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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Jagen & Sammeln

Montag, 11.10.2021, ab 17:30, Studio2//ORF

Thema diesmal: Glasmalerei

Ich bin ein Entdecker, aber auch ein Jäger und Sammler – bei meinen mindestens drei Besichtigungen pro Woche stoße ich oft auf die skurrilsten Dinge.

Aber wie kommt es nun dazu, hat mich Norbert Oberhauser gefragt?

Ich werde angerufen, jemand hat zum Beispiel ein Haus geerbt und will, dass ich mir die verbliebenen Sachen anschaue. Dann gibt es eben oft diesen einen magische Moment auf dem Dachboden, man merkt wie lange da schon niemand mehr oben war – und das Potenzial einen kulturell hochwertige Schatz zu finden ist sehr hoch – ich hab da schon ein Gespür, nein besser einen Geruchssinn dafür. Wenn ich dann auch noch die Lebensgeschichte der Person/en höre, der/denen diese „Schätze“ gehört haben, ergibt sich für mich gleich innerlich ein wunderbares Bild und es beginnt sich eine Geschichte zu entfalten.

Einer dieser vorhin angesprochenen Dachbodenfunde habe ich eben heute präsentiert. Glasmalerei Kunstwerke, eingepackt in Zeitungen aus 1928- kurz vor dem Justizpalastbrand – ein absolut genialer Auftrag ein Relikt aus alten Zeiten zu bewerten und dann auch noch darüber erzählen zu können: die Glasmalerei, ein fast ausgestorbenes Gewerbe. Früher war es ein angesehener Beruf – man hat diese als Souvenir aus St. Johann im Pongau oder aus Mariazell mitgenommen. Oder eben auch als Souvenir einer erfolgreichen Jagd…

Da wir nun in der Saison der Rebhuhn Jagd sind, wollte ich mich auf das Thema Jagen in meinem Beitrag auf Studio2 fokussieren. Mitgebracht hatte ich fertig gemalte Gläser mit Wildschwein und Jagdszenerien. Norbert hat mich dann gefragt, ob das Einzelanfertigungen waren, oder ob es dann ganze Serien zu einem Thema gab -und ja, diese gab es und sie fungierten als visuell künstlerische Erinnerung an diese bestimmte Jagd.

Ein weiterer Schatz auf diesem Dachboden war eine wunderschöne Jugendstil Mappe (um 1900) – darin fanden sich Karikaturen, wie der blinde Jäger und der Jäger, der versucht einen Wilderer zu stellen, lustige Sprüche, Hirsche, es fand sich alles – Skizzen auf Papier – aus 1927. Zuerst entstand die Grundskizze, dann wurde sie coloriert, dann bekam diese quasi einen Körper also wurde auf ein Glas gemalt und wurde damit zu einem holographischen Kunstwerk.

Eine aufwendige Arbeit, das es auf Glas kommt – der Veranstalter konnte sich dann aus der Mappe ein Sujet aussuchen. Wenn man das Kunstwerk umdreht, sieht man das als Grundierung mit weißer Farbe so eine Art Leinwand aufgetragen wurde, danach kam dann der Emaillack oben drüber. Emailfarbe ist so schwer aufzutragen, sie zerrrinnt, das muss man wirklich können!

Bei einer illustren Trinkrunde gab es dann oft ein Bierglas und auf der Unterseite wenn man ausgetrunken hatte gab es dann beispielsweise eine nackte Frau als Motiv zu sehen.

Von der Wertigkeit liegt die Mappe – schön restauriert – sicher bei 600 bis 700 Euro und wäre ein wunderbares Exponat für ein Bezirksmuseum. Bei den kleinen Kunstwerken sollte je nach Sujet zwischen 70m bis 100 Euro liegen.

Eine kleine Zeitreise sind diese Funde allemal.


Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Agent 007 – James Bond

Montag, 04.10.2021, ab 17:30, Studio2//ORF

Thema diesmal: James Bond

Ich stellte das aktuelle Thema „Agent 007 – James Bond“ vor. Die Abenteuer des britischen Geheimagenten aus der Feder von Ian Fleming entwickelten sich zu einer der am längsten bestehenden und einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Filmreihen der Filmgeschichte. Immerhin können wir nun den 25. Film im Kino sehen – den letzten mit Daniel Craig! Ich präsentierte unterschiedliche Objekte – Merchandising und Original Filmset Requisiten aus den verschiedensten Filmen. Unter anderem hat mich Roger Moore ins Studio begleitet (dazu mehr am Ende meines Blogeintrags, stay tuned!), weiters stellte ich eine goldene Sammlermünze, einen goldene Colt und ein Comic vor.

Den Namen „James Bond“ verwendete in den 1940ern schon Agatha Christie, allerdings hatte dieser Charakter nichts mit der James Bond Figur von Ian Flemming zutun.

Die James Bond Filme waren richtungsweisend auf vielen verschiedenen Ebenen – Style, Zeitgeist und Interieur – durch geschickte Produktplatzierung wurden viele Marken noch beliebter. Die Uhrenmarke Omega hat sich dies auch zu Nutzen gemacht, Omega war in  den Filmen GoldenEyeDie Welt ist nicht genugCasino Royale und Spectre stark vertreten und ist dadurch im internationalen Ranking natürlich noch mehr gestiegen.

