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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Transistorradios

Montag, 28.03.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Koffer- oder Taschenradio

“Christof Stein sorgt für Stimmung hier im Studio2!” so startete Verena schwungvoll die Sendung – eine wunderbare Art und Weise mein Sendungssegment zu beginnen. 

Prinzipiell geschichtlich interessant ist, dass 1948 die Frequenzen in Kopenhagen neu verteilt wurden – Österreich und Deutschland als Kriegsverlierer bekamen schlechte Frequenz-Bandbreiten. Daraufhin wurde in beiden Ländern das UKW, das neue Ultrakurzwellen Netz, ausgebaut, da ungünstige Frequenzen keine angemessene Versorgung der Rundfunkteilnehmer bedeuteten. Durch den Ausbau des UKW-Sendernetzes gab es störungsfreieren Empfang, verbesserte Dynamik. 

Dann wurde 1952 das Transistorradio auf der Hannover Industriemesse vorgestellt das soviel wie ein Kleinwagen kostete – in Pressspanholz mit Nuß furniert – und das “magische Auge” der Röhrenempfänger wurde beibehalten. Dann gab es kurz darauf die erste deutsche Spezialfabrik für Kofferempfänger – Modell: „Akkord-Peggie“ mit 2 Transistoren (Reduktion) – 1959 kam das ostdeutsche Modell „Sternchen“ auf den Markt.

Der Siegeszug des Transistorradios fand in den 1950ern/60ern statt . Das kommerziell sehr erfolgreiche Kofferradio wurde durch sie langlebige Halbleitertechnik zum Symbol für Unabhängigkeit, für die Freiheit der Nachkriegsgeneration. Es wurde ein hoher Aufwand bei Gehäusedesign und Konstruktion aufgebracht und somit das hohe Qualitätsniveau gewährleistet.

Gut behandelte Exemplare funktionieren heute noch genauso gut wie in den 1960ern und liegen wie analoge Kameras voll im Trend. Die Jugend von heute entdeckt den Scharm des Analogen wieder und wendet sich ein wenig vom Digitalen ab.

Transistorradios brachten großen Fortschritt für die weltweite Kommunikation – durch massenhafte Herstellung, einfache und erschwingliche Stromversorgung. Ein Radio zu besitzen wurde normal und Teil des Alltags! 

Der Leihgeber und Sammler Wolfgang Kremsner ist Vertreter für Industriebackmaschinen in China. Während der Coronakrise hat er es für sich entdeckt Transistorradios herzurichten, um seinen Kopf zu beschäftigen und hat dadurch einen beginnenden Trend mitausgelöst.

Ich hatte eine Selektion von unglaublich spannenden Radios aus seinem Depot mit.

Kassette und Radio Kombi von Grundig war so spannend, weil alle Teile damals von der Firma selbst produziert wurden, heutzutage kaum vorstellbar oder sogar umsetzbar. Max Grundig war ein schräger Vogel und wurde fast “entmündigt”, weil er nichts dem Zufall überlassen wollte.

Ein Kofferradio von Kapsch, Wiener Firma, war auch mit – die Firma gibt es heute noch. 

Es gab eine Vorrichtung in verschiedenen Autos wie dem Horch (heute Audi), dem DKW oder auch in einer höheren Preisklasse dem VW Käfer – wo man dieses Radio einfach reinstecken konnte und somit ein Autoradio hatte. 

Donauland Radio:  wenn man ordentlich Bücher gekauft und somit Punkte gesammelt hat, erst dann durfte man dieses spezielle, wunderschön gearbeitete Gerät kaufen. 

Das nächste Objekt mit Geschichte war der Luxus Boy von Grundig, Max Grundig hat alle seine Geräte benannt.

Das nächste Transistorradio ist mit einer Anekdote verknüpft: ORF Geschäftsführung Gerd Bacher hat Gustav Peichl (der damals die Studios in den Bundesländern designt hat) beauftragt ein eigenes Radio zu entwerfen, dieses gab es in verschiedenen Farben, sowohl im Büro als auch als Geschenk an diejenigen, welche die Rundfunkgebühren gezahlt haben – zumindest lautet so das Gerücht.

