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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Siphon Flaschen

 

Montag, 12.09.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Auf der Suche nach dem Holy Spirit 

“Wie steht es um Deine Tanzkünste?” fragte mich Birgit Fenderl als Intro zu meinem Sendungsbeitrag (im Beitrag vor meinem ging es um Tanztraining).

Als ich ein beginnender Tween war und ich mir keine Ballkarten leisten konnte, habe ich immer die Mitternachtseinlagen gemacht, denn dadurch kam man gratis auf den Ball. Aber ich bin einfach wirklich ein leidenschaftlicher Tänzer und war sogar in den frühen Tagen ein Jahr lang Tanzlehrer in Südafrika. Tanzen und Gin Fizz passen gut zusammen und somit eine Überleitung zum eigentlichen Thema: historische Sodawasserflaschen. 

 

1826 erfunden wurden diese vom ungarischen Benediktiner Priester Anyos Jedlik – auf der Suche nach dem heiligen Geist in der Flasche, dem Holy Spirit“ (Augenzwinkern mitdenken). Gleichzeitig wurde natürlich auch die Herstellung von Sodawasser entwickelt.

So richtig populär wurden sie dann im 20. Jahrhundert, aber auch in der Monarchie waren sie schon in Verwendung.

Das älteste Stück – da stand zwar auf dem Aufsatz 1927 – die Flasche an sich, aber stammt aus 1880/90 aus Tschechien, in Annagrün, einem Uranglas, das ganz leicht radioaktiv strahlt. Für ganz alte Gläser gibt es eigene Auktionen, in diesem Fall waren wir bei einem Wert von 300 Euro. Die Flasche daneben um 1920 aus Paris war dann um 1500 Euro doch wertvoller – davon gibt es nur wenige Exemplare am Markt.

Gerade die Flohmärkte in Paris wie beispielsweise Porte de Clignancourtgeben einiges her.

Die ganz alten Flaschen sind eher im dekorativen Bereich zu verorten – das Innenrohr ist wichtig für die Funktionalität, früher war es aus Glas jetzt aus Kunststoff.

Ein kurzer historischer Abriss zur Siphonflasche oder auch Soda-Wasser-Flasche und deren Funktionalität (= Zapfflasche für kohlensäurehaltige Getränke):

Immer noch hergestellt werden wieder befüllbare Flaschen aus Stahl, Aluminium, oder wie traditionell aus Metallgeflecht umwundenem Glas (bis 21. Jahrhundert war Mehrweg-Pfand üblich). Sie werden mit Kohlendioxid-Kartuschen unter Druck gesetzt (meist als Sodasiphon bezeichnet).

 

 

Das System wurde sehr lange genutzt, bis Trinkwassersprudler erfunden wurden.

Auch heute werden diese Flaschen noch in Bars genutzt, um Gin Fizzs oder Collins stilecht zuzubereiten. 

Die Flasche wird zu circa 70% mit Wasser gefüllt, luftdicht verschlossen und durch das Gasventil unter Druck gesetzt. Das CO2 löst sich dann im Wasser (je kälter das Wasser desto besser), das Wasser wird nach draußen gedrückt, sobald man den Verschlusshebel öffnet. Dazwischen ist ein Steigrohr, das den Kohlendioxidverlust nach Außen vermeidet.

1829 wurde in Frankreich erstmals diese Vorrichtung patentiert.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ein verbessertes System zum Patent angemeldet von der Firma Aerators Lts. Diese Firma wurde 1919 von der Firma Sparklets erworben, die im WK I Munition hergestellt hat (stellen noch heute Systeme mit Druckkapseln her). 

Danach kamen die Roaring Twenties und kohlensäurehaltige Getränke wurden immer beliebter. Die Siphon-Kultur wurde der neue Chic (Gin Tonic, Whisky Soda,…) auch in zahlreichen Filmen dieser Zeit zu sehen (zb. Great Gatsby).

Ab den 50er Jahren gehörte die Siphonflasche zur Standardausstattung eines modernen Haushaltes. –

Sodasiphon ist ein bedeutender Teil der historischen Getränkekultur, eine beinahe unzerbrechliche Quelle von frischem Sodawasser in Glas mit Geflecht aus Stahl. Spannendes Detail am Rande: Es gab die Siphonflaschen auch zur Miete, wenn man sich einen eigenen nicht leisten konnte oder wollte. 

 

Zurück zu meinem Beitrag: Mir war wichtig, dass es in der Sendung nicht nur um die Wertigkeit ging, sondern gerade auch um den optischen Genuss.

 

Die bunteren Flaschen waren aus den 1950/60er Jahren aus Aluminium, teilweise eloxiert oder lackiert. Ein Interior Designer würde einen dann beraten, welche als Teil der Einrichtung zu einem farblich passen – welche so richtig “knallen” würde, um sich stilecht einen Gin Fizz in der Heimbar machen zu können. Berühmte Filmszenen kommen mit diesem Requisiteneinsatz (Sodawasser wird mit der Flasche ins Gesicht des Gegenübers gespritzt) kaum aus – vor allem im Oldschool Slapstick Bereich wie Buster Keaton, Dick und Doof oder Charlie Chaplin.

Glücksritter erwischen besondere Objekte mit Geschichte ab 5-7 Euro am Naschmarkt-Flohmarkt bevor die Sonne aufgeht, besondere Varianten, wie rot in schwarz oder gelb mit schwarz findet sich dann aber eventuell doch eher um die 125 Euro im Netz.

