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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Josef Frank Leben und Werk

Montag, 17.10.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Josef Frank Stoffe

In meinem heutigen Studio2 Sendungsbeitrag ging es um die spannende Lebensgeschichte von Josef Frank und um seine farbenfrohen Stoffe aus den 1920er Jahren – unter anderem entstanden aus seinen Entwürfen Tapeten, Vorhänge, Möbelstoffe, Teppiche und auch Tischtücher. Erste Exemplare seiner Möbelentwürfe finden sich in den Sammlungen des MoMA in New York und dem Nationalmuseum Stockholm.

Josef Frank wurde 1885 in Baden bei Wien geboren. Im Städtebau hat er mit eigener Philosophie Unglaubliches geleistet, auch in Gemeindebauten oder der Werkbundsiedlung, wo er als Gründungsmitglied des Wiener Werkbundes und Leiter des von der städtischen Siedlungsgesellschaft Gesiba finanzierten Baus war.

Auch in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart hat er ein Haus entworfen, ein Projekt, an dem viele namhafte Architekten teilgenommen haben. Er war Architekt, hat Möbel und eben auch Stoffe entworfen, aber was viele nicht wissen – seine große Passion war die Malerei. 

1933 verließ der jüdischstämmige Frank mit seiner schwedischen Frau Anna Sebenius wegen des aufkommenden Antisemitismus Wien, um sich in Stockholm niederzulassen. Dort wurde er nicht nur zu Lebzeiten ein Star, sondern inspiriert bis heute die nachfolgenden Generationen an schwedischen Designern und Architekten. Er erhielt 1939 die schwedische Staatsbürgerschaft. Frank nahm kurz darauf an der New York World’s Fair teil und gestaltete dort als Designer für die heute noch existierende Stockholmer Designerfirma Svenskt Tenn (übersetzt: schwedisches Zinn) einen Raum im schwedischen Pavillon. Mit der Gründerin von Svenskt Tenn Estrid Ericson schuf er für die Firma unzählige Entwürfe, die zum Teil bis heute realisiert werden und als Markenzeichen der Firma gelten. Näheres dazu in diesem spannenden Artikel von Der Standard Rondo.

Lustige Geschichte am Rande:  das offizielle Staatsgeschenk von Schweden an Elizabeth, Queen of England 1947 zu ihrem Hochzeitstag mit Philipp wurde von Josef Frank gestellt – ein Schreibtisch.  2025 wird darüber hinaus das Josef Frank Jubiläum in Schweden begangen zu seinem 140. Geburtstag und dies kann man sich so umfangreich, in Hinblick auf das zeremonielle Aufbereiten, wie das Mozartjahr in Österreich vorstellen. Auf den ersten Blick muten die Stoffe psychedelisch an, wie aus den 1970er Jahren. Dabei hat er viele Stoffe um 1928 entworfen (den ersten Entwurf schon 1906), um diese gerade in jüdischen Haushalten zu etablieren. 

Streng geschützt und versehen mit “all rights reserved”, Martin Ferdiny hob hervor, dass diese Stoffe wohl auch heute in einer höheren Preisklasse angesiedelt wären. Die günstigsten Stoffe kosten auch pro Meter um die 200 Euro. 

Mitgenommen hatte ich auch eine Frank „Strumpfdose“, deren Deckel innen mit Holz verkleidet war um die Feuchtigkeit zu halten. Der Kaminsessel Entwurf aus den 1950er Jahren ist auch ein besonderes Stück. Nach Österreich wollte Josef Frank erstmal allerdings auch nach mehrfacher Bitte nicht mehr zurückkommen, obwohl sein Freund Bruno Kreisky, der 1938 nach Schweden geflüchtet war, 1946 wieder zurückgekommen ist. 1965 erhielt er dann den Österreichischen Staatspreis.

Die Sitzgarnitur, die mit dem Frank Stoff mit dem klingenden Namen “Tulpe” bezogen ist, die Kreisky aus dem Exil aus Schweden nach Österreich mitgenommenhat und welche sich auch heute noch im Kreisky Forum in der Armbrustergasse befindet, ist wieder en vogue.

 

 

 

Mein teuerstes Stück (und perfektes Auktionsstück) diesmal war eine Frank Lampe, mit einer Wertigkeit von circa 2000 Euro. Dies war ein Originalentwurf von der 1925 von Frank gemeinsam mit Wlach und Sobotka gegründeten Einrichtungsfirma “Haus und Garten”. Mit ihren funktionsgerechten Möbeln und den farbenfrohen Textilien vertreiben die Architekten nicht einfach nur Gebrauchsgegenstände, sondern einen zukunftsweisenden Lebensstil.