Und noch ein interessanter Aspekt: In einer Phase „sozialistischer Selbstjustiz“ ging das Urteil des Kreisgerichts Potsdam vom 15. Januar 1959 als „Kofferradio-Urteil“ in die Geschichte der jungen DDR ein: Ein Mann hatte auf seinem Transistorradio auf der Straße den „Westsender“ RIAS gehört, als ihn ein Passant aufforderte, auf einen DDR-Sender umzuschalten. Weil der Radiobesitzer dem Wunsch nicht nachkam, zerstörte der Passant das Gerät. Das Kreisgericht lehnte die Klage auf Schadensersatz ab, mit der Begründung: „Gemäß § 228 BGB handelt derjenige nicht widerrechtlich, der eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um damit eine durch die fremde Sache hervorgerufene drohende Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden. Nachweislich hat der Kläger das Kofferradio so laut spielen lassen, dass auch andere Passanten den Hetzkommentar des RIAS hören konnten. Er hat sich damit eine Verbreitung von Hetze gegen unseren Staat zuschulden kommen lassen.“

Bei der Wertigkeit sind wir bei 200 – 400 Euro (funktionstüchtig) – da hab ich Verena auch richtig Lust auf ein schönes Vintage Transistorradio gemacht!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Licht

Montag, 21.03.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Historische Lampen

“Es sind schon recht düstere Zeiten momentan, die wir durchleben – da kann ein wenig Licht nicht schaden!” – so lautete Norbert Oberhausers Intro. Ich hatte legendäre Lampen, Objekte mit Geschichte (auch verwoben mit meiner eigenen persönlichen Geschichte) mit.

Fun Fact: Der Fund eines Steins mit flach gewölbter Oberfläche und einer Brandspur (aus Edertal-Buhlen) aus dem Mittelpaläolithikum gilt weltweit als der älteste Fund einer Lampe. Prinzipiell kommt also die Idee der Beleuchtung aus der Steinzeit, aber ich habe die Sendung mit der Erfindung der Glühbirne 1879 begonnen. 1880 machte dann Thomas Alva Edison das Licht mithilfe eines Glühfadens aus japanischem Bambus kommerziell und für jeden zugänglich. Er war jedoch nicht der Einzige, der sich damals mit der Nutzbarkeit von elektrischem Licht auseinandergesetzt hat, er war jedoch derjenige der aufbauend auf den Untersuchungen seiner Vorgänger die Kommerzialisierung seiner Erfindung erfolgreich umsetzen konnte.

Die erste Lampe aus dem Jahr 1962 habe ich auf dem Grazer „Fetzenmarkt“ erstanden. Sie stand dort auf einem Tisch und als ich den Händler gefragt habe was sie kostet, kam die Antwort “200 Schilling”, was wirklich wenig war für dieses Designobjekt. Nach Vertiefung des Gesprächs hat sich dann herausgestellt, dass der Verkäufer noch ungefähr weitere 200 Stück in Wien hatte. Der geringe Preis war der Tatsache geschuldet, dass es sich um einen Produktionsfehler handelte. Die Lampen hätten in Europa unter dem Namen „Panasonic“ und nicht „National“ vertrieben werden sollen.  

Wir haben dann damals von der Stadt Wien eine riesige Plakatwand zur Verfügung gestellt bekommen und einen Kulissenmaler beauftragt den Weltraum auf diese Wand zu malen. Daraufhin haben wir dann die Lampen montiert und zum Sonnenuntergang die Wand damit erleuchtet – wir hatten wirklich viel Spaß mit diesem sogenannten “Produktionsfehler”.

Funktionstüchtig ist sie auf jeden Fall noch, doch sie benötigt eine Neonröhre, die ja jetzt schwer zu bekommen ist (neben der Stromersparnis haben LED-Röhren halt auch viele Vorteile gegenüber der klassischen Neonröhre.)