Wiederaufgelegete Modelle der Siphonflasche nach altem Vorbild gibt es jetzt auch wieder, wie vorher erwähnt, ein Boom seit den 2010er Jahren.

Zum Abschluss meinte Birgit wieder, beschwingt von unserem Sodawasser Gin Fizz Szenario: “Wir finden noch eine Gelegenheit Dich zum Tanzen zu bringen!”

Aber diese Geschichte wird an einem anderen Punkt erzählt werden…

 

Im Übrigen: wusstet ihr, dass  „SodaStream“ aus Israel stammt und als „Friedensprojekt “in Gemeinsamkeit von Israelis und Palästinensern in Form eines Startups begonnen wurde ?

Wie einfach Erfolg und Frieden, eben ein Miteinander sein können.

 

 

Ein großes Danke an den Leihgeber Gerhard Bauderer!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Gewichte

 

Montag, 05.09.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Darf’s ein bisserl mehr sein?

 

Alles was ich mit hatte war richtig museal, Highlights aus einer einzigartigen Sammlung (Sammlung Dr. Gerhard Eiselmayr), die in Kürze im Auktionshaus Dorotheum versteigert werden. Ein weiterer Teil aus dieser Sammlung wurde an ein Museum in Salzburg gestiftet.

Tausende Jahre liegt der Beginn vom Einsatz von Maßeinheiten zurück. Seit gehandelt wird, braucht man diese natürlich auch. Es gab so viele Maßeinheiten, wie es Regionen auf der Welt gibt, was natürlich im internationalen Handel zu viel Verwirrung geführt hat. Es geht hier um Maßeinheiten wie Länge, Gewicht, Volumen.

In Bayern war das Maß Bier ein Liter während im Rheinland das Maß allerdings 1,7 Liter betrug. Um eine Einheit zu schaffen wurde in Paris 1783  das metrische Maß eingeführt.

Das absolute Juwel war ein Objekt aus 1704, leopoldinisch, wunderschön gearbeitet, mit Zierdefiguren am Hänkel. Dieses Gewicht stammt aus dem Österreichischen Punzierungsamt, dessen Funktion die Eichung aller anderen Gewichte, die auf 15 Pfund eingestellt werden sollten, bewerkstelligte.

Im Übrigen, das Wiener Pfund war nicht 0,5 Kilogramm wie heute, sondern 0,56 Kilogramm. Dieses Objekt mit Geschichte hat eine Wertigkeit von 10.000 Euro, weil es so einzigartig ist.

Das nächste Objekt hatte die Funktion, die Essenseinheiten für Soldaten zu messen,  militärische Maßeinheiten, wie ein Brot- oder Zwiebackgewicht, eine durchschnittliche Ration eines einfachen Soldaten um 1900, mit einem Wert von 500 bis 800 Euro.

Von massiv zu filigran: verschiedene Maßeinheiten, die nachfolgende war nun für Garn. Man sah wunderschön darauf das Längenmaß und verschiedenen andere Maßeinheiten. Die Schatulle, der Gewichtsaufbewahrer war mit schwarzem Samt gepolstert und Mahagoni Holz gefertigt, signiert von einer Wiener Manufaktur, mit einer Wertigkeit von 800 bis 1000 Euro.

Das letzte „TO GO“ Objekt um 1788 wurde pro Jahr neu punziert, weil geeicht. So einen Gewichtssatz hatte jeder Händler mit, damit wurden die Goldmünzen gewogen, auf dem Gewicht stand auch z.B. “Dukat” drauf.

Etwas ganz Spezielles – 4 Wiener Pfund, stand auch wirklich schön drauf, von 1778, und durch die jährliche Eichung wurden weitere Jahreszahlen punziert. Lauter kleinerer weitere Gewichte waren darin zu finden – nimmt man aus dem Grundgefäss alle übrigen Gewichte heraus ergibt das Grundgefäss 2 Pfund und der Rest ergibt ebenfalls 2 Pfund, wie ein magischer Trick – wer hat sich das einfallen lassen, hat dann Birgit Fenderl gefragt. Die fantastischen Nürnberger Gewichtsspezialisten waren die Vorreiter allerdings führte Maria Theresia auch eine Produktionsstätte in Österreich ein (in Wiener Neustadt), nach Nürnberger Vorbild.

Das berühmte Wiener Eizerl, das im Wiener Volksmund keine bestimmte Größe ist und das man noch aus Kindheitstagen von der Wiener Wursttheke kennt, normalerweise begleitet mit dem Spruch “Darf‘s ein Eizerl mehr sein?”. Dieses alte Gewichtsmaß war das Zweiunddreißigstel eines Pfunds, nach heutiger Umrechnung etwa 17,5 Gramm. In alten Kochbüchern entspricht das Lot etwa einem „Löffel voll“. Das Älzelin, unser Eizerl, gewichts-und bedeutungsident mit dem Quäntchen, entsprach so einem Viertel-Löffel, also 4,375 Gramm. Nachzulesen hier im Falter.

Großartige Geschichten können Objekte erzählen …aber auch Möbel, aber dazu mehr ein anderes Mal.

Großer Dank an das Wiener Auktionshaus Dorotheum und den Experten Simon Weber.