“Der Kasperl aus dem Kopf ”- Schatulle oder Nähgarnitur, mit der gedruckten Signatur im Zentrum, gedacht für Nadeln, Stecknadeln, Schere und Sicherheitsnadeln… aber: man könnte auch darin eine Ehering präsentieren.

“Josef Frank – Der Stoff, aus dem die buntesten Träume sind!”, meinte Martin Ferdiny lachend zum Abschluss.

Dank gebührt Gerhard Bauderer und seinen Kabinettstücken!

 

Zum Abschluss noch ein kleiner Exkurs:

Josef Franks Villa Beer

„Mit dem Haus „Villa Beer“ hat Josef Frank gemeinsam mit Oskar Wlach von 1929–1931 in Wien eines seiner wichtigsten Werke mit besonderer künstlerischer und kulturgeschichtlicher Bedeutung geschaffen. Friedrich Achleitner, Chronist der österreichischen Architektur-Moderne, nannte es „das wohl bedeutendste Beispiel Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeit“.“ Zitat: Website Villa Beer.

Um Franks Villa Beer geht es auch in meinem neuen Buch „Möbel und Objekte mit Geschichte“ – seit September erhältlich im gut sortierten Buchhandel oder auch bestellbar direkt beim Löcker Verlag.

Eigenwerbung da Familiensache 😉
Meine glorreiche Elisabeth Maria Gottfried hat auch Josef Frank Stoffstücke wie Polster im Sortiment in ihrem Designstore im Jüdischen Museum – schaut’s euch das hier an: Gottfried & Söhne

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Buchstützen

Montag, 10.10.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Auf den Spuren der fast versunkenen Welt der Buchstützen

 

Vielleicht sollte man Richard Lugner zum 90er Buchstützen schenken, meinte Norbert Oberhauser. Ob das ein Requisit ist, das er verwenden würde, wäre wohl die Frage…

Leider ist die jüngere Generation (nach 2000 geboren) auch nicht mehr so sehr dafür zu begeistern – durch Kindle, Onlinekonsumation am Tablet, Handy, etc. und weil das Buch als solches schon fast am Aussterben ist. Norbert meinte, das wäre gut für die Umwelt. Obwohl selbst die elektronischen Gadgets ja auch Ressourcen der Erde ver(sch)wenden. Ich selber bin aber so ein analoger Typ, ich brauch’ das einfach – es ist etwas Wunderschönes, haptisch das Buch zu erleben und auch davon meine Information und Inspiration zu bekommen. 

 

Seit es den Buchdruck gibt, existieren die Buchstützen. Dort wo es größere Buchsammlungen gab, vor allem früher in Klöstern gab es sie auch immer schon. Diese Buchstützen haben ja einen Sinn und Zweck – der Unterschied ist eben jener, dass es Buchstützen gibt, die mit dem Gewicht der Bücher stehen und denen, die durch ihr Eigengewicht die Bücher halten.

Richtig populär sind sie dann um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts geworden, als auch das Kleinbürgertum sich Bücher leisten konnte, weil der Buchdruck günstiger wurde.

Die Werkstätte Hagenauer hat für den amerikanischen Markt Ende der 1920er Jahre diese Buchstütze mit der tanzenden Mickey Maus gemacht – dies war das älteste und wertvollste Stück, das ich mitgebracht hatte und ist um die 2000 Euro wert. Mein persönliches Highlight.

Aus den 1950er Jahren hatte ich Buchstützen von Karli Bauer, die Blumenmädchen mit – diese Keramiken sind nicht nur dekorativ, sondern erzählen auch ihre eigenen Geschichten, sozusagen Objekte mit Geschichte.

Robert Menasse ist ein fanatischer Sammler von Walter Bosse Buchstützen aus den 1930er Jahren – in der Sendung zeigte ich das Bauernpärchen – aus der Serie gibt es unter anderem auch Max und Moritz und das Pfaffenpärchen.

Gmundner Keramik hat auch solche Sachen gemacht, wenn man genau schaut, sieht man am Rücken der Figur das typische Gmundner Keramik Muster angedeutet. 

