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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Gartenmöbel

Montag, 30.05.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Gartensessel mit Geschichte

Sitzen im Grünen – im dicht bebauten Stadtgebiet hat natürlich, vor allem in Zeiten des Klimawandels und unerträglichen Hitzeperioden, besondere Bedeutung für Lebensqualität. Der Blick ins Grüne lässt die Menschen entspannen, die positive Wirkung von Pflanzen führen zu einer Steigerung des Wohlbefindens, zu einer Reduktion von Stress, Angst, Depression und zu einer Verbesserung der Konzentration, so wie der geistigen Aufnahmefähigkeit. Grüne Oasen im öffentlichen Freiraum waren und sind unverzichtbar. Die passenden Sitzmöbel sind ein absolutes MUSS für die Gewährleistung dieses urbanen Genusses. 

“Wir haben mit unserem Experten Christof Stein Platz genommen auf Sitzgelegenheiten des öffentlichen Raumes anno dazumal.” meinte Verena als Einstieg in meinen Sendungsbeitrag über historische Gartensessel. “Die kannst uns öfter mitbringen!” hat dann Norbert schmunzelnd hinzugefügt. 

 

Trotz historischem Background oder besser gesagt: der metallenen Sitzfläche sitzt man doch sehr bequem auf einigen dieser Möbelstücke mit Geschichte. Der Eisenklappsessel aus circa 1800 war das älteste Modell und ausgestattet mit einem Eisendraht, der so gewebt war, dass, wenn man ihn zusammenklappt, sich der Draht so richtig schön ein- und entfädelt hatte. Dieses Fundstück lässt sich jetzt nicht direkt verorten, in Hinblick auf einen bestimmten Stadtgarten aber beispielsweise der Augarten, der älteste Garten, der öffentlich zugänglich gemacht wurde im Jahr 1775 (errichtet wurde er schon 1650), hätte auch so ein öffentliches Möbel beherbergt. (1766 wurde er Prater öffentlich zugänglich gemacht, allerdings galt dieser nicht als kleiner Stadtgarten oder Stadtpark, durch die weitläufigen Jagdgründe).

 

Der nächste Park, der öffentlich zugänglich gemacht wurde, war dann der Stadtpark, der durch die Schleifung der Stadtmauer und dem Bau der Ringstraße entstand. Die offizielle Eröffnung war 1862 unter dem Motto: „freundlicher Ziergarten mit schönen Sträuchern, freien Durchsichten, verschlungenen Wegen und Blumenpflanzungen“.

Da sagt man ja, da hat es die “Lästerallee” gegeben, wo die schärfsten Zungen gesessen sind und die vorbeispazierende Gesellschaft mit Kommentaren versehen hat. Bis Ende der 1950er Jahre waren in den Parks der Stadt Wien Sesselfrauen (umgangssprachlich: Sesselweiber) tätig. Sie vermieteten an Parkbesucher Sessel. In einer Rathauskorrespondenz vom 3.7.1956 wird sogar kritisiert, dass durch die Abschaffung der Sesselfrauen nun ein Mangel an Sitzplätzen entstanden sei. Das Stadtgartenamt hat daraufhin Sessel für den Stadtpark (und den Rathauspark) bestellt.

 

Einige dieser historischen Sessel für den öffentlichen Bereich waren einklappbar, um sie leichter wegräumen zu können und verfügten natürlich auch über einen kreativen Diebstahlschutz – durch einen Metallkreis am Sesselfuß wurde eine Stange gezogen. 

Heutzutage gibt es dann sogar Loungemöbel, die zum Verweilen einladen – wie im Museumsquartier die berühmten Enzis (ursprünglich aus Hartgummi gemacht). Jedes Jahr wird im demokratischen Verfahren eine neue Farbe bestimmt – bei den Versteigerungen von den Original Enzis aus der ersten Serie wurden bis zu 6000 Euros erzielt.