Christoph Waltz, ein besonderer Freund von meinem Uhrendesigner Fredi Brodmann wollte unbedingt als Bösewicht eine NORMALZEIT Uhr im oben genannten Bond Spectre tragen. Omega machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung.

Verschiedene Automarken, von Aston Martin über Lotus bis zum aktuellen Range Rover haben sich im Laufe der Jahrzehnte durch die Platzierung in James Bond Filmen in die absolute Superlative des Marktes katapultiert.

James Bond, der von Ian Fleming (der während des Zweiten Weltkriegs selbst britischer Geheimdienstangehöriger war) erfundener Geheimagent, der für den MI6 arbeitet und im Roman Casino Royale (1953) seinen ersten Auftritt hatte. Fleming schrieb bis zu seinem Tod im Jahr 1964 zwölf Romane und neun Kurzgeschichten um James Bond. Anschließend setzten andere Autoren die Romanreihe fort.

1954 erschien der erste Fernsehfilm mit dem Agenten unter dem Titel Casino Royale zum gleichnamigen Roman.

Beginn Bond-Reihe 1962 unter dem Titel James Bond – 007 jagt Dr. No mit Sean Connery in der Hauptrolle in die Kinos, der anfangs nicht der Favorit war, da durch seine schottische Herkunft für zu plump empfunden und zu körperbehaart. Fleming hätte am liebsten jemanden wie Cary Grant in der Rolle gesehen, da dieser seiner Ansicht nach die eleganten Seiten des Agenten glaubhafter hätte verkörpern können. Es folgten weitere erfolgreiche Kinoproduktionen, im Laufe der Zeit entwickelte sich James Bond zu einer popkulturellen Ikone. Parallel dazu ist die wechselnde Rolle des Bond-Darstellers zu einer prestigeträchtigen Aufgabe im Filmgeschäft geworden.

Nun zum wichtigsten Teil…

Welche Objekte hatte ich in der Sendung mit und mit welcher Wertigkeit sind diese behaftet?

1 Unze Goldmünze mit 007 Prägung: Royal Mint Münze, eine Unze mit Queen und auf der Rückseite 007-Pistolenlaufprägung. Preis im James Bond Shop: € 2.000,-  , Wert im Handel (Second Hand Kauf): Goldpreis + 200-400€ für Prägung. 

Sean Connery Puppe: original verpackt (!) mehr wert als geöffnet, Goldfinger-Figur mit maßgeschneidertem Anzug, limitierte Auflage von 300 Stück, Maßstab 1:6 von Sean Connery, mit verschiedenen Features: Zigarette, Pistole, Uhr, Chip im Schuh…Vom 007-Store um € 380,- aber vergriffen und somit große Wertsteigerung


Goldener Colt: Original Replica des Goldenen Colts aus dem Moore-Film „Der Mann mit dem Goldenen Colt“ (1974). Ein Messing-Colt mit Goldüberzug, bestehend aus Abzug, Zigarettenetui, Feuerzeug und Kugelschreiber. Set plus Film-Patrone mit 007-Prägung. Limitiert auf 1000 Stück. Wert: 1000-1300€. 

Lasergun: Original Replica der Lasergun aus dem Film „Moonraker“ (1979). Limitiert auf 500 Stück. Wert: 400-700€. 

Koffer mit Corgi-Chrom-Autos: Original Corgi Koffer mit acht ikonischen Fahrzeugen der Filme, darunter Aston Martin DB5, Lotus Esprit Unterwasser-Ausführung und Aston Martin Vanquish. Limitiert auf 2520 Stück. Wert: 700-1000€. 

Charity Script von „Stirb an einem anderen Tag“ (2002): Script plus Zusatz. Für die Eintrittskarten zur Charity wurden 2000 Pfund bezahlt, wurde in der Royal Albert Hall im Beisein von Queen Elisabeth & Philip, Duke of Edinburgh (verstorben) veranstaltet, Wert: 300-500€.

Film-Frame: 25 Film-Plakate plus Film-Szenen aus der Filmrolle. Wurde vom Cutter des Filmes „No Time to die“ (und der Filme davor) angefertigt. Limitiert auf 5 Stück weltweit vorhanden. Wert: 600-900€. 

Silbermünzen: Sean Connery Silber Münze 1 Pfund Sterling, mit 6 Filmtiteln. Wert: 100€
Zweite Silber Münze: Royal Mint Prägung. Wert 80€. 

Roger Moore Pappaufsteller: Lebensgroß, Roger Moore aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Wert: 50-120€

Originalrequisite – genau so ein Kartendeck wurde verwendet: 
Omega Kartendeck Casino Royal von Cartamundi: Limitierung unbekannt. Kartendeck aus dem Pokerspiel bei „Casino Royal“ in Omega Uhrenschachtel plus Omega Uhrenkatalog. Bezahlter Preis: 300€. In Belgien 150 Stück fertigen lassen, die meisten Exemplare hat sich OMEGA gesichert – war nie im Handel erhältlich! 

