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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Weinflaschen und Utensilien

Montag, 14.11.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Eines der ältesten Kulturgüter – Wein

 

„Es wird ein Wein sein – und wir werden nimmer sein…!“. Wein zählt zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Hans Moser als Reblaus wäre begeistert gewesen von der heutigen Sendung. 

Martin Ferdiny meinte auch gleich zu Beginn: “Ich tue jetzt sehr gerne meinen Dienst angesichts dieser Kostbarkeiten, die uns Christof Stein mitgebracht hat. Salvador Dalí hat gesagt: „Wein trinkt man nicht, man kostet Geheimnisse und einige dieser Geheimnisse wollen wir jetzt lüften!” Was für ein Intro!

“Wie hat es sich zu diesem Kulturgut entwickelt?“ fragte mich Martin. Also, allem voran: Wein und der Genuss dessen haben immer etwas mit Gemeinsamkeit, Brüderlichkeit und natürlich auch Schwesterlichkeit zu tun – es gibt Weinbruderschaften und Weinkonvente, längst ist Wein allerdings keine Männerdomäne mehr, auch nicht im Anbau. Hier dazu mehr. 

Aber zum Geschichtlichen: Im Nahen Osten lässt sich der Anbau von Wein bereits für das dritte vorchristliche Jahrhundert nachweisen. In der Bibel wird vom Weinbau bereits unmittelbar nach der großen Flut berichtet. 

Sprachhistorisch: arabisch wayn / althochdeutsch win / lateinisch vinum – und bedeutet: vergorener Saft aus Beeren der edlen Weinrebe.

Wein hat mindestens 8,5 Volumenprozent Alkohol. Verschiedene biochemische Abläufe führen dazu, dass manche Weine jahrzehntelang reifen und haltbar sind.

Die häufigsten Weine sind Rot, Weiß, Rosé, Schaumweine (wie Champagner, Sekt, Spumante, Perlwein,….), so wie Likörweine (wie Marsala, Sherry, Portwein,…).

Bekannt sind uns und allen Zusehr:innen die Götter Osiris in Ägypten, Dionysos in Griechenland, so wie auch Bacchus aus der römischen Mythologie. Dionysos ist der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase, was ja eigentlich schon alles sagt.  Odysseus hat den Zyklopen geblendet beziehungsweise berauscht mit Wein und dadurch besiegt. Wasser wird zu Wein, kennen wir aus dem Christentum (Kurz dazu: Die Hochzeit zu Kana ist eine Wundererzählung aus der Bibel, die davon berichtet, wie Jesus von Nazareth als Gast einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein verwandelt).

Leider gehört Österreich nicht zu den Top 5 Weinproduzenten der Welt sondern Italien, Frankreich, Spanien, USA und Argentinien, wobei die ersten drei genannten Länder mehr als die Hälfte des Weinweltanteils produzieren.

Kurz zu Österreich: Mit einer Fläche von ungefähr 50.000 Hektar, auf dem ungefähr 66 % Weißwein und circa 34 % Rotwein angebaut werden, hat das Land einen Jahresdurchschnitt, hinsichtlich Produktion, von 2,3 Millionen Hektoliter Wein. 

Neben all den Weinsammler:innen,die nach Jahrgängen oder Regionen sammeln, gibt es natürlich auch alles Mögliche rundherum, welches das Sammlerherz höher schlagen lässt.

Mitgebracht hatte ich einen Querschnitt spannender Objekte mit Geschichte – schöne Jugendstil Gläser um 1900 für Weißwein, mein privates Verkosterglas typisch für den französischen Landwein (Rotwein), wunderschön geätzt (darauf sieht man Sonne und Mond), circa um 1800, ergo das älteste Stück, das ich in der Sendung präsentierte.  Typisch für Skandinavien sind olivgrüne Weißweinbecher, die definitiv nicht für Rotwein gedacht sind, weil der Wein dann optisch braun verfärbt wirkt (und dann unappetitlich ist, meinte Martin).

Typische Gläser für den Grünen Veltliner (Riedle Glas)hatte ich auch in der Sendung mit. 

Ein spannendes Stück ist der Laura Ashley Entwurf, ein Weinglas aus den 1980er Jahren.

Wenn man nun an das Öffnen der begehrten Weinflaschen denkt: etwas Typisches für die Jagd, ein Öffner mit Hirschgeweih oder so wie mein privater Flaschenöffner aus Messing mit speziellem Patent, hatten ihre rühmlichen Momente in der Studio2 Sendung.