Wenn man keine Bücher damit stützt, kann man sie somit auch als dekorative Stücke einsetzen. Wie man sieht wurden die aus den verschiedensten Materialien wie Keramik, Metall, Silber, Holz geschnitzt, Stuck, Bronze, Marmor, Metall verchromt, Holz mit Bronze, zu den verschiedensten Themen wie Nautik, Erdkugeln, Damen-&Herrenpendants, Tiere und vieles mehr, gefertigt.

Robert Indiana, US-amerikanischer Pop Art Künstler, der sich auch für den berühmten “Love” Schriftzug (1966) verantwortlich zeigt, war auch Zeitgenosse und Freund von Andy Warhol. Er hat eben den Designer der „Book“ Schriftzug Buchstützen zu diesen inspiriert.

Norbert hat dann noch eine persönliche Empfehlung für mein neues Buch “Möbel und Objekte mit Geschichte” ausgesprochen, das seit September im Buchhandel erhältlich ist. Auch auf Amazon, aber an dieser Stelle möchte ich trotzdem kurz sagen: Think global, shop local! 

In diesem Sinne – auf in den Josef Frank Sessel, um in einem guten Buch (das natürlich von wunderbaren Buchstützen gehalten wird) zu schmökern. Bis nächsten Montag!

 

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Das Wunder Fernsehen

Montag, 03.10.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Auf der Suche nach sachdienlichen Hinweisen

Heute habe ich, als Sammler von besonderen Geschichten und nun auch Herausgeber eines Buches über dieses Thema, im Studio2 über das Wunder Fernsehen gesprochen.

Der Zuseher Walter Kabelka hat das Rätsel des Objekts Karl Hagenauer: Skulptur einer Frau (Nude with Arms up, 1929) nach ausgiebiger Recherche kurz nach meiner Sendung im Dezember 2020 gelöst. Ist das nicht einfach herrlich?! So soll Fernsehen sein – eine Interaktion zwischen dem Medium und den Rezipienten!

Walter Kabelka habe ich daraufhin dann auch eingeladen, Teil meines Buchprojektes „Möbel und Objekte mit Geschichte“ zu sein, um die großartige Geschichte dieses “Werkstätten Hagenauer”- Objekts zu erzählen.

Ein Exzerpt aus Walter Kabelkas Textbeitrag in “Möbel und Objekte mit Geschichte”:

„Christof Stein zeigte im Studio 2 des ORF am 14.12.2020 Figuren aus der Werkstatt Hagenauer. Darunter befand sich eine zierliche weibliche Gestalt, im Werkverzeichnis als „Skulptur einer Frau“ geführt, in deren Sockel eine Widmung eingraviert ist. Dieses Textfragment lautet „All alone, all at sea, why does nobody care for me” und stammt aus dem Song „A ship without a sail”, der unter anderem durch Ella Fitzgerald bekannt wurde und aus dem Musical „Heads up“ ist. Dieses hat der weltberühmte Richard Rodgers komponiert,der unter anderem bekannt ist für „Oklahoma“, „The King and I“ und nicht zuletzt „The Sound of Music“, das ein bestimmtes Bild von Österreich in den USA geprägt hat. Aufgeführt wurde dieses Musical am Broadway in der Saison 1929/1930. Es kam zu 144 Aufführungen und einer Verfilmung 1930.

Die Geschichte rund um diese Figur entwickelt sich in der Folge immer intensiver. Zwei weitere Fragmente der Gravur auf der Hagenauerfigur geben Hinweise auf einen möglichen Anlass für Entstehung, Erwerb oder Widmung der Figur: „Xmas 1929“. Das heißt, dass während der Aufführungsserie von „A ship without a sail“ die Statue gewidmet wurde, und zwar „To Dick from Gertie“. Dies legt nun die Vermutung nahe, dass als Empfänger Richard „Dick“ Rodgers gemeint sein könnte. Wer aber könnte die Schenkerin gewesen sein, die mit der Inschrift auf Einsamkeit und Sehnsucht nach Liebe verweist?“

Mehr dazu in meinem Buch „Möbel und Objekte mit Geschichte“ erschienen im Löcker-Verlag – ist seit September 2022 im österreichischen Buchhandel erhältlich.

ISBN 978-3-99098-143-6. Mehr Informationen findet ihr hier.

