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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Meine Südfrankreich Reise

Montag, 28.11.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Auf der Suche nach besonderen Schätzen

 

“Was für ein Prachtstück. Ist dies wirklich das, was ich lese? Die goldene Platte von den Beatles aus dem Jahr 1966?” – ,so klang Martin Ferdinys Einstieg in meinen Sendungsbeitrag. So erstaunt war auch ich, als diese Platte aus einem LKW am Flohmarkt in Carpentras herausblitzen sah.

Yellow Submarine war auch das erste Lied, das ich auf meiner Gitarre versucht habe zu interpretieren.

Der Händler erklärte mir, dass er eine Filiale nach Konkurs der Planet Hollywood Kette geräumt hatte und daher kam dieses wunderbare Stück. Es ist für mich noch nicht ganz klar, was es wert ist, aber ich gehe von ein paar hundert Euro aus.

“Woher weißt Du, wo Du die besten Schätze findest?”, fragte mich dann Martin.

Aufgrund von Corona war ich ja drei Jahre nicht mehr auf einer Shoppingtour unterwegs – dieses Jahr hat es aber funktioniert und alle Märkte und Hotspots waren wieder geöffnet. Somit habe ich mich mit meinem LKW und einem guten Freund auf diese 4000km Tour begeben – eine Woche, jeden Tag an einem anderen Ort. Begonnen hat die Reise in Italien, genauer gesagt in Verona, wo ich beim ehemaligen Tormanntrainer von Luigi Buffon, der jetzt Vintage Interior Designer ist, eingekauft habe. Danach ging es nach Nizza weiter. Anschließend Marseille bis hinunter nach Bezier. Später noch Avignon und Montpellier. 

Ich bin nun schon seit 30 Jahren in diesem Metier und kenne die nationalen wie internationalen Märkte und Messen. 

Ganz in der Früh stehen schon die Menschenmassen, versuchen die letzten Parkplätze zu finden, alle warten ungeduldig auf die Sirenen, die quasi den Startschuss um 8 Uhr Früh für den hellen Wahnsinn legen. Die Endorphine, das Dopamin wird ausgeschüttet und schon geht es los – Verkäufer und Käufer laufen alle gleichzeitig auf das Ausstellungsgelände – links oder rechts? Wo ist das große Glück zu finden? Manchmal ist man dann Glücksritter und manchmal eben nicht.

Das kleinste Objekt mit Geschichte, das ich in die Sendung mitgebracht hatte, war ein schulmedizinisches Präparat – eine echte Auster mit Perle. Das lugte aus einer Kiste heraus und ich konnte einfach nicht widerstehen. 

Ein Möbelstück mit Geschichte war von Émilé Gallé, noch im Originalzustand, dieser Tisch wird in Kürze restauriert werden. Gallé war durch seine Glaskunst berühmt, sozusagen das “enfant terrible” in Frankreich – wie es bei uns Koloman Moser und Hoffmann waren. Dieser Tisch wurde aus tropischen Hölzern gemacht und liegt bei einer Wertigkeit von 5000 – 6000 Euro.

Man stelle sich vor: Sonnenschein, Austern schon in der Früh, eine idyllische Marktszenerie und dann stolpere ich über einen Picasso (genauer gesagt eine Lithographie), abgebildet darauf, passend zur Stimmung, der Gott des Weines, aus den 1960er Jahren, mit Original Rahmung und Passepartout, in einer kleinen Auflage (ich habe die Editionsnummer 142 von 250 ergattert, persönlich signiert vom großen Meister). Ein wenig stockfleckig, allerdings könnte man diese Stellen aufhellen, um die Grafik noch wertvoller zu machen. Die Grafik basiert auf einem Original aus 1955 mit dem klingenden Namen “Bacchanale”.

“Le prochain objet de désir” (das nächste Objekt der Begierde) war dann eine wunderschöne Obstschale. Mein Kauf war eine Art von Rückführung, denn es handelt sich hierbei um eine Glasarbeit, circa um 1910, von Wilhelm Kralik Sohn, einer böhmischen Glasmanufaktur,die damals Teil der Monarchie war. Auf der Flucht haben jüdische Bürger:innen Objekte wie dieses mitgenommen, Südfrankreich war sehr lange “zone libre” und somit erhielt sich dieses Stück dort bis heute einwandfrei. Nun hat dieses Kulturgut und Stück Zeithistorie seinen Weg zurück gefunden. 

