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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Zeitungsständer

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Zeitungsständer

Montag, 27.06.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Historische Zeitungsständer und Zeitungshalter

 

Historische Wiener Zeitungsständer und Zeitungshalter erinnern an eine fast vergessene Zeit und an eine handwerkliche Tradition…

In den Filmen aus den 1950er Jahren gab es die legendären Zeitungsjungen, die “Extrablatt” gerufen haben, man denke auch an den wunderbaren gleichnamigen Film von Billy Wilder mit Walter Matthau und Jack Lemmon. Zeitungsverkäufer sieht man nur noch selten auf den Wiener Straßen, heute “wischen” wir eher als zu “blättern”. Leider müsste man fast sagen, meinte dazu Birgit Fenderl. In der Sendung hatten wir eine typische Kaffeehaus Situation nachgeahmt und uns der absoluten Entschleunigung, passend zur Hitzewelle und der Urlaubszeit, hingegeben.

 

In der Sendung hatte ich 150 Jahre Zeitungsständergeschichte mit. Der Zeitungsständer – damals ein neues Möbelstück, das dann in alle Haushalte Einzug fand. Das älteste Stück aus einer großbürgerlichen Wohnung, Historismuszeit um circa 1870, wunderschön gedrechselt, mit Messing Rädchen stand wahrscheinlich neben einem Klavier um die aktuellen Strauß Noten hinein legen zu können – oder die “Die Neue Freie Presse” oder “Die Wiener Zeitung”, die ja zu den ältesten Zeitungen weltweit gehört. In der Historismuszeit war das Bildungsbürgertum das Hauptklientel für dieses neue Möbelstück. In heutigen Zeiten wird dies natürlich auch gerne gesammelt. Dieses besondere Stück liegt bei einer Wertigkeit, in dem Zustand, bei circa 400 Euro. Die Bugholzversion von Thonet (1905) war auch so ein absoluter Designklassiker. Ab der Jahrhundertwende kam dieser dann nahezu in jedem Haushalt vor, da er leistbar war. Ein Stück Design eben nicht nur im Kaffeehaus. Dieser spezifische Zeitungsständer, den ich mit in der Sendung hatte, ist sehr selten und hat somit eine Wertigkeit von circa 1200 Euro. Neben mir stand dann auch ein Zeitungsständer, entworfen von Koloman Moser, hergestellt durch die Gebrüder Kohn, für die fast alle großen Secession Entwerfer designt haben (außer Otto Wagner, der für Thonet entworfen hat)  – bei diesem lagen wir gleich mal bei einer Wertigkeit von 2000 Euro. Passend zum Thema hat es so schön geraschelt, weil der Wind geblasen hat. Sammlerobjekte sind natürlich auch die Zeitungen, Zeitschriften – jene mit historischen Ereignissen, wie der Mondlandung sind eher weniger wert, weil genau diese aufgehoben wurden und wie wir wissen, lässt die Seltenheit natürlich die Wertigkeit steigen. In den 1950/60er Jahren gab es Zeitungsständer mit der gleichen Funktion aber mit unterschiedlichen Wertigkeiten – da findet man einerseits am Flohmarkt einen Ständer um 10 Euro mit Draht und Kunstleder, der pfiffig aussieht, den man auch vielleicht beim Friseur findet. Die andere Variante mit schöner Lederschlaufe mit wunderschönem Schwung von Carl Auböck aus 1955 hat eine Wertigkeit von 500 Euro. 

Einer der sehr alt aussieht, aber es nicht ist und sich in einem Haushaltsetting mit Bleikristallgläsern und dem altvattrischen Rosendekor von Augarten finden kann ist aus den 1960er aus der Zeit “Kitsch as Kitsch can be” und ist sehr billig zu haben.

Mitgebracht hatte ich auch Varianten aus der Space Age Zeit aus Plexiglas und aus Kunststoff, italienisches Design, denn die Italiener waren da immer Vorreiter.  Die letzte Stilepoche war dann das Memphis Design aus den 1980er Jahren. 

 

Aber wenn man von Zeitungsständern spricht, darf man nicht auf Zeitungshalter vergessen. Als sich das Kaffeehaus zunehmend als Ort zum Verweilen und Diskussionsplattform über das Weltgeschehen etablierte, wurde natürlich auch das Zeitungslesen immer wichtiger.