 

Der teuerste Sessel, den ich mitgebracht hatte, war für das Sanatorium Purkersdorf von Josef Hoffmann entworfen worden. Als das Sanatorium saniert wurde, Denkmalschutz war nicht so gegeben und das Bewusstsein für diese wunderbaren Jugendstil Sessel war leider auch nicht vorhanden, gab es gottseidank es ein paar wenige Personen, die in weiser Voraussicht diese grandiosen Stücke aus den Müllcontainern gerettet haben. Der Sessel, den ich mit hatte, war natürlich schon restauriert, sonst hätte man ihn so gar nicht verwenden können und liegt bei einer Wertigkeit von 2000 Euro als Einzelsessel. Grandios, nicht wahr? Dieser wurde eben auch speziell nur für das Sanatorium gefertigt und ist somit eine Rarität (vor allem weil so viele davon einfach entsorgt wurden).

 

Die Sitzmöbel, typische Gartensessel, die wir auch von den Großeltern noch kennen, die so genannten “Spaghettisessel” (die sprichwörtliche Form gibt den italienisch inspirierten Namen vor) boomen ja im Moment. Sie stammen aus der Zeit des Lilienporzellans in den wunderschönen pastelligen Farben, stapelbar oder klappbar, und diese sind eben wie gerade erwähnt absolut wieder in. Die neue Generation steht ja unglaublich auf Nachhaltigkeit und die Rückkehr zum Analogen sowie das Interesse an Vintagemöbel und Nostalgieobjekten floriert. Ich finde das großartig, dass sich dieses Bewusstsein wieder entwickelt. 

Wer sammelt solche Möbel, fragte mich Verena zum Abschluss – also auf jeden Fall viele Museen, wie das MAK oder das Hofmobiliendepot oder eben auch private Sammler:innen. Diese Sesselsammlung kam aus einem legendären Filmrequisitenfundus. 

 

Danke an dieser Stelle an Paul.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Der Stock – ein Schmuckstück

Montag, 23.05.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Geh-, Dekorations- und Sammelstöcke

 

“Heutzutage sieht man ja Menschen mit Stock nur als Gehhilfe, früher war das ganz anders, da war es ein Schmuckstück, so ein Gehstock – hätte Christof früher gelebt, hätte er so einen besessen!” meinte Norbert als Einstieg in meinen Sendungsbeitrag.

Ich hatte ja eigentlich eher Dekorations- und Sammelstöcke, als Geh- und Spazierstöcke, mit, aber einen kurzen historischen Abriss dieser wunderbaren Objekte mit Geschichte konnte ich nicht auslassen.

Geh- und Spazierstöcke sind nicht nur gehmotorische Hilfsmittel, wie auch Norbert meinte, sondern seit den letzten Jahrhunderten auch das Standard-Accessoire des Dandy. Vor allem die Griffe sagen viel über deren Besitzer aus. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Designs und Materialien: ob schlichtes Silber ziseliert, Perlmutt, Halbedelsteine oder in Form von Tierköpfen /-körpern gestaltete Griffe mit der Option eines eingebauten Messers (heute verboten). Es gibt verschiedene Arten von Stöcken: Dekorative Stöcke (ästhetische Funktion, Augenmerk auf Optik, Materialien), Volkskunst Stöcke (Augenmerk auf Hersteller, Dekoration haupts. Schnitzereien), so wie auch System- oder Gerätstöcke (Sammelobjekt Nr 1, Versteck oder doppelte Funktion – dazu später noch mehr).

Doch wie fing das alles nun genau an?

Unter alten ägyptischen Grabbeigaben wurden auch immer wieder Gehstöcke gefunden. Sogar der Pharao besaß einen speziellen Stab. Der Wert des Stocks bei den Ägyptern überdauerte vom Leben sogar in den Tod, wie die Funde beim König Tutanchamun belegen. Mehr als 100 Stöcke wurden in seinem Grab gefunden, um ihm im Leben nach dem Tod oder beim Weg über den Jordan, wie Norbert und ich scherzten, zu unterstützen.

Während der Barockzeit nahm die Rolle des Stockes als Zeichen des sozialen Status stark zu. Könige und Aristokraten statteten die Stöcke mit kostbaren Juwelen und edlen Metallen aus.