“Make Art not War”- der Titel eines signierten Posters von Shepard Fairey (berühmter US Street Art Künstler) ist weiterhin passend zum Krieg in der Ukraine, der im Februar nun schon ein Jahr dauern wird. Dieses Südfrankreich Einkaufstour-Prachtstück habe ich dann kurzerhand an “Licht ins Dunkle” gespendet, weil es einfach so gut passt.

Übrigens – während ich auf meinen Auftritt wartete, durfte ich den großartigen bluesigen Balladensänger Konstantin Wecker kennenlernen! Hier seht ihr ein Foto von uns auf meinem Instagram Account.

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Weinflaschen und Utensilien

Montag, 14.11.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Eines der ältesten Kulturgüter – Wein

 

„Es wird ein Wein sein – und wir werden nimmer sein…!“. Wein zählt zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Hans Moser als Reblaus wäre begeistert gewesen von der heutigen Sendung. 

Martin Ferdiny meinte auch gleich zu Beginn: “Ich tue jetzt sehr gerne meinen Dienst angesichts dieser Kostbarkeiten, die uns Christof Stein mitgebracht hat. Salvador Dalí hat gesagt: „Wein trinkt man nicht, man kostet Geheimnisse und einige dieser Geheimnisse wollen wir jetzt lüften!” Was für ein Intro!

“Wie hat es sich zu diesem Kulturgut entwickelt?“ fragte mich Martin. Also, allem voran: Wein und der Genuss dessen haben immer etwas mit Gemeinsamkeit, Brüderlichkeit und natürlich auch Schwesterlichkeit zu tun – es gibt Weinbruderschaften und Weinkonvente, längst ist Wein allerdings keine Männerdomäne mehr, auch nicht im Anbau. Hier dazu mehr. 

Aber zum Geschichtlichen: Im Nahen Osten lässt sich der Anbau von Wein bereits für das dritte vorchristliche Jahrhundert nachweisen. In der Bibel wird vom Weinbau bereits unmittelbar nach der großen Flut berichtet. 

Sprachhistorisch: arabisch wayn / althochdeutsch win / lateinisch vinum – und bedeutet: vergorener Saft aus Beeren der edlen Weinrebe.

Wein hat mindestens 8,5 Volumenprozent Alkohol. Verschiedene biochemische Abläufe führen dazu, dass manche Weine jahrzehntelang reifen und haltbar sind.

Die häufigsten Weine sind Rot, Weiß, Rosé, Schaumweine (wie Champagner, Sekt, Spumante, Perlwein,….), so wie Likörweine (wie Marsala, Sherry, Portwein,…).

Bekannt sind uns und allen Zusehr:innen die Götter Osiris in Ägypten, Dionysos in Griechenland, so wie auch Bacchus aus der römischen Mythologie. Dionysos ist der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase, was ja eigentlich schon alles sagt.  Odysseus hat den Zyklopen geblendet beziehungsweise berauscht mit Wein und dadurch besiegt. Wasser wird zu Wein, kennen wir aus dem Christentum (Kurz dazu: Die Hochzeit zu Kana ist eine Wundererzählung aus der Bibel, die davon berichtet, wie Jesus von Nazareth als Gast einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein verwandelt).

Leider gehört Österreich nicht zu den Top 5 Weinproduzenten der Welt sondern Italien, Frankreich, Spanien, USA und Argentinien, wobei die ersten drei genannten Länder mehr als die Hälfte des Weinweltanteils produzieren.

Kurz zu Österreich: Mit einer Fläche von ungefähr 50.000 Hektar, auf dem ungefähr 66 % Weißwein und circa 34 % Rotwein angebaut werden, hat das Land einen Jahresdurchschnitt, hinsichtlich Produktion, von 2,3 Millionen Hektoliter Wein. 

Neben all den Weinsammler:innen,die nach Jahrgängen oder Regionen sammeln, gibt es natürlich auch alles Mögliche rundherum, welches das Sammlerherz höher schlagen lässt.