Bei der zweiten Lampe meinte Norbert, dass er sie aus Filmen über die Wallstreet kenne – und da hatte er Recht! Sie war zumeist in Wallstreet Chefetagen zu sehen und war mit 1909 die älteste Lampe, die ich mithatte. Die Tischlampe “Bankers Lamp”, welche noch immer so qualitativ hochwertig nachgebaut wird wie damals. Der Lampenschirm wird in Handarbeit hergestellt und besteht aus 3-schichtigem mehrfarbigem Überfang-Glas. Außen eine Schicht aus smaragdgrünem Glas, in der Mitte aus klarem Glas und innen eine Schicht aus weißem Glas. Durch diesen Herstellungsprozess ist die Farbgebung jeder Tischlampe leicht unterschiedlich, sodass jede Leuchte ein echtes Unikat ist. Diese Lampe im Art Deco Stil – wie das Chrysler Building – einfach eine richtig amerikanische Bürolampe!

Die dritte Lampe hat Norbert am besten gefallen. Diese wurde von Wilhelm Wagenfeld, einem Bauhausschüler, entworfen und ist die berühmteste Tisch- und Kommodenlampe, die auch in jedem Designmuseum vorkommt und als absoluter Klassiker gilt. Im Original bei einer Auktion aus der Zeit (die Lampe wird ja heute noch hergestellt) kann sie schon ein Ergebnis zwischen 10.000 und 12.000 Euro bringen.

Das nächste Objekt mit Geschichte war ein Sistra Leuchter, 1933 entworfen, mit flaschengrünem Schirm. Diese Lampe bedeutet mir besonders viel, weil sie mal Kiki Kogelnik, Österreichs einzigem Pop Art Export, gehörte und auf ihrem Schreibtisch stand. Ich war damals bei der Auflösung ihrer Wiener Wohnung in der Wollzeile dabei und habe mir diese Lampe als Souvenir behalten, weil ich ein totaler Kogelnik Fan bin.

Die nächste Lampe, die ich vorstellte, wäre allen Kinofans bekannt, die das Pixar Logo kennen, meinte Norbert.

1932 patentierte George Carwardine, ein Automobilingenieur, der mit Aufhängungen arbeitete, eine neue Art von Schraubenfeder. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Federn konnte sich diese ohne Beschädigung ausdehnen, zusammenziehen und in einer festen Position bleiben. Inspiriert von der menschlichen Armbeuge und dem Mechanismus, der hinter Anspannen, Entspannen steht. Für Architekten war die Lampe ein absolutes Muss, aber auch in Werkstätten, eben für alle die Feinarbeiten leisten.

Von 1931-1934 produzierte Carwardine die Lampe zunächst selbst in Bath, mit dem Namen Cardine Accessories Ltd, Diese gilt als die seltenste aller Anglepoises (so lautet der Name der Lampe). Später lizenzierte er das Design an Herbert Terry & Sons, einen Hersteller mit Sitz in Redditch, der perfekt für die Herstellung der Lampe geeignet war, da er bereits Federn an Carwardines Fabrik lieferte. Das Design wurde leicht angepasst und verbessert und in 1208 umbenannt.

Alles was später an Büro- und Arbeitsleuchten kam, war inspiriert von diesem Modell. Schön zu sehen auch die Patentnummer und Erzeugung auf der Lampe: “Made in England by Herbert Terry & Sons LTD Redditch”. Die Lampe war der Zeitgenossen von illustren Entwürfen wie der „Bestlite“ von Robert Dudley Best oder der Naska Loris“-Leuchte von Fontana Arte oder des Klassikers „Luxo L-1“ des norwegischen Designers Jac Jacobsen (diese ist die wirkliche Inspiration für die Pixar Logo Lampe).

Last but not least, die größte Lampe zum Schluss. Norbert meinte sie sähe wie eine klassische, aber überdimensionale Glühbirne aus. Dieses Objekt mit Geschichte war einer der Prototypen von Ingo Maurers Lampe BULB (die Lampe wird heute noch erzeugt), die 1966 in Wien präsentiert wurde. Mein Vater hat damals den Schauraum für ihn entworfen und als persönliches Geschenk hat er dann einen der Prototypen bekommen. Heute sind diese um die Hälfte leichter – damals wurde nämlich Opalinglas und Messing vernickelt verwendet. Um die 4000-5000 Euro würde dieses bestimmte Stück bei einer Auktion bringen, allerdings würde ich meine nie verkaufen, schon allein aus nostalgischen Gründen nicht. 

Norbert fragte noch am Ende, welche Lampe nun die wertvollste wäre – Carwardines Prototyp in schwarz steht im Londoner Designmuseum und ist wie die Mona Lisa einfach nicht bewertbar, so unermesslich wertvoll ist sie.