Zum Verschließen des köstlichen Weingutes gibt es natürlich historische Korken aus Murano, aus Porzellan (oft mit Ausgießer durch die Nase) und der gehämmerte Messingkorken aus den 1950er Jahren, der aussah wie die vietnamesischen Kappen der Reisbauern.

Meine Favoriten sind die Weinkühler – einer davon ist ultraleicht und wiegt gerade mal 100 Gramm, also 10 dag – die Leichtgewichte wurden speziell für die Zeppeline hergestellt, da konnte man sich kein unnötiges Gewicht leisten. Dieser spezielle Weinkühler war natürlich aus der ersten Klasse. “Ein Wein zum Abheben” sozusagen, witzelte Martin. 

Der Weinkühler aus der letzten Jahrhundertwende bietet Platz für vier  Weinflaschen. Naturgemäß für Weißweine, allerdings hatte ich aus Dekorationsgründen meinen ältesten Rotwein (aus 1953) darin stehen.

Wenn wir schon über Etiketten sprechen, gibt es fanatische Etikettensammler:innen. Es gibt nämlich Etiketten, die auch bis zu 3000 Euro erzielen können, sozusagen die Blaue Mauritius der Weinwelt.

In Nachlässen finden sich manchmal versteckte und eventuell unerkannte Besonderheiten und Schätze. Wenn die Nachkommen diese nicht wollen, komme ich manchmal in den Genuss der Geheimnisse des Weinkellers. Dann mache ich es wie der Bockerer und reiß’ beim Tarockieren eine Flasche auf, egal was sie möglicherweise wert ist – wir genießen sie dann in trauter Gemeinsamkeit.

Kurios: Es gibt eine App namens „Vivino„, die einem sagt, was der Wein wert ist.   Dafür muss man einfach nur das Flaschenetikett abfotografieren. Dann schlägt die App sogar das passende Essen oder den nächsten Weinhändler vor. Grandios, oder – was denkt ihr?

Und nun noch die letzten schönen Tage in den Wiener Weinbergen genießen und sich mit heurigem Wein für die kalten Tage beim Ab Hof Verkauf eindecken! 

 

Danke an den Leihgeber Paul Kozak für die Weinrequisiten.

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Murano

Montag, 06.12.2021, ab 17:30, Studio2//ORF

Thema diesmal: Muranoglas

Als Intro meinte Norbert Oberhauser, dass jeder der einmal in Venedig war,  sicherlich ein Murano Glasobjekt, wenn auch ein kleines, als Souvenir mitgebracht hat. 

Kurzer Abriss zum Ursprung der Glasherstellung bevor wir zum aktuellen Thema kommen: Im zweiten Jahrtausend vor Christus entwickelte sich die Glasproduktion unabhängig voneinander im griechischen Mykene, in Ägypten, in China und in Nordtirol. Vermutungen legen nahe, dass Glas zufällig beim Brennen der Töpferwaren entstand.

Aber nun zu einem meiner Lieblingsthemen: Muranoglas.

Venedig gilt als Zentrum der europäischen Glasherstellung. Der Ursprung liegt im Jahr 1000 nach Christus. Seefahrer Venedigs exportierten feinste Seide, wohlriechende Gewürze und bemerkenswerterweise: sie brachten die Kunst der Glasherstellung nach Venedig. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Glasproduktion zu einem profitablen Wirtschaftszweig.

Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Produktion auf die Insel Murano verlegt, die damals nur ein Fischerdorf war, wegen der erhöhten Brandgefahr war die Glasproduktion in Venedig untersagt und sämtliche Familienbetriebe mussten umsiedeln. Dort waren sie auch besser geschützt vor Betriebsspionage…

Die Crux an der Sache war: den Glasmachern war es untersagt die Insel jemals zu verlassen. Es galt die Todesstrafe bei Zuwiderhandeln. Da meinte Norbert natürlich gleich: “Vorsicht bei der Berufswahl!”

Leider konnte ich das nicht mehr in meinem Beitrag im Studio2 erwähnen, darum nun hier: In der Renaissance Zeit gab es ein Libro d’Oro – ein goldenes Buch von Murano, in dem die wichtigsten glasproduzierenden Familien gelistet sind. Dies hing natürlich mit viel Prestige und Privilegien zusammen.

Auch heute noch sind es hauptsächlich Familienbetriebe auf der Insel – 80% der Inselbewohner sind im Glasgewerbe, natürlich ausschließlich Handarbeit.

Jeder der nach Venedig fährt, sollte unbedingt zur Insel Murano fahren – auch mit Kindern ein wahnsinnig tolles Erlebnis, die spannenden Glasblas-Studios mit leuchtenden Kinderaugen zu erleben ist etwas ganz besonderes. Auch man selbst wird bezaubert von diesem magischen Ambiente. In den Geschäften in Venedig selbst, das Klimbims ist leider mittlerweile aus China und nicht aus Murano. 