Aber nun auch zum eigentlichen Thema: ein Fries, das fragmentarisch aber in großartiger Qualität erhalten ist, zwei Figuren zeigt und in der Zeit um Gustav Klimt und Koloman Moser einzuordnen wäre. In einer Verlassenschaft in der Zieglergasse habe ich dieses wunderbare Stück gefunden. Der Verstorbene war Wissenschaftler und hatte Gesteinsproben und Fliesen aus aller Welt gesammelt – unter anderem fand sich dort eben auch eine Kiste mit der Aufschrift „Jugendstilfliesen“. Lang stand dann die Kiste in unserem Abstellkammerl, bis meine Frau sich dazu entschied die Fliesen zu einem Ganzen zusammenzustellen. Da wurde uns erst so richtig bewusst, was für einen Schatz wir da vor uns hatten.

Hat jemand eine Idee woher dieses Fries stammen könnte? Die Vermutung Dianabad lag schon nahe. In Steinhof gibt es ja auch die wunderbaren Klimt Fenster. Viele kennen natürlich das Beethoven Fries in der Secession. Wunder Fernsehen zeige Deine Wirkung! Wer hat sachdienliche Hinweise, um dieses Fries wieder an seinen Ursprungsort zu bringen oder die Geschichte zu erzählen, falls es dieses Gebäude nicht mehr geben sollte. Es könnte sich schätzungsweise über 10m2 erstreckt haben. 

So à la Aktenzeichen XY, eine meiner Kindheitslieblingsfernsehsendungen, brauche ich die Mithilfe aller Zuseher:innen. Vielleicht gibt es auch hier eine spannende Geschichte zu diesem Fliesen-Kunstwerk, die sich dann in “Möbel und Objekte mit Geschichte” Volume II wiederfindet.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Siphon Flaschen

 

Montag, 12.09.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Auf der Suche nach dem Holy Spirit 

“Wie steht es um Deine Tanzkünste?” fragte mich Birgit Fenderl als Intro zu meinem Sendungsbeitrag (im Beitrag vor meinem ging es um Tanztraining).

Als ich ein beginnender Tween war und ich mir keine Ballkarten leisten konnte, habe ich immer die Mitternachtseinlagen gemacht, denn dadurch kam man gratis auf den Ball. Aber ich bin einfach wirklich ein leidenschaftlicher Tänzer und war sogar in den frühen Tagen ein Jahr lang Tanzlehrer in Südafrika. Tanzen und Gin Fizz passen gut zusammen und somit eine Überleitung zum eigentlichen Thema: historische Sodawasserflaschen. 

 

1826 erfunden wurden diese vom ungarischen Benediktiner Priester Anyos Jedlik – auf der Suche nach dem heiligen Geist in der Flasche, dem Holy Spirit“ (Augenzwinkern mitdenken). Gleichzeitig wurde natürlich auch die Herstellung von Sodawasser entwickelt.

So richtig populär wurden sie dann im 20. Jahrhundert, aber auch in der Monarchie waren sie schon in Verwendung.

Das älteste Stück – da stand zwar auf dem Aufsatz 1927 – die Flasche an sich, aber stammt aus 1880/90 aus Tschechien, in Annagrün, einem Uranglas, das ganz leicht radioaktiv strahlt. Für ganz alte Gläser gibt es eigene Auktionen, in diesem Fall waren wir bei einem Wert von 300 Euro. Die Flasche daneben um 1920 aus Paris war dann um 1500 Euro doch wertvoller – davon gibt es nur wenige Exemplare am Markt.

Gerade die Flohmärkte in Paris wie beispielsweise Porte de Clignancourtgeben einiges her.

Die ganz alten Flaschen sind eher im dekorativen Bereich zu verorten – das Innenrohr ist wichtig für die Funktionalität, früher war es aus Glas jetzt aus Kunststoff.

Ein kurzer historischer Abriss zur Siphonflasche oder auch Soda-Wasser-Flasche und deren Funktionalität (= Zapfflasche für kohlensäurehaltige Getränke):

Immer noch hergestellt werden wieder befüllbare Flaschen aus Stahl, Aluminium, oder wie traditionell aus Metallgeflecht umwundenem Glas (bis 21. Jahrhundert war Mehrweg-Pfand üblich). Sie werden mit Kohlendioxid-Kartuschen unter Druck gesetzt (meist als Sodasiphon bezeichnet).

 

 

Das System wurde sehr lange genutzt, bis Trinkwassersprudler erfunden wurden.

Auch heute werden diese Flaschen noch in Bars genutzt, um Gin Fizzs oder Collins stilecht zuzubereiten. 