Zum Abschluss hat Verena beim Übergang zum nächsten Sendungsbeitrag noch kokett gemeint, dass es nun um den “gutaussehende, charmante, höfliche, knallharte, konsequent und immer siegreich über das Böse” nicht Norbert, sondern Christof Stein gehen würde, aber nein es handelte sich dann doch um James Bond, den bekanntesten Geheimagenten … 😉

VORHANG ZU – LICHT AUS!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Puppentheater 

Montag, 28.02.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Kasperl & Co.

Als ich mich mit dem aktuellen Sendungsthema “Puppenfiguren und Kasperl”  beschäftigt hatte, stand der Faschingsmontag und Faschingsdienstag im Fokus.

Aufgrund der aktuellen Lage ist wohl jede Form von Fröhlichkeit unangebracht (außer für Kinder natürlich!) und daher wendete ich mich dann in der Sendung einem Teilsegment zu, welches sehr selten beleuchtet wird.

In vielen Kriegen hatte das Puppenspiel eine ganz wichtige Funktion: Propaganda und Motivation der Soldaten/des Volkes. Das Puppenspiel war seit seinen Anfängen in der Antike eigentlich immer für ein erwachsenes Publikum gedacht. Dies änderte sich mit der Zeit, wie wir wissen, aber dazu erst später.

Bevor wir uns jedoch der brandaktuellen Thematik Krieg und dessen Verbindung mit dem Puppentheater widmen, möchte ich vorab noch einen kurzen historischen Abriss darstellen:

Eine Ersterwähnung des Handpuppenspiels gab es in Frankreich im Jahr 1211. 1340 gab es die erste Notiz über eine Bezahlung eines Handpuppenspielers. Durch fahrende Spielleute fand diese Art von Theater seine Verbreitung. In der Renaissance stand mechanisches Theater im Fokus so wie die Animation von Figuren in Kästen beziehungsweise Vitrinen, ab 1510 wurden hauptsächlich religiöse Stoffe gespielt wie die Passion Christi oder die biblische Weihnachtsgeschichte. Ab 1666 gibt Pietro Agismondi (heutiges Italien) Vorstellungen in Deutschland. 1708 gibt es in Wien den Marionettenprinzipal Joseph Anton Stranitzky, der dem Publikum den Charakter “Hans Wurst” vorstellte, aus dem sich später dann der Kasperl entwickelte. Später kam dann der Versuch das Theater ortsansässig zu machen und keine Wandertheater mehr zu unterstützen. Zu dieser Zeit gilt das Puppenspiel als das „Theater der unteren Volksklassen“. In der Romantik schreiben namhafte Autoren Stücke für das Puppentheater, wodurch es eine gesellschaftliche Aufwertung erfährt. Das Schattenspiel findet ab 1780 seinen Weg über Italien nach Deutschland und Puppenspiele avancieren zum Entertainment der Oberschicht, mit der Ausnahme des Automatentheater.

Dann folgt jedoch im 19. Jahrhundert eine Zensur der professionellen Marionettenbühnen: Improvisation wird unter Strafe gestellt, das Repertoire wird reduziert, es soll keine anstößigen Stellen mehr geben, das Marionettenspiel verliert politisch-oppositionellen kritischen Charakter. Aber gottseidank gibt es zumindest eine Existenzsicherung durch lebenslang erteilte Lizenzen.

Nun noch zur Hauptfigur Kasper: Entwickelt vom neapoletanischen Pulcinella, deshalb auch die übergroße Nase. Der Kasperl trägt üblicherweise eine rote Zipfelmütze, ein Harlekin Kleid und hatte immer ein Züchtigungsinstrument – eine Klatsche – bei sich. In vielen Ländern gab oder gibt es vergleichbare Figuren:Mr. Punch (England), Guignol (Frankreich), Jan Klaassen (Niederlande),Mester Jakel (Dänemark), Fasulis (Griechenland) und Petruschka (Russland – mit Pfeife) u.v.a.

