Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Fotoapparate 

Montag, 21.02.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Hasselblad & Co.

Die Tage werden länger, das Licht wieder klarer, die beste Zeit um dies mit dem Fotoapparat festzuhalten.

Analog ist wieder im Kommen, da gigantomanische Dateien in der Digitalfotografie nicht die Lösung sind den Moment für die entferntere Zukunft festzuhalten.

Dieses Thema hab ich heute mit Norbert Oberhauser “belichet”, ähm beleuchtet 😉

Eine kleine kurze aber feine Geschichte der Fotografie als Intro. Wenn man es genau nimmt beginnt die Geschichte der Fotografie mit der Laterna magica (lateinisch für „Zauberlaterne“) – einem Projektionsgerät, das vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein in ganz Europa verbreitet war und sich im 19. Jahrhundert durch die industrielle Revolution in ein Massenmedium entwickelte. Die Laterna magica ist eine Projektionsvorrichtung, die nach dem umgekehrten optischen Prinzip der Camera obscura funktioniert: Es handelt sich um einen Kasten mit einer Öffnung, in dem sich eine Lichtquelle befindet – im 17. Jahrhundert zunächst eine schlichte Kerze, später eine elektrische Bogenlampe. Goethes tragbare Camera obscura, um 1800 wurde die Camera Obscura Dunkelkammer vermutlich von Battista della Porta erfunden – war Menschen aber theoretisch seit Jahrhunderten schon bekannt. Die Chinesen schrieben bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. über dieses Prinzip (auch wenn dann die Fotografie erst in den 1850er Jahren durch europäische Fotografen Verbreitung in China fand)  und wurde sogar von Leonardo da Vinci beschrieben und das im 15. Jahrhundert. In der Mitte des 17. Jahrhunderts war Camera Obscura ein Raum in einem Haus, dann um 1650 kleinere Ausführungen, die sich als Schachtel tragen ließen. Von der Nassplattenfotografie über Trockene Platten zur Gründung der Firma Kodak 1880 wo Eastman flexiblen Rollfilm entwickelte, der keinen Wechsel der massiven Platten erforderte. Der Anwender machte Fotos und schickte die Kamera anschließend beim Hersteller ein, wo der Film entwickelt wurde. Dies war die erste Kamera, die für den Durchschnittsbürger erschwinglich war.

1930 begannen Henri-Cartier Bresson und andere Fotografen, mit kleinen 35mm-Kameras Bilder aus dem „echten Leben“ zu „schießen“ dadurch gab es im Zweite Weltkrieg eine bebilderte Berichterstattung.

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren wurden Kompaktkameras entwickelt. Das digitale Zeitalter begann in den 1980er und 1990er Jahren als zahlreiche Hersteller an Kameras arbeiteten, die Bilder elektronisch speicherten. 1991 hat Kodak dann die erste Digitalkamera entwickelt. In den frühen 2000ern hat es die erste Kamera in ein Handy geschafft. Die Qualität war damals noch eher zu bemängeln, da viel zu pixelig. In nur rund 15 Jahren ist diese schwache Bildqualität zu einer beinahe vollwertigen Kamera in einigen Smartphones geworden. Trotzdem zeichnet sich gerade wieder der Trend Rückkehr zum Analogen ab, aber dazu später mehr.

Nun zu den Kameras, den Objekten mit Geschichte und Objekte der Begierde für Sammler:innen und die ich mit in der Sendung hatte:

Die erste Kamera, die Susse Frère Daguerrréotype (Kupferplatte wurde mit Silber beschichtet und Joddampf ausgesetzt, dann mind. 15 min Lichteinwirkung), die ich vorstellte, war die erste österreichische Kamera (!) und aus 1839/40 basierend auf einem Entwurf der französischen Brüdern Susse Frère ( die Kamera entspricht Daguerres Entwurf von 1839, nur in halber Größe ). Das war zur Metternich Zeit als der Kanzler eine Delegation nach Frankreich geschickt hatte. Das Objekt ist eine Schiebekastenkamera (Camera Obscura) mit einem Objektiv von Prokesch. Sie ist die einzig bekannte Kamera, die erst kürzlich entdeckt wurde und auch ein Beweis dafür, wie früh in Österreich Kameras gebaut wurden. Gerade deshalb hat diese Kamera eine Wertigkeit von unglaublichen 100.000 Euro.

