Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Die Geschichte der Übertöpfe

Montag, 18.10.2021, ab 17:30, Studio2//ORF

Thema diesmal: Übertöpfe

Heute „spielte“ ich für kurze Zeit Pflanzentippgeber/Biogärtner Karl Ploberger da mit Beginn der kalten Jahreszeit Topfpflanzen von außen nach innen gebracht werden sollten. Schon vor vielen tausend Jahren hat man Pflanzen zur Dekoration für innen und außen in Tontöpfe gesetzt und bald auch begonnen diese mit dekorativeren Übertöpfen zu umhüllen. Gerade im 19. Jahrhundert schossen überall Keramikbetriebe aus dem Boden und es konnten sich Kreative und Entwerfer kaum dem Zauber entziehen Pflanzen und Blumen noch bunter wirken zu lassen und sie mit Übertopfen künstlerisch zu veredeln.

Zur musikalischen Einstimmung in das Thema der Übertöpfe: Josef Hader und die Pflanzen. Und wer sich noch erinnern kann: Little Shop of Horros 😉

Sind nun alle gut aufgewärmt für einen kurzen historischen Abriss? Wunderbar, es geht sogleich weiter ….

Mein Beitrag fand im Garten des Studios statt – gut, dass ich mich vorher bei einer heißen Diskussion mit dem Direktor eines Auktionshauses aufgewärmt hatte – wir haben wunderbar tolle Überschneidungen gefunden und hatten viel Gesprächsstoff.

Zurück zur Intro – nun ist die Zeit wo die Pflanzen in die Innenräume gebracht werden müssen, nicht nur um die kalte Jahreszeit gut zu überstehen, nein auch um wunderbare dekorative Aspekte in den Wohnraum zu bringen.

Norbert Oberhauser, mein Verbal-Sparring-Partner musste natürlich schmunzeln, als ich nun eine kleine „Topfgeschichte“ angekündigt hatte. Aber zurück zum Ernst der Dinge.

Repräsentativ waren wir bei meinem Auftritt bei 200 Jahren Geschichte der Übertöpfe. Das Ganze hat vor tausenden Jahren im Vorderen Orient begonnen. Gärten wurden angelegt und auch die Innenraum mit dekorativen Pflanzen und deren Übertöpfen dekoriert.

Ich selbst bin ein großer Sammler von Töpfen und jedes Mal wenn ich in Südfrankreich bin, genieße ich die regional typischen Wein- und Wintergärten.

Das Reinräumen der Pflanzen bietet die Möglichkeit eine neue architektonische Perspektive des Wohnraumes zu gewinnen. Begonnen habe ich bei dem Gerüchte umwobenen Elefanten Übertopf, den Sammler als Walter Bosse Topf (um 1950) bezeichnen, der aber in Wirklichkeit ein Werk der Scheibbser Keramik ist und im Wert bei um die 200 Euro liegt.

Der Biogärtner Ploberger würde wahrscheinlich ein fleißiges Lieschen pflanzen um dem Elefanten einen grünen Rücken zu bescheren.

Der zweite Topf ist von Wienerberger, die man von den Ziegeln kennt, dieser stammte aus den 1950er Jahren – der früherer Entwurf aus den 1930er Jahren kam in einem speziellen Gelb.

Der wertvollste Topf (blau mit weißen Figuren) liegt in der Wertigkeit zwischen 3500 bis 4000 und ist von der Wiener Keramik von Michael Powolny, der auch die wunderbaren Wiener Villen in den 1920er Jahren der jüdischen Auftraggeber mit seinen Kunstwerken bestückt hat. Auch seine Puttis sind legendär!

Oberste Priorität – die Dinge sollen verwendet werden – nicht nur als Anschauungsstück, sondern zur Dekoration und sollen ihren Zweck erfüllen und Pflanzen beheimaten.

Der nächste Topf war dekoriert mit Schweinen und Würsten und stand wahrscheinlich in einer Fleischerei, ein typisches Hochzeitslistengeschenk von Albin Denk im ersten Bezirk.

Der nächste Topf, den Norbert anfänglich der Ming Dynastie zuordnete ist in Wirklichkeit in der Historismus Zeit verortet – in der Sonntags Matinee am vorhergehenden Tag auf ORF ging es auch um den Japonismus, der ab 1860 seinen Einzug in westliche Künste fand.

Weiters hatte ich noch viel Böhmisches von Julius Dressler, auch Belgisches und Französisches mit wundervoller verlaufenden Glasur und Blumenhaptik um 1880. Keramiktöpfe aus dem heutigen Slowenien, ehemals Österreich (ungarisches Kaiserreich): die Manufaktur Schütz Cilli.

Also wie wir sehen: Übertöpfe gibt es in den verschiedensten Materialien wie Porzellan, Keramik, Terracotta (unglasiert) oder die typische italienische Zinnglasur Majolika.

Viele haben dann sicher gleich zuhause nachgeschaut und sich gefragt „Was sind denn meine Töpfe wert?“- Die Wertspanne der von mir mitgebrachten Töpfe lag zwischen 50 – 4000 Euro.

Aber das absolut Beste an der ganzen Sache ist nicht die Wertigkeit sondern, dass die Übertöpfe jetzt soviel Farbe in die Wohnung bringen – jetzt wo die kalte, graue Zeit beginnt.