Die Flasche wird zu circa 70% mit Wasser gefüllt, luftdicht verschlossen und durch das Gasventil unter Druck gesetzt. Das CO2 löst sich dann im Wasser (je kälter das Wasser desto besser), das Wasser wird nach draußen gedrückt, sobald man den Verschlusshebel öffnet. Dazwischen ist ein Steigrohr, das den Kohlendioxidverlust nach Außen vermeidet.

1829 wurde in Frankreich erstmals diese Vorrichtung patentiert.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ein verbessertes System zum Patent angemeldet von der Firma Aerators Lts. Diese Firma wurde 1919 von der Firma Sparklets erworben, die im WK I Munition hergestellt hat (stellen noch heute Systeme mit Druckkapseln her). 

Danach kamen die Roaring Twenties und kohlensäurehaltige Getränke wurden immer beliebter. Die Siphon-Kultur wurde der neue Chic (Gin Tonic, Whisky Soda,…) auch in zahlreichen Filmen dieser Zeit zu sehen (zb. Great Gatsby).

Ab den 50er Jahren gehörte die Siphonflasche zur Standardausstattung eines modernen Haushaltes. –

Sodasiphon ist ein bedeutender Teil der historischen Getränkekultur, eine beinahe unzerbrechliche Quelle von frischem Sodawasser in Glas mit Geflecht aus Stahl. Spannendes Detail am Rande: Es gab die Siphonflaschen auch zur Miete, wenn man sich einen eigenen nicht leisten konnte oder wollte. 

 

Zurück zu meinem Beitrag: Mir war wichtig, dass es in der Sendung nicht nur um die Wertigkeit ging, sondern gerade auch um den optischen Genuss.

 

Die bunteren Flaschen waren aus den 1950/60er Jahren aus Aluminium, teilweise eloxiert oder lackiert. Ein Interior Designer würde einen dann beraten, welche als Teil der Einrichtung zu einem farblich passen – welche so richtig “knallen” würde, um sich stilecht einen Gin Fizz in der Heimbar machen zu können. Berühmte Filmszenen kommen mit diesem Requisiteneinsatz (Sodawasser wird mit der Flasche ins Gesicht des Gegenübers gespritzt) kaum aus – vor allem im Oldschool Slapstick Bereich wie Buster Keaton, Dick und Doof oder Charlie Chaplin.

Glücksritter erwischen besondere Objekte mit Geschichte ab 5-7 Euro am Naschmarkt-Flohmarkt bevor die Sonne aufgeht, besondere Varianten, wie rot in schwarz oder gelb mit schwarz findet sich dann aber eventuell doch eher um die 125 Euro im Netz.

Wiederaufgelegete Modelle der Siphonflasche nach altem Vorbild gibt es jetzt auch wieder, wie vorher erwähnt, ein Boom seit den 2010er Jahren.

Zum Abschluss meinte Birgit wieder, beschwingt von unserem Sodawasser Gin Fizz Szenario: “Wir finden noch eine Gelegenheit Dich zum Tanzen zu bringen!”

Aber diese Geschichte wird an einem anderen Punkt erzählt werden…

 

Im Übrigen: wusstet ihr, dass  „SodaStream“ aus Israel stammt und als „Friedensprojekt “in Gemeinsamkeit von Israelis und Palästinensern in Form eines Startups begonnen wurde ?

Wie einfach Erfolg und Frieden, eben ein Miteinander sein können.

 

 

Ein großes Danke an den Leihgeber Gerhard Bauderer!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Gewichte

 

Montag, 05.09.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Darf’s ein bisserl mehr sein?

 

Alles was ich mit hatte war richtig museal, Highlights aus einer einzigartigen Sammlung (Sammlung Dr. Gerhard Eiselmayr), die in Kürze im Auktionshaus Dorotheum versteigert werden. Ein weiterer Teil aus dieser Sammlung wurde an ein Museum in Salzburg gestiftet.

Tausende Jahre liegt der Beginn vom Einsatz von Maßeinheiten zurück. Seit gehandelt wird, braucht man diese natürlich auch. Es gab so viele Maßeinheiten, wie es Regionen auf der Welt gibt, was natürlich im internationalen Handel zu viel Verwirrung geführt hat. Es geht hier um Maßeinheiten wie Länge, Gewicht, Volumen.

In Bayern war das Maß Bier ein Liter während im Rheinland das Maß allerdings 1,7 Liter betrug. Um eine Einheit zu schaffen wurde in Paris 1783  das metrische Maß eingeführt.

