Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Kitsch

Montag, 28.06.2021, ab 17:30, 

Studio2//ORF

Thema diesmal: Kitsch as Kitsch can!

Es wäre wohl allzu kitschig gewesen wenn Österreich am vergangenen Samstag (26.6.2021) gegen Italien gewonnen hätte…

Der Begriff Kitsch zählt bei den Briten als unübersetzbar und zu den zehn schwierigsten Worten der deutschen Sprache. Die nachstehende Definition erklärt:

Kitsch /Kítsch/

Substantiv, maskulin [der]

  1. Kunstprodukt (besonders Gegenstand aus dem Bereich des Kunstgewerbes, Musikstück, Film o. Ä.), das in Inhalt und Form als geschmacklos und meist als sentimental empfunden wird
    „literarischer, sentimentaler, religiöser Kitsch“

Ende des 19. Jahrhunderts im Münchener Kunsthandel entstanden, um Billigmalerei von echter Kunst zu unterscheiden. Die Impressionisten in Paris, beispielsweise, wurden von den Symbolisten als oberflächlich, zu sehr dem Äußeren verhaftet und verdächtig nah am Kitsch bezeichnet. Jeff Koons hat es mit seinem “Balloon Dog” auf die preisliche Spitze des Kunstmarktes getrieben. Dieser hat bei einer Christie’s Auktion in NYC in 2013 über 58 Millionen US Dollar erzielt. Damals “the most expensive piece of art by a living artist sold at auction”. Mittlerweile hat eine andere Koons Skulptur einen noch viel absurderen Preis bei einer Auktion erlangt. 

Heute gilt es in allen Lebenslagen Kitsch zu verbreiten, sei es in der Musik, in der Architektur, in der Touristik, Mode oder im Kinderzimmer. Die Materialien und billigen Produktionswege tun ihr übriges.

Auch ein goldener Eiffelturm, in Plastik und mit Spielwerk, verzückt.

Ich habe diesmal einiges an Kitschigem mitgebracht, wobei auch religiöser Kitsch nicht fehlen durfte.

Das wertvollste Stück war ein Fauteuil von Alessandro Mendini „Proust“, der bei einem Wert von 5000 – 7000 Euro liegt, der Holzrahmen ist handbemalt. 

Viele (vielleicht reiche aber trotzdem) einsame Menschen sammeln Kitsch, wie z.B. Liberace und seinen Goldklunkern oder Michael Jackson und seine Plüschtiere. Solche Kitschobjekte wecken Emotionen, der  Wert entsteht durch das emotionale Aufgeladenheit, diese kreiert den ideellen Wert.

Der Wackeldackel war lange Zeit auf den hinteren Ablagen am Heck vieler Autos zu finden. “Relax” hat er erbosten Fahrer*innen kommuniziert. Kitsch par excellence.

Thomas Stimm, Künstler Jahrgang 1940, kitschig anmutende Edition steht sogar bei einem Wert von bis zu 4000 Euro.

Selbst Hagenauer (da gab es einen Blogeintrag von mir) hat sich auch an einem kitschigen Objekt versucht. 

Die Welt braucht Kitsch – der Al Pacino Gehstock (auch hierfür gibt es in Kürze einen Blogeintrag) aus „The Godfather/Der Pate“ war der krönende Abschluss!