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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Knöpfe

Montag, 20.09.2021, ab 17:30, Studio2//ORF

Thema diesmal: Der Knopf als Universum

„Humor ist der Knopf, der verhindert, daß uns der Kragen platzt.“

Joachim Ringelnatz, deutscher Schriftsteller, Maler und Schauspieler, * 07.08.1883, † 17.11.1934

Begonnen haben wir den Beitrag mit dem amüsanten Kommentar von Norbert Oberhauser: „So, und jetzt knöpfe ich mir mal unseren Experten für Altes & Gebrauchtes Christof Stein vor!“.

Vor tausenden Jahren in der Antike – aus Knochen und Bernstein – wurden die ersten Knöpfe gemacht – in erster Linie ein Statussymbol (was es natürlich später auch wieder war) und um ein Kleidungsstück zu halten, allerdings damals noch ohne Knopfloch, sondern mit Schlaufe. Die Toga, das Leinentuch wurde damit gehalten. Das Knopfloch gab es erst im 13. Jahrhundert und wurde in Deutschland erfunden – danach folgte ein richtiger „Rausch“ der Kaufleute – man konnte endlich „knöpfeln“ und taillieren und Kleidungsstücke eng anliegender machen – im Laufe der Zeit kamen immer spannender Materialien hinzu: Perlmutt, Bakelit, Glas, Silber, Gold mit Brillanten besetzt, aus Horn, Metall, Holz und so vieles mehr …ich selbst hab meine Jacke mit Art Deco (um 1925) Knöpfen aufgepeppt.

Aber nun die Frage – wie kommt man darauf Knöpfe zu sammeln?

Also prinzipiell, meine allererste Leidenschaft war es auch Knöpfe zu sammeln, den diese gibt es in aller Regel in allen Haushalten zuhauf. Wenn man jetzt zufällig in einer Verlassenschaft auf einen Wiener Werkstätten Knopf trifft, der nur aus Perlmutt gemacht ist aber durchaus 3000-4000 Euro wert ist. Nicht nur große Modemacher haben Knöpfe entworfen und ihre Initialen darin verewigt, nein, auch berühmte Manufakturen wie wie eben die, oben erwähnten, Wiener Werkstätten.

Männer knöpfen von verschiedenen Seiten – Männer links rechts, da sie sich selber zuknöpfen. Frauen von rechts nach links, da sie historisch (natürlich nur einem bestimmten Stand angehörig) von einer Zofe ankleidetet wurden.

Dazu ein kurzer musikalischer Sidestep:

Das wertvollste Stück, das ich mithatte, war ein Buch aus der Zeit um 1820 aus Paris, sogar mit Registrierungsnummer. Was man darin sieht und erlebt kommt noch aus dem Zeitalter vor den Maschinen – handgemachter Diamantschliff aus Glas, Stein – erzeugt einen gewissen Glitzereffekt.

Mit Stoff oder Seide bezogen war der Knopf, beispielsweise in der Rokokozeit, ein absolutes Statussymbol.

In der Regel waren Anzüge, Fracks schwarz – dazu die Knöpfe, alle Handarbeit. Man hatte damals die Qual der Wahl, wie Norbert Oberhauser angemerkt hatte – die wunderbare Vielfalt der Materialien und Ausführungen.

Bis zur französischen Revolution gab es Kleiderordnungen und es war vorgeschrieben wer unter anderem auch welche Art von Knopf tragen durfte, welche Knöpfe dementsprechend standesgemäß waren. Bauern durften beispielsweise nur Knöpfe aus Zinn und Messing tragen, während der Adel Goldknöpfe trug.

Die Knöpfe der Zünfte – das Symbol ihrer jeweiligen Zunft: ein absolut beliebtes Sammlerstück. Die Lederhosen der Jäger mit Hornknöpfen versehen, Fleischhauer hatte den Wildschweinkopf, der Zeichner den Zirkel, der Kapitän den Anker, ein Handwerker sein Werkzeug als Verzierung auf dem Knopf.

Aber warum ist nun der Reissverschluss erfunden wurden? Dazu meinte Senta Berger, dass dieser von einem Mann erfunden wurde, weil Männer keine Geduld haben…

So und jetzt noch zum Abschluss eine der Verfilmungen des berühmten Buches und Jugendklassikers „Krieg der Knöpfe“ von Louis Pergaud anschauen!