Das absolute Juwel war ein Objekt aus 1704, leopoldinisch, wunderschön gearbeitet, mit Zierdefiguren am Hänkel. Dieses Gewicht stammt aus dem Österreichischen Punzierungsamt, dessen Funktion die Eichung aller anderen Gewichte, die auf 15 Pfund eingestellt werden sollten, bewerkstelligte.

Im Übrigen, das Wiener Pfund war nicht 0,5 Kilogramm wie heute, sondern 0,56 Kilogramm. Dieses Objekt mit Geschichte hat eine Wertigkeit von 10.000 Euro, weil es so einzigartig ist.

Das nächste Objekt hatte die Funktion, die Essenseinheiten für Soldaten zu messen,  militärische Maßeinheiten, wie ein Brot- oder Zwiebackgewicht, eine durchschnittliche Ration eines einfachen Soldaten um 1900, mit einem Wert von 500 bis 800 Euro.

Von massiv zu filigran: verschiedene Maßeinheiten, die nachfolgende war nun für Garn. Man sah wunderschön darauf das Längenmaß und verschiedenen andere Maßeinheiten. Die Schatulle, der Gewichtsaufbewahrer war mit schwarzem Samt gepolstert und Mahagoni Holz gefertigt, signiert von einer Wiener Manufaktur, mit einer Wertigkeit von 800 bis 1000 Euro.

Das letzte „TO GO“ Objekt um 1788 wurde pro Jahr neu punziert, weil geeicht. So einen Gewichtssatz hatte jeder Händler mit, damit wurden die Goldmünzen gewogen, auf dem Gewicht stand auch z.B. “Dukat” drauf.

Etwas ganz Spezielles – 4 Wiener Pfund, stand auch wirklich schön drauf, von 1778, und durch die jährliche Eichung wurden weitere Jahreszahlen punziert. Lauter kleinerer weitere Gewichte waren darin zu finden – nimmt man aus dem Grundgefäss alle übrigen Gewichte heraus ergibt das Grundgefäss 2 Pfund und der Rest ergibt ebenfalls 2 Pfund, wie ein magischer Trick – wer hat sich das einfallen lassen, hat dann Birgit Fenderl gefragt. Die fantastischen Nürnberger Gewichtsspezialisten waren die Vorreiter allerdings führte Maria Theresia auch eine Produktionsstätte in Österreich ein (in Wiener Neustadt), nach Nürnberger Vorbild.

Das berühmte Wiener Eizerl, das im Wiener Volksmund keine bestimmte Größe ist und das man noch aus Kindheitstagen von der Wiener Wursttheke kennt, normalerweise begleitet mit dem Spruch “Darf‘s ein Eizerl mehr sein?”. Dieses alte Gewichtsmaß war das Zweiunddreißigstel eines Pfunds, nach heutiger Umrechnung etwa 17,5 Gramm. In alten Kochbüchern entspricht das Lot etwa einem „Löffel voll“. Das Älzelin, unser Eizerl, gewichts-und bedeutungsident mit dem Quäntchen, entsprach so einem Viertel-Löffel, also 4,375 Gramm. Nachzulesen hier im Falter.

Großartige Geschichten können Objekte erzählen …aber auch Möbel, aber dazu mehr ein anderes Mal.

Großer Dank an das Wiener Auktionshaus Dorotheum und den Experten Simon Weber.

 

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Werkzeuge

 

Montag, 18.07.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Werkzeuge mit Geschichte

 

Ganz á la Method Acting bin ich in der heutigen Sendung in meiner Rolle als Handwerker ganz aufgegangen. Mit Birgit Fenderl habe ich mich diesmal über historisches Werkzeug unterhalten, weniger mit Fokus auf die Wertigkeiten, sondern mehr auf der formschönen Ästhetik dieser kleinen Wunderwerkzeuge mit Geschichte(n). 

Das erste großartige Stück war für einen Sattler, das man sich auf die Schulter anlegt, um das Leder zu bearbeiten, um es an den Kanten scharf zu machen, das nennt man das “Endeln”. Hier gehen wir vom Tapezieren eines Möbels aus, aber auch vom Sattel eines Pferdes. Dieses Objekt war aus der Zeit um 1880. Ein wunderbares Dekorationsstück mit voll gegebener Funktion, das man wie das moderne und unschöne Werkzeug nicht wegräumen muss. 