Mitgebracht hatte ich einen Querschnitt spannender Objekte mit Geschichte – schöne Jugendstil Gläser um 1900 für Weißwein, mein privates Verkosterglas typisch für den französischen Landwein (Rotwein), wunderschön geätzt (darauf sieht man Sonne und Mond), circa um 1800, ergo das älteste Stück, das ich in der Sendung präsentierte.  Typisch für Skandinavien sind olivgrüne Weißweinbecher, die definitiv nicht für Rotwein gedacht sind, weil der Wein dann optisch braun verfärbt wirkt (und dann unappetitlich ist, meinte Martin).

Typische Gläser für den Grünen Veltliner (Riedle Glas)hatte ich auch in der Sendung mit. 

Ein spannendes Stück ist der Laura Ashley Entwurf, ein Weinglas aus den 1980er Jahren.

Wenn man nun an das Öffnen der begehrten Weinflaschen denkt: etwas Typisches für die Jagd, ein Öffner mit Hirschgeweih oder so wie mein privater Flaschenöffner aus Messing mit speziellem Patent, hatten ihre rühmlichen Momente in der Studio2 Sendung.

Zum Verschließen des köstlichen Weingutes gibt es natürlich historische Korken aus Murano, aus Porzellan (oft mit Ausgießer durch die Nase) und der gehämmerte Messingkorken aus den 1950er Jahren, der aussah wie die vietnamesischen Kappen der Reisbauern.

Meine Favoriten sind die Weinkühler – einer davon ist ultraleicht und wiegt gerade mal 100 Gramm, also 10 dag – die Leichtgewichte wurden speziell für die Zeppeline hergestellt, da konnte man sich kein unnötiges Gewicht leisten. Dieser spezielle Weinkühler war natürlich aus der ersten Klasse. “Ein Wein zum Abheben” sozusagen, witzelte Martin. 

Der Weinkühler aus der letzten Jahrhundertwende bietet Platz für vier  Weinflaschen. Naturgemäß für Weißweine, allerdings hatte ich aus Dekorationsgründen meinen ältesten Rotwein (aus 1953) darin stehen.

Wenn wir schon über Etiketten sprechen, gibt es fanatische Etikettensammler:innen. Es gibt nämlich Etiketten, die auch bis zu 3000 Euro erzielen können, sozusagen die Blaue Mauritius der Weinwelt.

In Nachlässen finden sich manchmal versteckte und eventuell unerkannte Besonderheiten und Schätze. Wenn die Nachkommen diese nicht wollen, komme ich manchmal in den Genuss der Geheimnisse des Weinkellers. Dann mache ich es wie der Bockerer und reiß’ beim Tarockieren eine Flasche auf, egal was sie möglicherweise wert ist – wir genießen sie dann in trauter Gemeinsamkeit.

Kurios: Es gibt eine App namens „Vivino„, die einem sagt, was der Wein wert ist.   Dafür muss man einfach nur das Flaschenetikett abfotografieren. Dann schlägt die App sogar das passende Essen oder den nächsten Weinhändler vor. Grandios, oder – was denkt ihr?

Und nun noch die letzten schönen Tage in den Wiener Weinbergen genießen und sich mit heurigem Wein für die kalten Tage beim Ab Hof Verkauf eindecken! 

 

Danke an den Leihgeber Paul Kozak für die Weinrequisiten.

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Brotdosen

Montag, 07.11.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Warum eine Brotdose so wichtig für meine Karriere war

Die Intro begann diesmal so in etwa in dem Stil “Die Brotdose hat über 100 Jahre auf dem Deckel“ (augenzwinkernd metaphorisch gesprochen). Das älteste Modell war …” Halt, Full Stop – etwas ganz Wichtiges noch bevor wir zum Thema kommen: Ich wollte in der Sendung einfach mal eine Lanze brechen für das Studio2-Dekorationsteam. Das Prozedere ist nämlich so: Ich komme mit den Stücken, den Möbeln und Objekten mit Geschichte, die in Kartons und Schachteln verpackt sind, ins Studio. Innerhalb von kürzester Zeit entscheiden dann die beiden Studio2 Mitarbeiterinnen Marion Mannsberger und Christa Dubovsky-Berndl wie man dann, zum Beispiel für diese heutige Sendung, die Objekte so in Szene setzt, dass man das Gefühl hat, in eine Zuckerbäckerei zu kommen. Also an dieser Stelle ein großes Danke an die beiden Damen. Nun zurück zum eigentlichen Thema.