 

Bernhard Paul und gerüchtehalber auch Purzl Klingohr gelten als Sammler von historischen Zeitungshaltern, vor allem wenn der Name des Kaffeehauses auch darauf steht

 

In einer digitalen Welt wie heute ist der Zeitungshalter ein Artefakt der schon erwähnten Entschleunigung. Man hält damit nicht nur die alltäglichen News, sondern, und das ist noch viel wichtiger,  ein Stück Wiener Lebenskultur in den Händen. Ursprünglich gab es auch in den großen Häusern die Funktion des Zeitungskellners, der ausschließlich den Stammtischgästen, den Schriftstellern oder der Prominenz die Tageszeitung persönlich reichte. 

 

Vielen Dank an den Leihgeber Manfred Bremm.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Barhocker

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Barhocker

MONTAG, 23.02.2021, ab 17:30 Uhr

Studio 2//ORF

Sneak Preview für Montag, 22.2.2021

Thema: BARHOCKER

Zeit um diese Kultur im Studio2 kurz zum Leben zu erwecken.

Ursprünglich aus Amerika kam der Gedanke beim Greißler (convenience store) etwas für die Kunden auszuschenken, das im stehen getrunken werden konnte.

Da diese „Treffen“ beim “Greißler” immer beliebter wurden und dementsprechend mehr getrunken wurde, sind die wankenden Personen einfach auf einen Hocker gesetzt worden- der BARHOCKER war geboren.

Von Amerika aus gab es dann eine Verbreitung der Barkultur nach Europa um 1900 – fast ausschließlich in Hotels, erster Weltkrieg, schlechte Zeiten – Isolation der Weltmärkte – zweiter Weltkrieg – erst in den 1950er Jahren fand eine Verbreitung von Cocktails statt – in Großstädten wie New York City/London/Paris – in American Bars (außerhalb der USA) gab es internationale Getränke  …in Wien gibt es aber , wie wir wissen, eine andere Normalzeit – zwar gab es ein Aufkeimen der Barkultur nach dem zweiten Weltkrieg aber dem Wiener ist die Kaffeehauskultur und der geliebte Gspritzte oder das pure Hochprozentige lange mehr am Herzen gelegen. In den 1980er Jahren begann auch diese Kultur in Wien zu blühen.

Durch die voranschreitende Globalisierung hatte man vermehrt Zugang zu ungewöhnlichen Produkten: Kokosnüsse, Mangos, Limetten,… 

Der legendäre Film Cocktail mit Tom Cruise aus dem Jahr 1989 war ein Meilenstein  – das Wiederaufleben der Barkultur begann..

Spannende Lektüre hierzu: https://www.cargo-film.de/film/dokumentarfilm/barfilm-schuhmanns/

Weil wir nun aber die wilden, freien Parties so vermissen – sie werden wiederkommen, keine Frage! aber bis dahin – erzählte ich ein wenig von der Geschichte des Barhockers:

Diesmal hatte ich absolute Sehnsuchtsstücke ins Studio2 mitgenommen, Barhocker aus den verschiedenen Jahrzehnten (kaum ein Entwerfer hat sich nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt)  – finalmente: BAR open, wenn auch nur im Fernsehen 

Was ich mit hatte: Barhocker aus 100 Jahren vom legendären Wiener Lokal „Wiener Freiheit“ (leider ein Coronakrisenopfer) im Jugendstil Design Bugholz Barhocker bis hin zum Landhausstil (Auch im privaten Bereich hat der Barhocker schon längst Einzug gehalten) oder Memphis Design Stück (letzte benannte Stil Epoche, die aus Italien kam)…bis zum wertvollsten Stück entworfen von Arch. Dipl. Ing. R. Vorderegger: Cafe Europa Möbel, wo ich schon als kleines Kind drauf gesessen bin, denn mein Großvater war 30 Jahre lang Geschäftsführer vom Cafe Europa.

Darüber hinaus hatte ich noch einen österreichischen Barhocker von zeitlos schönem Design mit, dass beim Champions League Finale in Paris im VIP Bereich stand (was für eine Ehre!). Die beiden letzten Stücke waren ein skandinavischer Hocker, mit Sky bespannt (für die leichtere Pflege als Lederbespannung) und ein Wahnsinnsstück (Plank Miura) von Industriedesigner Konstantin Grčić.

FUN FACT: das Wort BAR ist einfach nur die Abkürzung von BARriere, der Tresen, der die Getränke und Gläser vor rabiaten Gästen schützen sollte.