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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Form Follows FUNction

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Form Follows FUNction

Montag, 03.05.2021, ab 17:30, 

Studio2//ORF

Thema diesmal: Form Follows FUNction (die Form folgt dem Dekorationsaspekt)

Form Follows Function – die Form folgt der Funktion, ein von Architekt:innen und Industiedesigner:innen angestrebtes Ziel. Adolf Loos, das deutsche Bauhaus mit Mies van der Rohe und auch Wilhelm Wagenfeld waren Anhänger der form follows function Philosophie, wenn auch mit teils divergierenden Auslegungen. 

Was geschieht wenn das Ganze umgedreht und durch Ornamentik die Funktion überlagert wird – Ja, dann rücken die Sammler:innen auf den Plan und überbieten sich mit Skurrilitäten und dem Wunsch, dass das Gegenüber gar nicht draufkommt, was das Objekt der Begierde für eine Funktion hat.

Der „rote Plastikkaktus“, wie er liebevoll von Moderator Martin genannt wurde – also der Design Kleiderständer von Guido Drocco & Franco Mello für Gufram bewegt sich im hohen vier- bis fünfstelligen Bereich (circa 8000 – 10.000 Euro), wenn er aus der ersten Serie stammt. Das Dekorative überlappt die Funktion. Nicht mal James Bond wäre es gelungen hierauf seinen Hut treffsicher zu platzieren.

Der amerikanische Bildhauer Greenough hat schon 1852 im Zusammenhang mit den organischen Prinzipien der Architektur von form follows function gesprochen.

Martin und ich haben heute „Das Ding der Woche“ (Oliver Baier) nachgespielt – es gab spannende Vermutungen (Ist das eine Urinflasche? Nein, ein patentiertes Befeuchtungsgerät aus Milchglas – dirty pun intended – Erklärung siehe gleich nachstehend), …ich habe natürlich alle Rätsel aufgelöst.

Ein kurzer Einblick in das Kuriositätenkabinett, das ich in der Sendung vorgestellt hatte: Dachrinnenabschlüsse in Drachenform, erinnert an die Wasserspeierauslässe der Notre Dame, dieser war aus der Spätbiedermeierzeit um 1870/80; ein Schnurspender, der richtig herrlich verziert wurde und stammte aus der Zeit, in welcher der Eiffelturm gebaut wurde; das Fußstück einer freistehenden Badewanne in Engelsform,;eine Bischofsgürtelschnale; ein Wandwasserverdunster oder Befeuchtungsgerät vorm Kachelofen, heute vor der Zentralheizung (von Martin als Urinflasche bezeichnet) – gesetzlich geschützt, ergo patentiert und aus Milchglas gemacht; ein Gewicht, das aussieht wie eine Quaste und einen Theatervorhang zusammenhalten kann durch sein Gewicht – und zu guter Letzt ein Billardkugelauswurf – Kugel fällt ins Loch, Gesicht klappt nach unten, und fängt die Kugel spielerisch wie eine Hand auf. 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Der Mecki

MONTAG, 015.03.2021, ab 17:30 Uhr

Studio 2//ORF

Laut Norbert Oberhauser war ich heute “artgerecht” angezogen für meinen Beitrag über den Mecki…meine wunderbare Partnerin Elisabeth meinte auch “Man merkt, dass heuer der Fasching ausgefallen ist”. Aber nun zum eigentlichen Thema:

Heute bin ich auf Sehnsüchte der Kinder eingegangen und auf den Wunsch nach Normalzeit auch für die Kleinsten.

Der Mecki: Ein Betthupferl an das sich die Junggebliebenen sicher noch erinnern können, erfunden 1840 in der Spätbiedermeierzeit, Symbol des Wirtschaftswunders und im deutschen Sprachraum bekannter und beliebter als Micky Mouse.

Alles begann mit dem Igel. Die Gebrüder Grimm haben das wunderbare Märchen “Der Hase und der Igel” aufgegriffen, wo der Igel der smarte Charakter ist, und der Hase sich “abstrudelt” und dann stirbt. (Nähere Informationen findet ihr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hase_und_der_Igel)

Verantwortlich für den frühen Erfolg der späteren Meckis waren die Gebrüder Diehl, welche die Hase Igel Geschichte 1938/39 verfilmten. Sie gelten damit als die Väter der Igelfigur, aus der später Mecki hervorgehen sollte. 

Der Teddybär war nach dem zweiten Weltkrieg in jedem Kinderzimmer zu finden und galt als DAS Schmusetier. Durch das deutsche Wirtschaftswunder (auch bekannt als der Nachkriegsboom, weiterführend Information findet ihr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswunder) ist der Mecki in aller Munde gewesen und hat die deutschen und österreichischen Wohnzimmer erobert. Der stilbildende Igel für Frisur und Mode, Maskottchen der Zeitschrift „Hörzu“ und ab den 50er engster Vertrauter der Kinder.

Hörzu (1946-2013) war die erste Programmzeitschrift seit 1945. Eduard Rhein, der Chefredakteur suchte den Rechteinhaber um den Igel zu seinem Maskottchen zu machen – konnte ihn aber nicht finden. Zur Namensgebung gibt es zwei Geschichten: Der Igel sollte zu den Seiten von Hörzu ausgiebig meckern, beziehungsweise  der Igel bekam seinen Namen von Redakteur Hans Meckelnburg, der den  Spitznamen Mecki trug. Der erste Auftritt in Zeitschrift: 43/1948 Titelseite und sollte das Radioprogramm kritisch kommentieren.

Diehl bemerkte die Abbildungen und es kam zu einer gerichtliche Auseinandersetzung und letztendlich zu einem Vergleich – Das Resultat: Hörzu: Mecki ausschließlich für Comics und Bilderbücher, Vermerk: Zeichnung der Mecki Figur nach Diehl-Film.

Die Firma Steiff bekam die Lizenz für die Produktion Anfang der 1950er Jahre (1951 Produktion, danach Meckis Frau Micki, Kinder Macki und Mucki) – die Steiff Meckis haben meinen Beitrag bereichert, ebenso wie die Postkarten und Geschichten.

Bücher: 1952-1964 jedes Jahr zu Weihnachten ein Mecki Bilderbuch, Verlag Hammerich & Lesser (Springer Konzern)

Text: Eduard Rhein, Zeichnungen: Reinhold Escher (1. Buch) danach Wilhelm Petersen

Einige der Geschichten sind natürlich heutzutage nicht mehr als politisch korrekt einzustufen mit Titeln wie “Mecki bei den Negerlein” (1957) aber im Kontext der damaligen Zeit als Sammelobjekt als zeithistorisch relevant einzustufen. 

Der österreichische “Gegenmecki” war ein wenig kleiner und wurde in verschiedenen Szenen dargestellt – Bier trinkend, als Fußballer, als Glücksbringer Rauchfangkehrer.

Beides wird heutzutage von tausenden Menschen gesammelt, es gibt Vereine und die/der eine oder andere hat wohl heute feuchte Augen bekommen…

Wir alle freuen uns schon auf mehr Normalzeit, wenn der Prater wieder aufsperren wird und die Meckis in der Meckibahn aufspielen. Der Mecky-Express im Prater singt jedem Gast ein Ständchen. Die Kapelle von 1960 wurde erbaut von Robert Holzdorfer und ist eine kleine Bahn mit Igeln, die an Schaukästen vorbeifährt mit diversen Miniaturbauten (z.B.: Flughafen Schwechat 1963, Heinzelmännchen, Bremer Stadtmusikanten, Indianerüberfall,…   alles mit Igel-Figuren dargestellt).