Zurück zu meinem Studio2 Sendungsbeitrag: Ich hatte auch verschiedene Puppen aus dem asiatischen Raum mit. Martin merkte an, dass diese schon auf den ersten Blick teuer aussehen. Um 1920, Holz geschnitzt, Charakterköpfe, bei einer Wertigkeit um 2000 Euro, ich hatte auch Puppen aus Burma und dem Balinesisch-Indonesischem Bereich mit, so wie Puppen aus dem Schattenspielsegment. 

Kurze Bemerkung am Rande: Marionette heißt übrigens der kleine Mensch. Einfach großartig, oder?

Die beiden Puppen Spejbl und Hurvínek (aus Tschechien) die philosophisch das Leben erklären, habe ich mir, wie auch die anderen Puppen, vom HE-LO Theater und Puppenmuseum ausgeborgt, die über Generationen das Publikum in Korneuburg begeistert haben und nun nach jemandem suchen, der das Museum betreiben möchte. Kern der meisten Spejbl und Hurvínek Stücke sind die Dialoge zwischen dem Vater Spejbl, der oft von sich und seinem Wissen sehr überzeugt ist, und Sohn Hurvínek, der das Können des Vaters infrage stellt.. Die Stücke sind eine Mischung aus groteskem Humor und Alltagssatire. Spejbl und Hurvínek wurden vom Prager Marionettentheater Spejbl und Hurvínek weltweit in 31 Ländern und insgesamt 21 Sprachen aufgeführt.

Nun zurück zum ursprünglichen Link zwischen Krieg und dem Puppentheater, aus dem leider sehr traurigen Anlass:

Öffentlich wichtig für Kriegspropaganda: bereits um 1900 traten im deutsch-österreichischen Raum immer mehr franzosenfeindliche Kasperltheaterstücke auf, welche ihren geschichtspolitischen Ursprung in den politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, vor allem um das Elsass-Gebiet im 19. Jahrhundert hatten. 

Sowohl im ersten als auch im zweiten Weltkrieg waren an der Front Puppenbühnen und Puppenspieler Teil des Geschehens. Die Nationalsozialisten haben die jüdischen Puppentheater geschlossen und somit eine weitere Zensur geschaffen. Das nationales Puppentheater hingegen wird sehr gefördert, um die NS-Propaganda auch im Puppenspiel zu verbreiten, zum Einsatz kam dies auch an der Front.

Kinder werden erst Mitte des 19. Jahrhunderts auch als Publikum entdeckt, bis dahin waren immer nur Erwachsene das Zielpublikum. Das Puppenspiel war Teil der pädagogischen Vermittlung und Inhalte. Kasper lebt in einer Welt in der gute Taten belohnt werden und schlechte leicht bestraft werden. Das künstlerisches Handpuppenspiel bekommt neue Plattformen: Radio, Schulen, Kindergärten, Verbände, sozialpädagogische Einrichtungen, Film. Kasperl & Pezi  wird im ORF seit 1957 regelmäßig ausgestrahlt und ist somit die älteste Fernseh-Kasperl-Puppenbühne.

Die Puppen, die unter die Kategorie “gut” fallen sind Petzi, Großmutter und Gretel und “böse” sind wohl die Hexe, der Räuber und das Krokodil. Diese beiden Kategorien werden einander immer gegenübergestellt – Kasperl hat in Wirklichkeit von beiden Kategorien etwas, wie eben ein ganz normaler Durchschnittsmensch. 

Abschließend ist zu sagen: Sammler:innen von Bühnenpuppen gibt es auf der ganzen Welt. In Österreich zählt André Heller zu den größten Fans des Puppenspiels und ist Besitzer der Urania Puppenbühne.

Ich hatte natürlich auch eine Krokodilhandpuppe (das Krokodil als Ersatzdrache) mit. Wer im aktuellen Konflikt für das Krokodil steht, liegt wohl auf der „Hand“ und kann sich jede/r selbst beantworten…

Vielen Dank an die Leihgeber Hermann Gottfried und Lorli Kaufmann vom HE-LO Puppentheater Museum in Korneuburg!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Fotoapparate 

Montag, 21.02.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Hasselblad & Co.

Die Tage werden länger, das Licht wieder klarer, die beste Zeit um dies mit dem Fotoapparat festzuhalten.

Analog ist wieder im Kommen, da gigantomanische Dateien in der Digitalfotografie nicht die Lösung sind den Moment für die entferntere Zukunft festzuhalten.