Die über 100 Jahre alte Wiener Dose aus dem Prater, eine der allerersten Stücke, die ich gemeinsam mit einem Freund gefunden habe, war aus einem  Historismusbau aus 1880, welcher leider später abgerissen wurde. 

Wunderbare Funktion mit unglaubliche Technik, optisch ansprechend – da man auch sehen konnte, was sich drinnen befand, da es die einzige Glasdose war, die ich mitgebracht hatte.

Brot selber gibt es seit 11.000 Jahren, man glaubt es kaum! Die Menschen fingen an, Getreide anzubauen. Gegen Ende der mittleren Steinzeit wurde der Getreidebau forciert – seit 6000 Jahren sind die ältesten Getreideformen bekannt: Weizen, Gerste, Hirse, Emmer (dies ist eine alte Weizenart).

Zwischen 6000 – 3000 vor Christus breitete es sich im gesamten Orient (Ägypten, China, Indien,…) aus. Das Wort stammt vom althochdeutschen Begriff „prot“ ab, was so viel bedeutet wie “Gegorenes“ (wegen der Hefepilze, beziehungsweise den Milchsäurebakterien).

Durch die Römer gelangte das Wissen des Brotbackens nach Griechenland und über Italien, dann nach ganz Europa. Die Römer hatten Großbäckereien, sie entwickelten steinerne Drehmühlen, die das Zermahlen des Korns vereinfachten. 

Im Jahr 2012 in den Schweizer Alpen  ist aus dem Ewigen Eis eine Brotdose ausgeapert (hier nachlesen), in welcher Getreidekörner gefunden wurden. Diese war aus Holz gemacht, weil – wie wir wissen – Holz die Feuchtigkeit gut hält. Später war das Hauptmaterial allerdings Keramik. Die Brotdosen werden mit Luftlöchern versehen, damit es zu keinem Schimmelbefall kommt. Die Keksdosen hingegen sind am besten luftdicht, um vor allem in der Weihnachtszeit die Vanillekipferl weich werden zu lassen.  

Strenge und verspielte Musterungen gibt es bei den verschiedenen Brot-/Keksdosen. Ein mitgebrachtes Objekt war von 1910 herum von Joseph Maria Olbrich.  Dies ist meine private Dose, welche ich nicht hergeben würde, aber müsste ich sie heute kaufen, würde ich sicher 600 Euro dafür ausgeben, denn das wäre sie auch wert.

Die Dekorsachen können klassisch oder verspielt sein, wie wir gesehen haben – zwei Objekte, die ich präsentierte waren von einer tschechischen Manufaktur und der Manufaktur aus Wilhelmsburg dem Vorgänger von Lilienporzellan, mit Spritzdekor. Spritzdekor bedeutet nicht glasiert, sondern mit Schablone gespritzt – dadurch entstand das geometrische Muster auf der einen Dose oder das wolkenähnliche Himmelsgebilde auf der anderen Brotdose.

Verena meinte dann, dass einige Brotdosen sie an Biedermeier Dekor erinnern würden, aber in Wirklichkeit waren diese eher im Art Deco um die 1920/30er angesiedelt. 

Die Wiener Rose, die ja dann auch auf Alt Wiener und Augarten Porzellan zu einem weit verbreiteten Muster avanciert ist, war diesmal von Eichwald (um 1900, eine Manufaktur aus Deutschland).

Auf Verenas Frage hin, ob es denn eine Sammler:innen Community für Keks-/und Brotdosen gäbe, meinte ich einleitend, dass ich ein großer Fan davon wäre, Küchen individuell zu gestalten, mit speziellen Stücken, die sonst kein/e andere/r hat. In Holland gibt es fanatische Sammler, welche Brotdosen mit Henkel auch auf Reisen für das Outdoor Picknick mitnehmen. Es gibt überall Communities, auch in USA, aber gerade Holland ist ein Hotspot, wo es ganze Messestände ausschließlich für Keks- und Brotdosen gibt. 

Der Anstoß mich mit alten und schönen Dingen zu befassen, war diese ominöse Glas Keks-/Brotdose, die mein Freund und ich im Prater entdeckt haben. Also schon allein aus diesem Grund ein ganz besonderes Stück. 

Unser täglich Brot gib’ uns heute…gerade in Zeiten wie diesen!

Vielen Dank an den Leihgeber Paul Kozak.