Ab dem 19. / 20. Jahrhundert kam der Gehstock als Accessoire bei der breiten Bevölkerung an. Vornehme Herren aus Adel und Bürgertum waren selten ohne Spazierstock unterwegs (Damen hingegen selten ohne Schirm). Der Stock wurde auch als Mittel der Selbstverteidigung entdeckt und war – man glaubt es kaum – oft mit einem Messer ausgestattet. Die Frauen hatten auch ihre eigene Methode entwickelt, nämlich einen Parfumzerstäuber mit Essig zu füllen, um schlechten Geruch zu verbreiten um ungewollte Verehrer abzuwehren. 

Funktions- oder Systemstock: 1500 Patente während des 19. Und 20. Jahrhunderts für diverse kuriose Varianten wurden angemeldet. Kuriositäten wie der Fahrrad- Stock (Stock an dem ein ausklappbares Notfahrrad montiert war) oder sogar eine Stockpistole (man denke nur an James Bond).

Mit hatte ich Stöcke aus drei Kontinenten. Ein afrikanischer Stock war mit, aber kein touristischer, siehe Screenshot. Ein europäischer aus dem Osten Deutschlands von der Porzellanmanufaktur Meißen oder Dresden mit einer Wertigkeit um die 1000 Euro. Nach obenhin gibt es keine wirkliche Grenze, man denke nur an den Stockknauf des Dresdner Hofjuwelier Johann Christian Neuber (1736-1808) aus der erlesene Kollektion einer Privatsammlungen wie des Grünen Gewölbes oder auch ein Fabergé Ei am Knauf – als Griff. Kurz zur Erklärung – das Oberteil ist der Knauf der Griff, die Stange der Schuss und die Zwinge am Ende.

Ganz entzückendes Detail eines Funktionsstocks – ein Stock mit integriertem Taschentuch, als Flirtbehelf anno dazumal, das heutige Tinder – auf einem Ball konnte eine Dame ihr Taschentuch aus dem Gehstock (aus dem Maul des Tierkopfknaufs beispielsweise) fallen lassen, um das Objekt der Begierde, den galanten Gentleman zur Interaktion zu bewegen.

Einen versteckter Zweck gab es auch bei dem Schwarzangler Stock wo man die Spule separat anstecken konnte. Norbert half mir die Angel auszufahren (mehr als 3 Meter). 

Aus Asien also dem dritten Kontinenten hatte ich einen Königsstock mit wunderbarer Symbolik mit.

Aber auch politische Symbolik – am Knauf Konterfei Karl Marx – oder eine nackte Frau, die sich in der Hand des Trägers räkelt, waren mit dabei.

Die Materialien sind einfach so unglaublich vielfältig – das beste Beispiel dafür: ein Stock aus Haifisch Rückgrat gefertigt – aber von der Länge doch kein Gehstock, kam von Norbert der Einwand und er hatte recht. Es war ein sogenannter Bummler, der unter dem Arm getragen wurde, wie man auch gut auf dem Screenshot sieht.

Stöcke mit wunderschönen Tierköpfe aus Elfenbein waren auch mit in der Sendung. Allerdings – seit 19.1.2022 darf man mit Elfenbein nur noch handeln, wenn man genau nachweisen kann, woher es kommt und es vor März 1947 gefertigt wurde. 

“Auf dass er dich zu mir führt!” stand auf Französisch (“Qu’il te guide près de moi!” auf dem goldenen Gehstock, der Verena am meisten zugesagt hatte.

Nach dem ersten Weltkrieg fand eine Abwertung des Spazierstockes statt, Charlie Chaplin benutzte ihn noch als Karikatur der bürgerlichen Gesellschaft, ein sogenannter swagger, ein biegsamer Stock (to swagger heißt stolzieren). Ab dem zweiten Weltkrieg kam es nur noch als Utensil mit Fahrradklingel / Flaschenhalter vor und wurde als eher altmodisches Accessoire wahrgenommen. Das Aussehen wurde funktional – der Griff wurde anatomisch gestaltet, Gummikapsel unten angebracht, um Rutschfestigkeit zu gewährleisten. Die ästhetischen Schönheit aus vergangenen Zeiten sind jedoch für den/die Sammler/in begehrte Objekte mit Geschichte.