Und zu guter Letzt die Geschichte zur Lederjacke von Roger Moore. Während dem Opernball, auf Einladung eines Wiener Baumeisters , ist Roger Moore zu mir ins Geschäft gekommen (damals lichterloh auf der Gumpendorferstraße). Nach einem spannenden Austausch bekam ich ein paar Tage später per Post diese Jacke zugeschickt. Da ich diese persönliche Anekdote damit verbinde, werde ich sie natürlich nicht verkaufen, sondern weitervererben oder weiterschenken.

Und nun auf ins Kino und den neuen James Bond ansehen!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Stilmöbel vs. Original

Montag, 27.09.2021, ab 17:30, Studio2//ORF

Thema diesmal: Stilmöbel vs. Original

Birgit Fenderl und ich sind heute beide auf Biedermeiersesseln gesessen. Die Frage war nun welcher der beiden das Original und welcher das Stilmöbel war. 

Aber ein kurzer historischer Abriss sei dem vorangestellt. Als Biedermeier wird die Zeitspanne vom Ende des Wiener Kongresses 1815 bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution 1848 in den Ländern des Deutschen Bundes bezeichnet. In Zeiten von Corona wurde ja nun schon oft von einem neuen Biedermeier gesprochen – also dem Rückzug des Bürgertums in die eigenen vier Wände und vom es sich dort gemütlich machen – damals die Flucht ins Private und ins vermeintliche Idyll, eine Reaktion auf die staatliche Zensur aller Veröffentlichungen, was Literatur, Musik und Presse stark betraf. 

Wenn man kein Experte/keine Expertin ist, weiß man nicht worauf man achten soll, übrigens eine der meistgestelltesten Fragen seit ich als Experte im Studio2 auftrete. Für Menschen, die ein Möbel geerbt  oder die einfach Interesse daran haben, wollte ich das genauer erläutern auf welche Merkmale man achten soll. Das Stilmöbel -links – auf dem ich gesessen bin ist ein Vollholzmöbel aus Erle, auf Mahagoni gebeizt und wurde damit von einer billigen Produktion in eine teurere  Optik gebracht. Der Sessel ist maschinell gefertigt, man konnte das vor allem an einer bestimmten Stelle sehen, wo sich die Kreissäge eingefräst hat (zu Zeiten des Biedermeier gab es natürlich noch keine Maschinen), weiters fand sich eine maschinelle Verzinkung am Stuhlunterteil.

Beim Originalsessel ist nun auch kein Originalpolsterung mehr, sondern ein altrosa Überzug. Ursprünglich hatte es einen Biedermeier Möbelstoff, so wie Streifendamast oder ein eingestreutes Blümchenmuster.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden neue Materialien verwendet, um Möbel pflegeleicht zu machen, in dem Fall des Stilmöbels Acryl Lack um einen künstlichen Glanz zu erzeugen und um ihn leicht abstauben zu können.  

Der Original Biedermeiersessel ist mit Schellack politiert, ein Naturprodukt, eine harzige Substanz, die aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus nach ihrem Saugen an bestimmten Pflanzen gewonnen wird.

Nun sieht man auch beim Original an der Unterseite des Sessels, dass er aus der Biedermeierzeit stammt. Furniertes Holz, innen Weichholz, ein Nadelholz mit wunderschöner handgefertigter „Schwalbenschwanzverzinkung“.

Rundherum furniert mit einem edlen Holz , in diesem besonderen Fall eine Blumenesche, die fast schon aussieht wie ein Wurzelholz, vermutlich aus ungarischer Provenienz, Biedermeier der K&K Monarchie, circa um 1830  – man sieht dies auch anhand der Einlegearbeiten.

Nun zu den Wertigkeiten – ganz spannend: das Stilmöbel hatte zur Zeit seiner Erzeugung nach dem zweiten Weltkrieg den selben Preis wie der Original Biedermeier Sessel im Handel. Heute kann man so ein Stilmöbel als Gebrauchsmöbel haben und es liegt somit bei 40-50 Euro Wertigkeit. Das Original wiederum liegt beim zehnfachen Wert ungefähr, also bei 500 Euro. Dabei kommt es natürlich auf das Modell und die Verarbeitung an. 

Stilmöbel vs. Fake – eine Fälschung versucht natürlich dem Original so nahe wie möglich zu kommen, dh. es werden auch alte Materialien verwendet, was sich aber realistischerweise heutzutage bei 0815 Modellen kaum auszahlt, wenn man sich den Stundensatz eines Handwerkers ansieht. Der richtige Sachverständige ist da natürlich gefragt, den Unterschied zu erkennen, ob es sich nun um eine Fälschung oder ein Original handelt. Das Stilmöbel ist maschinell und mit Schablonen gefertigt.

Jetzt kennt man das natürlich aus der eigenen Familie – man erbt etwas und denkt es wäre ein wertvolles Stück, da es immer so kommuniziert wurde. Viele Dinge unterliegen aber dem Zeitgeist und des Geschmacks. Daher gibt es für einiges keine Nachfrage. Damit haben wir alle im Antiquitätenhandel zu kämpfen.