ – schon einmal vorkommen, dass Langeweile aufkommt, oder einem das soziale Miteinander abgeht. Somit haben wir (meine Familie und ich, unsere kleine Wohngemeinschaft) beschlossen, ein Spiel aus Schulzeiten meiner Lebenspartnerin Elisabeth wieder zum Leben zu erwecken.

Wir haben ein Notizbuch in ein Haus-Quarantäne-Tagebuch, das so genannte „Schreib weiter-Buch“, umfunktioniert und lassen es in unserer von spannenden Charakteren geprägten Hausgemeinschaft zirkulieren. Den Anfang haben unsere Jungmitbewohner Vito und Stani (vulgo: unsere Kinder) gemacht und haben sich mit Zeichnungen verewigt. Danach haben wir es einem Nachbarn inklusive Beschreibung (siehe nachstehend) und natürlich einer Flasche Wein – in Zeiten wie diesen ist Nachbarschaftshilfe unablässig – vor die Tür gelegt, und dieser hat nun die Möglichkeit mit einem Gedicht, einer Zeichnung, einem Tagebucheintrag oder einem sonstigen kreativen Beitrag Teil dieses Gemeinschaftsmeisterstücks zu werden. Wir wollen damit ein Zeichen setzen – für weitere Verbundenheit in einer Zeit in der unsere Mitbewohner*innen aller Altersklassen in ihren Wohnungen sitzen, um das weitere Verbreiten von SARS-CoV-2, wie der neuartige Coronavirus in der Fachsprache heißt, zu verhindern. 

Es wäre einfach wunderbar, wenn auch andere Hausgemeinschaften durch diese Aktion näher zusammenrücken und man ein Dorf in der Stadt bildet – eine Insel der Seligen in diesen stürmischen Zeiten. 

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs sind ähnliche Notizbücher in den Bunkern Wiens entstanden, die heute zu heiß begehrten Sammelobjekten zählen. Damals wie heute ist es eine geschichtsträchtige Zeit. Um positiv zu bleiben und mit dem Gedanken ein potenzielles Sammelobjekt für nachfolgende Generationen zu schaffen, möchte ich diese Idee eines Zeitdokuments, das diese unsichere Zeit mit verschiedenen stilistischen Ausdrucksformen darstellt, verbreiten.

Hier auch der Originaltext, den wir mit unserem Notizbuch auf die abenteuerliche Reise durch unser Haus schicken:

„Wir haben uns einen kleinen Zeitvertreib ausgedacht.

Klein und Groß in unserem Haus ist herzlich eingeladen, 

mitzumachen und mitzulachen.

Tragt einfach eure Geschichten, Bilder, Witze oder Botschaften ein, 

die ihr mit uns teilen wollt und gebt das Heft an jemand anderen im Haus weiter. 

Legt es einfach kontaktfrei vor die Tür und/oder läutet an.

Nach ein paar Tagen sollte das Heft wieder bei uns auf Tür Nr. 5 landen. 

Wir schreiben dann wieder was Neues rein und schicken die Geschichten 

wieder auf Reisen.

Viel Spaß und bleibt gesund!

Eure CASA STEIN.“

Die „Schreib-weiter-Buch“ Idee – ein Stück Normalzeit in der Krise
Hier findet man die Normalzeit Produkte

Übergabe des „Schreib-weiter-Buch“ Corona Hausgemeinschaftsprojekts:Schenkung an das Wien Museum.

Übergabe im MUSA an die Kuratorin des Projekts Dr. Martina Nußbaumer durch Vito und Elisabeth Gottfried, sowie Christof Stein.

Schenkung der Hausgemeinschaft Theobaldgasse 20, 1060 Wien. Gestaltung Cover des Schreib weiter Buches: Vito

Weiterführende Infos zu dem Projekt des Wien Museum:https://www.wienmuseum.at/de/corona-sammlungsprojekt

Casa Stein in Zeiten der Coronakrise

Wie schafft ihr es eine tägliche Routine aufrecht zu erhalten?

Wir beginnen beim Frühstück mit einer umfangreichen Tagesplanung für alle Beteiligten aus verschieden Altersbereichen – wir beschäftigen nun außertourlich drei Jungs im Alter von 2, 8 und 18 Jahren, was natürlich nicht immer leicht ist, da es verschiedene Bedürfnislagen gibt.

Was bedeutet diese Krise für Dich persönlich?

Die soziale Gemeinschaft kann wachsen und hält zusammen. Eigenverantwortung ist als höchste Priorität zu sehen, auch bei den Kindern. Die Klimakrise relativiert sich momentan ein wenig, wenn man sieht wie sehr sich die Natur, die Flora und Fauna, das Tierreich erholt, sobald der Faktor Mensch etwas aus der Gleichung genommen wird.

Man begreift, dass das wirtschaftliche Denken nicht alles im Leben ist.

Welche Tipps hast Du in dieser herausfordernden Zeit?

Solange es noch geht, sollte man so oft wie möglich an die frische Luft – natürlich mit dem nötigen sozialen Abstand von mindestens einem Meter, am besten aber mehr. Kinder sollten in den täglichen Arbeits- und Freizeitprozess eingebunden werden und auch Eigenverantwortung übernehmen, falls sie es nicht ohnedies schon tun.

Zeitgleich muss man den Kindern die Angst vor der Zukunft nehmen und altersgerecht erklären, was gerade vonstattengeht. Darüberhinaus ist ein positives in die Zukunft denken wichtig für das psychische Wohl aller.

Als Elternteil muss man stets ein Vorbild für die Kinder sein.

Das Schöne im Schlechten sehen: so viel gemeinsame Zeit mit den Kindern verbringen zu können, wird sich so schnell nicht wieder ergeben.

Wie schafft ihr persönliche Freiräume in dieser Ausnahmesituation?

Wie schon gesagt, muss man den Kindern Eigenverantwortung zugestehen. Mit den Nachbarn sollte man gute Deals abschließen. Das betrifft die gegenseitige Versorgung ebenso wie die Unterhaltung der Kinder. Bei der Erfindung kontaktfreier Spiele wird die Kreativität ordentlich angekurbelt.

Wir haben das Glück in einer großen Wohnung zu leben und sind sehr froh darüber, dass es für alle genug Zufluchtsorte gibt. Ein Tagesplan hilft auch hier bei der besseren Organisation der Freiraumgestaltung der einzelnen Familienmitglieder.

Wie geht Home Office in der Krise?

Das geht dann am Besten, wenn man wunderbare Mitarbeiter hat.

Wichtig ist es jetzt, beruflich Gleichgesinnte moralisch und österreichische Klein(st)unternehmen wirtschaftlich zu unterstützen, sofern man die Mittel dazu hat. Man kann schon beobachten wie die Menschen zusammenwachsen.

Wie siehst Du die nicht allzu ferne Zukunft?

Aus jeder Krise kann etwas Neues entstehen – der berühmte Phoenix aus der Asche. Begrüßungsrituale werden sich ändern, so wie auch der Umgang mit dem Gegenüber, der Respekt der Einwohner anderer Länder gegenüber, das Verständnis für Menschen, die es schlechter haben als wir – weil wir im Endeffekt alle im gleichen Boot sitzen. Darüber hinaus das Nachdenken, dass kapitalistisches Wirtschaften nicht alles ist. Und das „immer höher, schneller, und weiter“ nicht das Ei des Kolumbus sein kann. Das Miteinander wird uns vorwärtsbringen– und auf diese Zukunft freue ich mich schon!

Der Casa Stein Clan – in eine blühende Zukunft