 

Vielen Dank an den Leihgeber Thomas Seipt.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Bierkrüge

Montag, 16.05.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Der figurale Bierkrug

 

Eine ganz spannende Sammlung an figuralen Bierkrügen hatte ich diesmal in der Sendung mit. Ein Bierkrug in Rettichform – eine skurrile Art der Gestaltung, meinte Martin. Der Rettich schaut grantig, weil der Wirt sagt “es ist jetzt gleich die letzte Runde!”, es gibt auch eine grinsende Version, für die Zeit davor.

1492 ist Amerika entdeckt worden, aber noch viel wichtiger: in dem Jahr wurde die Stiegl Brauerei gegründet. Als waschechter Salzburger wusste das Martin natürlich.

Es ist verbrieft, dass es 3000 vor Christus Bier gab. Man weiß ja auch aus Asterix, dass die lauwarme Cerveza aus Hörnern getrunken wurde. Das gestalterische Moment begann aber dann erst im 16. Jahrhundert und Renaissance Künstler haben aus den Bierkrügen wunderbare Kunstwerke gemacht.

Von damaligen Fürsten und Konsorten wurde beschlossen, dass jeder Krug einen Deckel braucht, um die Pestviren, Mücken, Wespen, Bienen und sonstige Insekten von dem flüssigen Gold fernzuhalten.

Das älteste Modell, das ich mitgebracht hatte, stammte von einem Schützenverein – als Motiv eine neckisch dreinschauende Dame, die eine Zielscheibe am Haupt als Deckel trug.

Jeder Krug hat eine Bedeutung. Servicekraft waren damals immer die Frauen, nach dem Wettbewerb gab es ein gutes Bier aus dem Krug – eben in Gestalt einer Servierdame. Man entdeckt wenn man genau hinsieht versteckte Geschichten – oder den verdeckten Trinker – auf einem Krug am unteren Rand zog sich versteckt rundherum ein Schriftzug “Wenn man beim Hofbräuhaus bleibt und nicht mischt, hat man am nächsten Tag keine Kater”, ergo der Kater als figurale symbolische Repräsentation. 

Tierisch ging es generell zu: Kater, Frosch (aus einer Gilde der Zoologen eventuell), Affe als Figuren auf den Krügen – frei nach Tante Jolesch “alles was schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus” .

Leidenschaftlich fanatische Sammler:innen sind vor allem die Amerikaner. Historisch gesehen sind sie nicht berühmt für ihr gutes Bier (heutzutage gibt es aber eine spannende Bierkultur und viele großartige Microbreweries), sondern eher der süddeutsche Raum, vielleicht haben sie genau deshalb ein Faible für diese Objekte mit Geschichte entwickelt. 

Wertigkeiten dieser Bierkrugsammlung lagen wir beim billigsten Stück bei 100 Euro bis zum teuersten Krug von einem Wert von einem runden Tausender.

Nürnberger Trichter – die Weisheit wird sozusagen in den Kopf hineingetrichtert – die philosophische Weisheit nimmt exponentiell mit steigendem Bierkonsum zu. 

Beendet wurde die figuralen Bierkrug-Ästhetik-Periode Ende der 1920er Jahre, da es dann mehr um Schlichtheit und weniger um die Gestaltung ging.

Am Ende musste ich natürlich noch anmerken, dass “Bierkrug”, in der alten Übersetzung, die auch heute noch zum Einsatz kommt, im US-amerikanischen Raum mit “stein” übersetzt wird. Nomen est omen!

 

Vielen Dank an den Leihgeber Thomas Seif!

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Der Vorläufer der Vinylschallplatte

Montag, 09.05.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Die Schellackplatte

Eine ganz spannende Sendung war das wieder gestern – diesmal hab ich mal wieder mit Norbert Oberhauser ein grandios spannendes Thema besprochen: den Vorläufer der Vinylschallplatte – die Schellackplatte!

