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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Gartenmöbel

Montag, 30.05.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Gartensessel mit Geschichte

Sitzen im Grünen – im dicht bebauten Stadtgebiet hat natürlich, vor allem in Zeiten des Klimawandels und unerträglichen Hitzeperioden, besondere Bedeutung für Lebensqualität. Der Blick ins Grüne lässt die Menschen entspannen, die positive Wirkung von Pflanzen führen zu einer Steigerung des Wohlbefindens, zu einer Reduktion von Stress, Angst, Depression und zu einer Verbesserung der Konzentration, so wie der geistigen Aufnahmefähigkeit. Grüne Oasen im öffentlichen Freiraum waren und sind unverzichtbar. Die passenden Sitzmöbel sind ein absolutes MUSS für die Gewährleistung dieses urbanen Genusses. 

“Wir haben mit unserem Experten Christof Stein Platz genommen auf Sitzgelegenheiten des öffentlichen Raumes anno dazumal.” meinte Verena als Einstieg in meinen Sendungsbeitrag über historische Gartensessel. “Die kannst uns öfter mitbringen!” hat dann Norbert schmunzelnd hinzugefügt. 

 

Trotz historischem Background oder besser gesagt: der metallenen Sitzfläche sitzt man doch sehr bequem auf einigen dieser Möbelstücke mit Geschichte. Der Eisenklappsessel aus circa 1800 war das älteste Modell und ausgestattet mit einem Eisendraht, der so gewebt war, dass, wenn man ihn zusammenklappt, sich der Draht so richtig schön ein- und entfädelt hatte. Dieses Fundstück lässt sich jetzt nicht direkt verorten, in Hinblick auf einen bestimmten Stadtgarten aber beispielsweise der Augarten, der älteste Garten, der öffentlich zugänglich gemacht wurde im Jahr 1775 (errichtet wurde er schon 1650), hätte auch so ein öffentliches Möbel beherbergt. (1766 wurde er Prater öffentlich zugänglich gemacht, allerdings galt dieser nicht als kleiner Stadtgarten oder Stadtpark, durch die weitläufigen Jagdgründe).

 

Der nächste Park, der öffentlich zugänglich gemacht wurde, war dann der Stadtpark, der durch die Schleifung der Stadtmauer und dem Bau der Ringstraße entstand. Die offizielle Eröffnung war 1862 unter dem Motto: „freundlicher Ziergarten mit schönen Sträuchern, freien Durchsichten, verschlungenen Wegen und Blumenpflanzungen“.

Da sagt man ja, da hat es die “Lästerallee” gegeben, wo die schärfsten Zungen gesessen sind und die vorbeispazierende Gesellschaft mit Kommentaren versehen hat. Bis Ende der 1950er Jahre waren in den Parks der Stadt Wien Sesselfrauen (umgangssprachlich: Sesselweiber) tätig. Sie vermieteten an Parkbesucher Sessel. In einer Rathauskorrespondenz vom 3.7.1956 wird sogar kritisiert, dass durch die Abschaffung der Sesselfrauen nun ein Mangel an Sitzplätzen entstanden sei. Das Stadtgartenamt hat daraufhin Sessel für den Stadtpark (und den Rathauspark) bestellt.

 

Einige dieser historischen Sessel für den öffentlichen Bereich waren einklappbar, um sie leichter wegräumen zu können und verfügten natürlich auch über einen kreativen Diebstahlschutz – durch einen Metallkreis am Sesselfuß wurde eine Stange gezogen. 

Heutzutage gibt es dann sogar Loungemöbel, die zum Verweilen einladen – wie im Museumsquartier die berühmten Enzis (ursprünglich aus Hartgummi gemacht). Jedes Jahr wird im demokratischen Verfahren eine neue Farbe bestimmt – bei den Versteigerungen von den Original Enzis aus der ersten Serie wurden bis zu 6000 Euros erzielt.

 

Der teuerste Sessel, den ich mitgebracht hatte, war für das Sanatorium Purkersdorf von Josef Hoffmann entworfen worden. Als das Sanatorium saniert wurde, Denkmalschutz war nicht so gegeben und das Bewusstsein für diese wunderbaren Jugendstil Sessel war leider auch nicht vorhanden, gab es gottseidank es ein paar wenige Personen, die in weiser Voraussicht diese grandiosen Stücke aus den Müllcontainern gerettet haben. Der Sessel, den ich mit hatte, war natürlich schon restauriert, sonst hätte man ihn so gar nicht verwenden können und liegt bei einer Wertigkeit von 2000 Euro als Einzelsessel. Grandios, nicht wahr? Dieser wurde eben auch speziell nur für das Sanatorium gefertigt und ist somit eine Rarität (vor allem weil so viele davon einfach entsorgt wurden).

 

Die Sitzmöbel, typische Gartensessel, die wir auch von den Großeltern noch kennen, die so genannten “Spaghettisessel” (die sprichwörtliche Form gibt den italienisch inspirierten Namen vor) boomen ja im Moment. Sie stammen aus der Zeit des Lilienporzellans in den wunderschönen pastelligen Farben, stapelbar oder klappbar, und diese sind eben wie gerade erwähnt absolut wieder in. Die neue Generation steht ja unglaublich auf Nachhaltigkeit und die Rückkehr zum Analogen sowie das Interesse an Vintagemöbel und Nostalgieobjekten floriert. Ich finde das großartig, dass sich dieses Bewusstsein wieder entwickelt. 