Dieses Thema hab ich heute mit Norbert Oberhauser “belichet”, ähm beleuchtet 😉

Eine kleine kurze aber feine Geschichte der Fotografie als Intro. Wenn man es genau nimmt beginnt die Geschichte der Fotografie mit der Laterna magica (lateinisch für „Zauberlaterne“) – einem Projektionsgerät, das vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein in ganz Europa verbreitet war und sich im 19. Jahrhundert durch die industrielle Revolution in ein Massenmedium entwickelte. Die Laterna magica ist eine Projektionsvorrichtung, die nach dem umgekehrten optischen Prinzip der Camera obscura funktioniert: Es handelt sich um einen Kasten mit einer Öffnung, in dem sich eine Lichtquelle befindet – im 17. Jahrhundert zunächst eine schlichte Kerze, später eine elektrische Bogenlampe. Goethes tragbare Camera obscura, um 1800 wurde die Camera Obscura Dunkelkammer vermutlich von Battista della Porta erfunden – war Menschen aber theoretisch seit Jahrhunderten schon bekannt. Die Chinesen schrieben bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. über dieses Prinzip (auch wenn dann die Fotografie erst in den 1850er Jahren durch europäische Fotografen Verbreitung in China fand)  und wurde sogar von Leonardo da Vinci beschrieben und das im 15. Jahrhundert. In der Mitte des 17. Jahrhunderts war Camera Obscura ein Raum in einem Haus, dann um 1650 kleinere Ausführungen, die sich als Schachtel tragen ließen. Von der Nassplattenfotografie über Trockene Platten zur Gründung der Firma Kodak 1880 wo Eastman flexiblen Rollfilm entwickelte, der keinen Wechsel der massiven Platten erforderte. Der Anwender machte Fotos und schickte die Kamera anschließend beim Hersteller ein, wo der Film entwickelt wurde. Dies war die erste Kamera, die für den Durchschnittsbürger erschwinglich war.

1930 begannen Henri-Cartier Bresson und andere Fotografen, mit kleinen 35mm-Kameras Bilder aus dem „echten Leben“ zu „schießen“ dadurch gab es im Zweite Weltkrieg eine bebilderte Berichterstattung.

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren wurden Kompaktkameras entwickelt. Das digitale Zeitalter begann in den 1980er und 1990er Jahren als zahlreiche Hersteller an Kameras arbeiteten, die Bilder elektronisch speicherten. 1991 hat Kodak dann die erste Digitalkamera entwickelt. In den frühen 2000ern hat es die erste Kamera in ein Handy geschafft. Die Qualität war damals noch eher zu bemängeln, da viel zu pixelig. In nur rund 15 Jahren ist diese schwache Bildqualität zu einer beinahe vollwertigen Kamera in einigen Smartphones geworden. Trotzdem zeichnet sich gerade wieder der Trend Rückkehr zum Analogen ab, aber dazu später mehr.

Nun zu den Kameras, den Objekten mit Geschichte und Objekte der Begierde für Sammler:innen und die ich mit in der Sendung hatte:

Die erste Kamera, die Susse Frère Daguerrréotype (Kupferplatte wurde mit Silber beschichtet und Joddampf ausgesetzt, dann mind. 15 min Lichteinwirkung), die ich vorstellte, war die erste österreichische Kamera (!) und aus 1839/40 basierend auf einem Entwurf der französischen Brüdern Susse Frère ( die Kamera entspricht Daguerres Entwurf von 1839, nur in halber Größe ). Das war zur Metternich Zeit als der Kanzler eine Delegation nach Frankreich geschickt hatte. Das Objekt ist eine Schiebekastenkamera (Camera Obscura) mit einem Objektiv von Prokesch. Sie ist die einzig bekannte Kamera, die erst kürzlich entdeckt wurde und auch ein Beweis dafür, wie früh in Österreich Kameras gebaut wurden. Gerade deshalb hat diese Kamera eine Wertigkeit von unglaublichen 100.000 Euro.