Norbert hat aber den Sendungsbeitrag eigentlich gleich begonnen, indem er ein Foto von mir schießen wollte – mit der legendären Kamera Leica M3 mit 90 mm Objektiv für Porträts (Objekt Numero 2 im Sendungsverlauf) des österreichischen Fotografen Franz Hubmann (der sogenannte österreichische Cartier-Bresson). 1954 gründete er mit Karl Pawek gemeinsam magnum – die Zeitschrift für das moderne Leben. Hubmanns Fotoserien, wie zum Beispiel über das Café Hawelka, waren sein Durchbruch als Fotograf. 

Das dritte Objekt mit Geschichte war dann ein Leica Fake aus Russland, mit einer Wertigkeit unter Sammler:innen von “nur” 300 Euro.

Die wunderbare Goldmann Kamera war eine österreichische Portraitkamera im Fotostudio, wie man sich das so klassisch vorstellt die mehrköpfige Familie die minutenlang still halten muss für ein gutes Ergebnis. Um 1910 für Negative 24x24cm, die dann im Kontaktverfahren belichtet wurden, mit einem besonderen Meyer Atelier-Schnellarbeiter 400mm Objektiv, der Objektivdeckel war gleichzeitig der Verschluss. Diese Kamera hat eine Wertigkeit von 6000 Euro.

Das Bond-like Objekt mit Geschichte, die Tessina Geheimkamera um 1960, die Norbert fast kurz als Armbanduhr bezeichnete war eine Spionagekamera, die auch von der ostdeutschen Stasi verwendet wurde. Wie unzählige andere Kameras, die für Geheimdienste entwickelt wurden. In der Schweiz gebaut wurde die Kamera weltweit verkauft. 1971 kam dieses Modell dann auch zum Einsatz in der Watergate Affäre und erlangte somit weltweite Berühmtheit. Die Wertigkeit liegt bei 800 Euro.

Die erste Spiegelreflexkamera von Hasselblad 1600F c.1952 (da musste mir der Kameramann aus dem Off helfen, weil ich kurz durch einen momentanen Aussetzer Unterstützung brauchte, der natürlich gleich wusste was mir auf der Zunge lag, da er stolzer Besitzer dieses Modells ist) 6 x 6 für wunderschöne Portraits und Landschaftsaufnahmen. Aus diesen Kameras wurden später die berühmten NASA Kameras entwickelt, die für die ersten spektakulären Aufnahmen der Apollo Mondmissionen verwendet wurden. Die frühen Kameras sind auch begehrte Sammlerobjekte.

Die historische “Drohne”, die Taube mit Kamera basierend auf der zeitgeschichtlichen Begebenheit, nämlich jener, dass um 1915 (während dem ersten Weltkrieg) Tauben mit Julius Neubronners Spezialkamera (er war Münchner Apotheker) bestückt wurden, um Panoramaaufnahmen der feindlichen Linien zu machen. Er entwickelte eben diesen kleinen Fotoapparat mit einem automatischen Selbstauslöser, der Tauben umgehängt werden konnte. Die Brieftauben der Apotheke Neubronners kannten die leichten Mäppchen für die Rezepte bereits und mussten nur noch an das größere Gewicht von 53 Gramm der Kamera gewöhnt werden. Ein absolutes Highlight im Westlicht, wie auch die erste österreichische Kamera (obwohl einfach alle Schaustücke des Westlichts spannend sind). Da diese Tauben, wie man sich vorstellen kann, oft abgeschossen wurden, ergibt sich dadurch eine absolute Seltenheit und auch ein Wert von 40.000 Euro.

Abschließend sei gesagt (wie auch vorher erwähnt): Der Trend ist nun aber, dass die Jugend wieder analog fotografiert. Die Antizipation, das Warten auf das Entwickeln der Fotos ist wieder spannend geworden. Meine Sohn ist 20 und er und seine Freunde machen das derzeit mit voller Passion, und das ist einfach eine schöne Geschichte.

Bitte auch nachstehend das wunderbare Foto von unserer Kurzzeit-Kanzlerin Bierlein beachten, geschossen von keinem Geringeren als Peter Coeln (Westlicht – Schauplatz für Fotografie), dem Leihgeber für die heutige Sendung.