Wer sammelt solche Möbel, fragte mich Verena zum Abschluss – also auf jeden Fall viele Museen, wie das MAK oder das Hofmobiliendepot oder eben auch private Sammler:innen. Diese Sesselsammlung kam aus einem legendären Filmrequisitenfundus. 

 

Danke an dieser Stelle an Paul.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Der Mecki

MONTAG, 015.03.2021, ab 17:30 Uhr

Studio 2//ORF

Laut Norbert Oberhauser war ich heute “artgerecht” angezogen für meinen Beitrag über den Mecki…meine wunderbare Partnerin Elisabeth meinte auch “Man merkt, dass heuer der Fasching ausgefallen ist”. Aber nun zum eigentlichen Thema:

Heute bin ich auf Sehnsüchte der Kinder eingegangen und auf den Wunsch nach Normalzeit auch für die Kleinsten.

Der Mecki: Ein Betthupferl an das sich die Junggebliebenen sicher noch erinnern können, erfunden 1840 in der Spätbiedermeierzeit, Symbol des Wirtschaftswunders und im deutschen Sprachraum bekannter und beliebter als Micky Mouse.

Alles begann mit dem Igel. Die Gebrüder Grimm haben das wunderbare Märchen “Der Hase und der Igel” aufgegriffen, wo der Igel der smarte Charakter ist, und der Hase sich “abstrudelt” und dann stirbt. (Nähere Informationen findet ihr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hase_und_der_Igel)

Verantwortlich für den frühen Erfolg der späteren Meckis waren die Gebrüder Diehl, welche die Hase Igel Geschichte 1938/39 verfilmten. Sie gelten damit als die Väter der Igelfigur, aus der später Mecki hervorgehen sollte. 

Der Teddybär war nach dem zweiten Weltkrieg in jedem Kinderzimmer zu finden und galt als DAS Schmusetier. Durch das deutsche Wirtschaftswunder (auch bekannt als der Nachkriegsboom, weiterführend Information findet ihr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswunder) ist der Mecki in aller Munde gewesen und hat die deutschen und österreichischen Wohnzimmer erobert. Der stilbildende Igel für Frisur und Mode, Maskottchen der Zeitschrift „Hörzu“ und ab den 50er engster Vertrauter der Kinder.

Hörzu (1946-2013) war die erste Programmzeitschrift seit 1945. Eduard Rhein, der Chefredakteur suchte den Rechteinhaber um den Igel zu seinem Maskottchen zu machen – konnte ihn aber nicht finden. Zur Namensgebung gibt es zwei Geschichten: Der Igel sollte zu den Seiten von Hörzu ausgiebig meckern, beziehungsweise  der Igel bekam seinen Namen von Redakteur Hans Meckelnburg, der den  Spitznamen Mecki trug. Der erste Auftritt in Zeitschrift: 43/1948 Titelseite und sollte das Radioprogramm kritisch kommentieren.

Diehl bemerkte die Abbildungen und es kam zu einer gerichtliche Auseinandersetzung und letztendlich zu einem Vergleich – Das Resultat: Hörzu: Mecki ausschließlich für Comics und Bilderbücher, Vermerk: Zeichnung der Mecki Figur nach Diehl-Film.

Die Firma Steiff bekam die Lizenz für die Produktion Anfang der 1950er Jahre (1951 Produktion, danach Meckis Frau Micki, Kinder Macki und Mucki) – die Steiff Meckis haben meinen Beitrag bereichert, ebenso wie die Postkarten und Geschichten.

Bücher: 1952-1964 jedes Jahr zu Weihnachten ein Mecki Bilderbuch, Verlag Hammerich & Lesser (Springer Konzern)

Text: Eduard Rhein, Zeichnungen: Reinhold Escher (1. Buch) danach Wilhelm Petersen

Einige der Geschichten sind natürlich heutzutage nicht mehr als politisch korrekt einzustufen mit Titeln wie “Mecki bei den Negerlein” (1957) aber im Kontext der damaligen Zeit als Sammelobjekt als zeithistorisch relevant einzustufen. 

Der österreichische “Gegenmecki” war ein wenig kleiner und wurde in verschiedenen Szenen dargestellt – Bier trinkend, als Fußballer, als Glücksbringer Rauchfangkehrer.

Beides wird heutzutage von tausenden Menschen gesammelt, es gibt Vereine und die/der eine oder andere hat wohl heute feuchte Augen bekommen…

Wir alle freuen uns schon auf mehr Normalzeit, wenn der Prater wieder aufsperren wird und die Meckis in der Meckibahn aufspielen. Der Mecky-Express im Prater singt jedem Gast ein Ständchen. Die Kapelle von 1960 wurde erbaut von Robert Holzdorfer und ist eine kleine Bahn mit Igeln, die an Schaukästen vorbeifährt mit diversen Miniaturbauten (z.B.: Flughafen Schwechat 1963, Heinzelmännchen, Bremer Stadtmusikanten, Indianerüberfall,…   alles mit Igel-Figuren dargestellt).