 

Norbert wollte gleich, als er die Musik am Anfang meines Sendungsbeitrages vernahm, das Tanzbein mit einem Slow Foxtrott schwingen. Die wunderbare Verena Scheitz wurde auch gleich von der Musik verleitet, wie man im nachstehenden Screenshot sieht. 

 

Damit haben Urgroßmutter und Urgroßvater Musik gehört. Das hat mich dann gleich in Erinnerungen schwelgen lassen, an den wunderbaren Moment als ich mit dem unglaublichen Schellacksammler und Produzent Willi Schlager zusammengesessen bin, um mir diese Gustostücke für die Sendung auszusuchen. Daraus ist eine richtige Session geworden, in der wir uns eine Platte nach der anderen angehört haben. Man sollte auf jeden Fall die Stahlnadel nach jeder Schellack wechseln, um sie gut erhalten zu können.

 

Aber wie es so schön heißt – wer hat’s erfunden? (Nein, nicht Rucola in diesem Fall): Ein Deutscher aus Hannover namens Emil Berliner (später nach USA ausgewandert) hatte einen neuen Tonträger patentieren lassen – die Schallplatte – 

ein Naturprodukt, das aus (den Ausscheidungen) der Lackschildlaus entstand (von 1895 bis um 1961) – Schellack, das tonnenweise in Südostasien produziert werden konnte. Im Oktober 1896 gab der Erfinder die Verwendung von Hartgummi als Plattenmaterial auf und ersetzte die Substanz durch eine hergestellte Pressmasse, die im Wesentlichen aus Schellack als Bindemittel bestand und ursprünglich für Isolatoren entwickelt worden war.

 

Im Privatbereich, ohne selbst instrumentalisieren zu müssen, war diese Erfindung natürlich eine unglaubliche Möglichkeit Tonträger anzuhören. 

Meine Großmutter hat Schlager gesungen in den 1930er Jahren – es hat davon auch Schellacks gegeben, die dann leider alle im Weltkrieg zerstört worden sind.

Die großen Stars waren Zarah Leander oder Marlene Dietrich und Opernstars wie Caruso oder Maria Callas. 

 

Vinyl-Schallplatten, bei denen die anderen Vorteile des Materials, dass es geringere Abspieldrehzahlen und dadurch eine längere Spieldauer ermöglicht (33 U/min), ausgeschöpft wurden, gab es bis 1948 nur im Rundfunkeinsatz sowie als Test- und Demopressungen. Erst dann wurden auch Vinyl-Schallplatten mit Mikrorille und geeignete Abspielgeräte für den Einsatz zu Hause herausgebracht.

Schellackplatten wurden bis in die frühen und in der sogenannten Dritten Welt noch bis in die späten 1960er Jahre hergestellt. Die letzten Platten wurden angeblich 1972 in Südafrika gepresst. Noch bis in die frühen 1980er Jahre waren fast alle Plattenspieler mit der Geschwindigkeitseinstellung von 78 U/min ausgerüstet, ließen sich mit Nadeln für Schellackplatten verwenden und waren demnach auch für dieses für Plattenformat passend.

 

Ich sprach auch über technische, wie eben genannte Details, so wie charakteristische Merkmale, aber auch über die sehr rührige Geschichte des Hundes, welcher der Stimme des Herrchens lauscht – alias – his master’s voice, die zu einem riesigen Marketingerfolg wurde. Wir alle kennen das berühmte Image, wo der Hund vor dem Grammophon sitzt. Der Name und das dazugehörige Logo gehen auf den Maler Francis Barraud zurück, der 1898 seinen Hund Nipper beim Lauschen eines Edison-Phonographen porträtiert hatte. 

 

Die Platten sind teilweise millionenfach erzeugt worden. Glenn Miller Swing oder Jazz wurden nicht in so großer Stückzahl produziert, wie Opernplatten – wie wir schon wissen, je seltener desto besser, desto wertvoller.