(Interessantes Faktum am Rande: Murano wurde erst 1923 Teil von Venedig) 

Aber, ich wollte in der Sendung den Fokus auf die Erzeugnisse der berühmten Familien Muranos legen und diese vorstellen. Das erste Objekt, über das ich sprach, war ein wunderbarer Luster von Angelo Barovier, der sich später mit der Familie Toso zusammengetan hat. Barovier hat als Erster 1450 die Herstellung des kristallklaren transparenten Glas „cristallo“ (ersetzte Waldglas in grüner Färbung)vorangetrieben, welches ein heiß begehrtes Exportgut wurde. Barovier ist älteste Firma (seit 1295), die eben, wie schon erwähnt, sich später mit Ferro Toso zu Barovier & Toso zusammengeschlossen hat. Moscheen und Königshäuser wurden mit ihren Erzeugnissen ausgestattet. Ein kleiner Luster wie jener, den ich in der Sendung mit hatte, liegt bei einer Wertigkeit von ungefähr 800 Euro.

Danach fiel der Fokus, von Norbert geleitet auf ein ganz spezielles Glaskunstobjekt. Hergestellt von Berengo, der Manufaktur, die ausschließlich mit Künstler:innen zusammenarbeitet. Jene war von Robert Zeppel-Sperl, der leider vor 2 Jahren verstorben ist. 

Das Glasobjekt, das ich in der Sendung mit hatte, liegt bei einer Wertigkeit von 5000 – 6000 Euro.

Berengo ist vor allem mit den „Venetian Heads“ von der Künstlerin Kigi Kogelnik berühmt geworden. Diese entstanden zwischen 1994 und 1996 als Projekt der Galerie Walker in Kooperation mit der Werkstätte. Diese sind heute von 50.000  bis 70.000 Euro wert. Ich habe ja schon einmal eine Sendung zu Kiki Kogelnik gemacht. Hier nachzulesen.

Weiter ging es mit einem wunderschönen mundgeblasenen Fadenglas von Paolo Venini (seit 1921, mit Dependance in Paris), auch berühmt für das Pulegoso Glas (mit tausenden Luftblasen eingeschlossen). Das vorgestellte Glasobjekt basierte auf dem  Fazzoletto Entwurf Fulvio Bianconi aus 1949 und simulierte einen vom vom Wind zerzausten Rock, wenn man das Glas auf den Kopf stellt. Fazzoletto heißt ja Taschentuch übersetzt, somit ein Taschentuch, als Schale fungierend und mit diesem speziellen Faden-Dekor (siehe Screenshots der Sendung) kommt man auf ungefähr ein Wertigkeit von € 1.000 in dieser Größe.

Man munkelt, dass die berühmte Marilyn Monroe Szene, wo der Rock nach oben geblasen wird, weil sie auf einem U-Bahnschacht steht, davon inspiriert wurde (Film von Billy Wilder – The Seven Year Itch/Das verflixte 7. Jahr auf Deutsch).

Nun ist uns aber die Zeit davongerannt und ich musste leider ein wenig Gas geben. Das Krokodil Glasobjekt war von Cesare Sent – dieser ist ein noch aktiver Glaskünstler in Murano und hat sein Handwerk von beiden Großvätern gelernt. Er fertigt hauptsächlich Tierskulpturen (inspiriert von der Lagune) und Schmuck, aber auch Spiegel, Lampen und Vasen. Dieses besondere Objekt zeigt auf der Unterseite die Vielschichtigkeit des Lagunenwassers (siehe auch Screenshot). Dieses Unikat liegt bei einer Wertigkeit von € 2.500.

Angespornt von der mangelnden Zeit habe ich noch kurz die Mosaiksteinetafel in den verschiedenen Farben, die Schautafel hergezeigt. Die gefertigten Mosaiksteine wurden für die Apsisdekorationen in Kirchen verwendet, beziehungsweise für die gesamte Auskleidung der San Marco Kirche in Venedig. 

Und ganz zum Schluss konnte ich noch über die Millefiori (=Tausend Blumen) Schale sprechen. Das sind einzelne Glasstäbe die mittig eine Blume eingearbeitet haben, von diesen werden kleine Stücke runtergebrochen, mit der Seite nach oben gelegt in Form, dann gebrannt – so entsteht zb. diese Schale, die bei einer Wertigkeit von € 450 liegt.

Und dann war es TIME TO SAY CI VEDIAMO E A PRESTO. Nächste Woche geht es ja schon wieder weiter mit einem spannenden Thema. Stay tuned!