Man hat früher nicht so viele Werkzeuge gehabt, sondern wenige, die aber mehrfache Funktionen hatten. Schon alleine die Ausführung dieser Stücke, wie eines simplen Schraubenziehers, mit einem durchgehenden Stagl, wo man am hinteren Ende mit dem Hammer (eingefasst in Leder) ohne weiteres fest draufschlagen kann ohne das Werkzeug an sich kaputt zu machen. Heutzutage mit den Kunststoffgriffen ist dies jedoch nicht zu gewährleisten. 

Viele denken, dass das Handwerk nur rein den Männern vorbehalten ist. Meine Partnerin würde dem nun vehement widersprechen. Sie geht lieber in den Baumarkt als auf den Kohlmarkt. Sie bevorzugt es selbst Hand anzulegen, als an einen Mann weiterzugeben.  Aber wie war das nun mit dem Frauenanteil im Handwerk?

Nachgewiesenermaßen gab es im Spätmittelalter Frauenzünfte beziehungsweise auch gemischte Zünfte. Leider hat man heute noch oft die Assoziation, dass das Handwerk eine reine Männerdomäne sei, dies ist jedoch nicht einmal annähernd ein Abbild der Wirklichkeit. Zwar gab es leider über Jahrhunderte hinweg eine gewisse Stagnation in den Gleichberechtigungsbestrebungen aber durch verschiedene Faktoren, wie beispielsweise Fachkräftemangel, wird der weibliche Anteil im Bereich Handwerk immer mehr steigen. 

Eine Quetschmaschine hatte ich auch mitgebracht, die wie eine Art Hefter funktioniert. Zum Beispiel kann man damit zwei organische Stoffe, die getrennt sind, “zusammenquetschen”, ohne kleben zu müssen. 

Die Schere war handgeschmiedet, kann immer wieder auseinander genommen und geschärft werden,  ein absoluter Garant für Nachhaltigkeit, oder auch „modernes Recycling“ wie mein Vater gesagt hätte.

Nichts ist eleganter als dieses Objekt, das englische Maßband aus dem 19. Jahrhundert von einer Wiener Firma (auf einer Seite das englische Maß auf der anderen Seite das europäische Maß) auf einem schönen alten Schreibtisch als Briefbeschwerer liegen zu haben. In einem guten Zustand,140 Jahre alt, geendelt, bringt das sicher auf einem Flohmarkt in Brighton über 100 Pfund ein. 

Wer wird schwach, wenn ich “Metabo” erwähne – ich hatte diese großartige Messerschleifmaschine dieser begehrten Marke auch in der Sendung mit, ein wahres Sammlerobjekt. Der “Heimschleifer” in dieser Variante, früher gab es ja auch den Messerschleifer, der zu einem Nachhause kam. 

Mit war auch das Zunftzeichen für die Tischler:innen, eine Hobel, in dem Fall zum Kantenhobeln, nicht nur Flächen, speziell um Sesselleisten zu machen. 

Dazu passend zum Anhören:

Paul Hörbiger – Das Hobellied – 1936

“Also, da legen wir den Hobel an und sagen – aber nur für heute – Adieu!” so beendete Birgit meinen Sendungsbeitrag. Auf bald!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Laissez-faire am Pool

 

Montag, 11.07.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Poolmöbel mit Geschichte

Die nächste Hitzewelle steht schon in den Startlöchern und bringt uns wieder heißes Schwimmwetter – was darf dabei auf keinen Fall fehlen? Natürlich die richtige Ausstattung rund um den Pool! Und was gibt es Besseres als Möbel mit Geschichte am kühlen Nass…

“Ein Schaf, zwei Schafe, man könnte schon so ein bisschen dahinbüseln, wenn die Sommersonne untergeht in diesen großartigen Möbelstücken, die uns Experte Christof Stein mitgebracht hat” meinte Norbert Oberhauser als Einstieg in meinen Sendungsbeitrag (im vorhergehenden Beitrag ging es um Merino Schafe).

Er saß wahrlich auf einem der raren Designstücke aus Ostdeutschland, aus der DDR, um 1965, von Peter Ghyscy. Man kann diese Stücke auch wunderbar zuklappen, damit sie im Freien stehen bleiben können. Sie verfügen sogar über ein Reservoir das Wasser sammelt und ein kleines Loch, wo es dann wieder abgegeben wird. Ein wirklich cleveres Design!

Geschmuggelt wurden sie zur Zeit der Ost West Trennung, denn jeder im Westen wollte dieses coole Design Pool-Ei haben. Damals umgerechnet von DM würden sie heute auf eine Wertigkeit von 3000 bis 4000 Euro kommen, allerdings wurden sie dann so populär, dass sie neuaufgelegt wurden und die Preise für Originale heute bei ungefähr 1200 Euro liegen.