Den Klassiker „Mister Sandman“ haben wir uns dann noch angehört, ohne vorherigen Nadelwechsel, aber das wurde mir hoffentlich verziehen, denn die Zeit war knapp bemessen  – diesen Musikgenuss konnten Norbert und ich den Zuseher:innen einfach nicht vorenthalten!

 

Vielen Dank an den Leihgeber Willi Schlager!

 

 

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Küchenuhren

Montag, 02.05.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Historische Küchenuhren

 

 ♪♫ „Wₑᵣ ₕₐₜ ₐₙ dₑᵣ ᵤₕᵣ gₑdᵣₑₕₜ, ᵢₛₜ ₑₛ wᵢᵣₖₗᵢcₕ ₛcₕₒₙ ₛₒ ₛₚäₜ?“  ♪♫ 

 

Die Intro machte Birgit mit “Christof Stein hat wieder ein paar Raritäten für uns mitgebracht, die mehr können als nur die Zeit anzuzeigen!”

Begonnen habe ich diesmal mit einem heutzutage als sehr kontrovers einzustufenden Statement. Die Küchenuhr und auch die Armbanduhr wurden ursprünglich für die Frau erfunden, damit das Essen für den Herren des Hauses zeitgerecht am Tisch stand. Das konnte Birgit natürlich nicht so stehenlassen und meinte, dass dies kein sehr emanzipatorischer Akt gewesen wäre und man wenigstens die Hausfrau als “Managerin des Hauses” betiteln sollte. 

So oder so haben sich die Zeiten gottseidank geändert und nun bringt die Küchenuhr nostalgischen Vintage-Flair in Single und Familienhaushalte.

Aber wie hat das Ganze nun angefangen? Im Grunde mit den Wanduhren, die es seit dem 19. Jahrhundert gibt, allerdings mit aufwendigeren Uhrwerken, welche dann für die Küchenuhren einfacher gemacht wurden.

Die Küchenuhr hatte nun, wie schon erwähnt, schon im 19. Jahrhundert ihre Funktion, als Back- und Kochhilfe.

Ursprünglich mit Holzgehäuse, was in der Küche nicht so praktisch war, da durch das Kochen das Holz leiden würde begann aber der richtige Siegeszug quer durch alle Küchen mit dem Gehäuse aus Keramik.

Als Dekor fungierte anfänglich, was man in der Küche hatte, also beispielsweise ein Suppenteller, in den man ein Loch hinein gemacht und ein einfaches Uhrwerk angebracht hat, meistens mit einem Pendel, einfaches Blechwerk. Mit einem Generalschlüssel für Uhren kann man diese aufziehen.

Die ältesten Modelle, die ich mit hatte, wunderbare Sammlerstücke, waren aus  circa 1910, also relativ zum Beginn des Zeitalters der ersten Küchenuhren.

Nun zu den Herstellern – Wilhelmsburg in Niederösterreich galt nahezu als Weltmarktführer. Alle Uhrenmanufakturen haben das Gehäuse aus Keramik, das Schild, das Zifferblatt dort bestellt, aus zolltechnischen Gründen haben dann einige eine Niederlassung dort oder dann in Wien gegründet.

Entzückendes Detail am Rande – alle Uhren haben immer einen eigenen Namen bekommen, ein meiner älteren Darstellungsobjekte war die Uhr “Habsburg”

Bei der Oma oder bei der Köchin in der Küche war dann auch der Platz, wo die Kinder die Uhrzeit lesen gelernt haben, frei nach Paulchen Panthers Motto „wer hat an der Uhr gedreht“ …

Als Zusatzfunktion gab es manchmal eine Art Wecker, um die optimale Backzeit für den Apfelstrudel oder Marmorkuchen zu stellen.

Die Uhrenmarke Junghans war dabei der Big Player und auch in gestalterischen Fragen ein Vorreiter.Ein wichtiger Küchenuhr Designer für Junghans war Max Bill, der als Künstler bei Kandinsky gelernt und auch in der Politik mitgewirkt hat. Er hat verfolgte Personen, die untertauchen mussten, bei sich aufgenommen. Später war er auch Professor an der Ulmner Hochschule. Das Design seiner Küchenuhr (in Zusammenarbeit mit Ernst Möckl) erfüllte, und das ist auf den ersten Blick sichtbar, alle qualitativen Voraussetzungen, die funktionalistisches Design seit dem Bauhaus einforderte. Bills Uhren sind durch die Bank schlicht und elegant sowie zeitlos in ihrem Design, ein Attribut, das in Zusammenhang mit dem Thema Uhren einen ganz besonderen Wortwitz durchschimmern lässt. 

Bill, der für unzählige Armbanduhr-Entwürfe von Junghans verantwortlich zeichnet, ließ auch bei seiner Küchenuhr die gewohnte formensprachliche Sorgfalt walten. Die Uhr misst 180 Millimeter an der breitesten Stelle, streckt sich 252 Millimeter in die Höhe. Das Gehäuse aus Keramik ist hellblau glasiert, die Lünette verchromt. Unter der eigentlichen Uhr ist ein Kurzzeitmesser angebracht, der auf maximal 60 Minuten einzustellen ist. Damit man weiß, wann der Kuchen fertig ist.

Dieses Küchenuhrenzifferblatt sollte der Ausgangspunkt für alle weiteren Max-Bill-Uhren sein. Die Skala des Kurzzeitmessers lehnt sich an das Zifferblatt an und ist ebenso übersichtlich. Als kleinerer Kreis ist der Kurzzeitmesser unter dem Kreis des Hauptzifferblatts angeordnet. Die äußere Form der Küchenuhr scheint sich direkt aus dieser Anordnung zu ergeben; sie umfasst ganz einfach die beiden Kreise – was mit einleuchtender Logik zu einer Tropfenform führt. Gleichzeitig fügt sich diese Tropfenform nahtlos ins Formenspektrum der fünfziger Jahre mit ihren Nierentischen und stromlinienförmigen Haushaltsgeräten. Auch das Himmelblau des Uhrengehäuses passt in ein Jahrzehnt, das nach der Tristesse des Krieges in Pastellfarben schwelgte.

Zwei Varianten gibt es von seiner Uhr – die Variante ohne Wecker liegt bei einer Wertigkeit von 200 bis 300 Euro. Die Originaluhren mit Wecker als Zusatzfunktion liegen dann schon bei einer Wertigkeit von 600 – 800 Euro.

Jetzt gibt es wieder Neuauflagen, auch hier wieder der Trend von Digitalen zum Analogen, die nostalgische Wiederentdeckung der Langsamkeit, der Simplizität, des Überschaubaren. 

Sogar mit Sekundenzeiger war ein besonderes Modell versehen, eher eine Rarität.

Objekte mit Geschichte von kleinen Uhrenmanufakturen wie Peter, Kienzle  oder der deutsch-amerikanischen Uhrengesellschaft zeigte ich auch in meinem Sendungsbeitrag!

Das Innenleben einer Original Küchenuhr von damals hatte ich zur Veranschaulichung auch mit. Der Frevel, der leider heutzutage aus Faulheit begangen wird, ist es das aufziehbare Uhrwerk gegen ein batteriebetriebenes Plastikteil, wie man es vom ordinären analogen Wecker kennt, auszutauschen.

So ein Uhrwerk war ein wirkliches Kunstwerk, also eine wirkliche Schande es auszutauschen und natürlich muss man mit einem erheblichen Werteverlust rechnen, da nur noch die Vintage Optik bleibt.

Eine Küchenuhr, die ich mitgebracht hatte, war von knapp nach dem zweiten Weltkrieg und hatte ein ein Sieben-Tage-Werk, was bedeutete, dass man die Uhr alle sieben Tage aufziehen musste. Den Zeitgeist der Gestaltung konnte man auch immer wie die Zeit selbst ablesen.

Die Begeisterung der Sammler:innen hinsichtlich dem Wiederaufkommen von “old school” Küchenuhren ist einfach eine wunderbare Sache und trägt zur Re-integration dieser spannenden Objekte mit Geschichte in den Alltag bei.

 

Vielen Dank an den Leihgeber Thomas Seipt!

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Ostergrußkarten