Diese Möbel mit Geschichte sind einfach wunderbar bunte Accessoires, die rund um Pool oder Badeteich stehen können.

Doch wie lange gibt es nun schon Pools?

In der Stadt Mohenjo-Daro (im heutigen Pakistan) wurden bei Ausgrabungen in den 1920er Jahren Schwimmbecken gefunden und an deren Maßen erkannte man, dass diese nicht der Körperreinigung, sondern entweder rituellen Zwecken oder dem Badevergnügen dienten. Auch im alten Ägypten und im antiken Rom gehörte Schwimmen zum guten Ton. Bei den Griechen galt sogar als ungebildet, wer weder lesen noch schwimmen konnte. Dennoch spielten Schwimmbecken später, vor allem während des „dunklen“ Mittelalters, keine Rolle mehr: Das Badevergnügen galt als verwerflich, denn Badehäuser galten als Plätze für Orgien oder sexuelle Dienste. Öffentliche Badeanstalten wurden deshalb ausschließlich für die Körperpflege errichtet.

Bei uns kam dann die Poolkultur während dem Wirtschaftswunder in den 1950/60er Jahren so richtig ins Laufen, da gab es dann private Pools, die liebevoll ausgestattet wurden.

Das nächste Poolmöbelstück war dann ein Liegestuhl im Rimini Riviera Style, den man um ein paar Lire in Italien am Strand ausborgen konnte. Schade, heute ist alles nur noch aus Kunststoff gemacht, damals war es ein Holzsessel mit Segeltuchstoff. Das war noch Urlaub, wo das Sonnenöl zum olfaktorischen Erlebnis beitrug.

Die Holzliege, die ich mitgenommen hatte, war aus Hartholz nicht mehr Teak, weil es durch das Tropenholz Schutzabkommen nahezu keines mehr gibt, es ist aber auf Teak gebeizt und kann ewig draußen stehen, weil wetterresistent.

Ich saß Norbert gegenüber auf einem Stapelsessel aus den 2000er Jahren – kein besonderes Designerstück, aber ein robustes Funktionsmöbel, das es in verschiedenen Farben gibt.

Das skulpturale, einem Kunstwerk anmutende Sitzmöbel neben mir fand Norbert nicht sehr ansprechend in Hinsicht auf Bequemlichkeit. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es viele neue Materialien, wie beispielsweise Plexiglas oder eben in diesem Fall Eternit (woraus man eben auch Pools macht/e). Das Design stammt von Willie Guhl aus den 1950er Jahren und gehört wie die Pastillen zu den 1000 bedeutendsten Sesseln der Designgeschichte und kann im Vitra Museum in Weil am Rhein bestaunt werden. Im Original bei Auktion kommen diese Stücke auf 4000 Euro, aber nur wenn aus den 1950ern stammt.  In Neuauflage kosten diese “Kunstobjekte” nur noch ein paar hundert Euro.

Dann hat mich Norbert lachend gefragt, ob ich den Spaghetti Liegestuhl seiner Tante aus dem Garten gestohlen hätte, den er hätte viele Fotos aus der Kindheit auf diesen typisch italienischen Gartenstühlen und Liegen (siehe dazu meinen Beitrag über Gartenstühle)

In so einem Möbel mit Geschichte kann man wunderbar Zeitung lassen und sich zurücklehnen – dieses besondere Stück war sogar mit kleinem Stoßdämpfern aus Gartenschlauchteilen bestückt. Unzählige Dinge gibt es, die mit Pool und Schwimmen zu tun haben. Schwimmreifen der berühmten, leider gesunkenen Andrea Doria bringen einige tausend Euro bei Memorial Auctions.

Alles was ich mitgebracht habe sieht man teilweise im Museum aber natürlich noch viel wichtiger ist, dass es benützbare Funktionsmöbel sind – um den Sommer zu einem absoluten Genuss zu machen.

Beendet haben wir den Sendungsbeitrag mit “Jetzt gehen wir schwimmen!”, sehnsüchtig auf den Badeteich schauend. (Leider haben die Temperaturen nicht wirklich mitgespielt und waren eher frühherbstlich).

Und zum Schluss noch ein paar stimmige Videos zum Poolthema:

Der Klassiker:

La Piscine mit Alain Delon und Romy Schneider

Und zum Finale etwas zum Lachen:

Der Partyschreck mit Peter Sellers