Norbert hat aber den Sendungsbeitrag eigentlich gleich begonnen, indem er ein Foto von mir schießen wollte – mit der legendären Kamera Leica M3 mit 90 mm Objektiv für Porträts (Objekt Numero 2 im Sendungsverlauf) des österreichischen Fotografen Franz Hubmann (der sogenannte österreichische Cartier-Bresson). 1954 gründete er mit Karl Pawek gemeinsam magnum – die Zeitschrift für das moderne Leben. Hubmanns Fotoserien, wie zum Beispiel über das Café Hawelka, waren sein Durchbruch als Fotograf. 

Das dritte Objekt mit Geschichte war dann ein Leica Fake aus Russland, mit einer Wertigkeit unter Sammler:innen von “nur” 300 Euro.

Die wunderbare Goldmann Kamera war eine österreichische Portraitkamera im Fotostudio, wie man sich das so klassisch vorstellt die mehrköpfige Familie die minutenlang still halten muss für ein gutes Ergebnis. Um 1910 für Negative 24x24cm, die dann im Kontaktverfahren belichtet wurden, mit einem besonderen Meyer Atelier-Schnellarbeiter 400mm Objektiv, der Objektivdeckel war gleichzeitig der Verschluss. Diese Kamera hat eine Wertigkeit von 6000 Euro.

Das Bond-like Objekt mit Geschichte, die Tessina Geheimkamera um 1960, die Norbert fast kurz als Armbanduhr bezeichnete war eine Spionagekamera, die auch von der ostdeutschen Stasi verwendet wurde. Wie unzählige andere Kameras, die für Geheimdienste entwickelt wurden. In der Schweiz gebaut wurde die Kamera weltweit verkauft. 1971 kam dieses Modell dann auch zum Einsatz in der Watergate Affäre und erlangte somit weltweite Berühmtheit. Die Wertigkeit liegt bei 800 Euro.

Die erste Spiegelreflexkamera von Hasselblad 1600F c.1952 (da musste mir der Kameramann aus dem Off helfen, weil ich kurz durch einen momentanen Aussetzer Unterstützung brauchte, der natürlich gleich wusste was mir auf der Zunge lag, da er stolzer Besitzer dieses Modells ist) 6 x 6 für wunderschöne Portraits und Landschaftsaufnahmen. Aus diesen Kameras wurden später die berühmten NASA Kameras entwickelt, die für die ersten spektakulären Aufnahmen der Apollo Mondmissionen verwendet wurden. Die frühen Kameras sind auch begehrte Sammlerobjekte.

Die historische “Drohne”, die Taube mit Kamera basierend auf der zeitgeschichtlichen Begebenheit, nämlich jener, dass um 1915 (während dem ersten Weltkrieg) Tauben mit Julius Neubronners Spezialkamera (er war Münchner Apotheker) bestückt wurden, um Panoramaaufnahmen der feindlichen Linien zu machen. Er entwickelte eben diesen kleinen Fotoapparat mit einem automatischen Selbstauslöser, der Tauben umgehängt werden konnte. Die Brieftauben der Apotheke Neubronners kannten die leichten Mäppchen für die Rezepte bereits und mussten nur noch an das größere Gewicht von 53 Gramm der Kamera gewöhnt werden. Ein absolutes Highlight im Westlicht, wie auch die erste österreichische Kamera (obwohl einfach alle Schaustücke des Westlichts spannend sind). Da diese Tauben, wie man sich vorstellen kann, oft abgeschossen wurden, ergibt sich dadurch eine absolute Seltenheit und auch ein Wert von 40.000 Euro.

Abschließend sei gesagt (wie auch vorher erwähnt): Der Trend ist nun aber, dass die Jugend wieder analog fotografiert. Die Antizipation, das Warten auf das Entwickeln der Fotos ist wieder spannend geworden. Meine Sohn ist 20 und er und seine Freunde machen das derzeit mit voller Passion, und das ist einfach eine schöne Geschichte.

Bitte auch nachstehend das wunderbare Foto von unserer Kurzzeit-Kanzlerin Bierlein beachten, geschossen von keinem Geringeren als Peter Coeln (Westlicht – Schauplatz für Fotografie), dem Leihgeber für die heutige Sendung.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Möbel und Objekte mit Geschichte – Industrieeinrichtung

Montag, 14.02.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Industriemöbel

Von der historischen Fabrikhalle ins eigene Heim…

Heute habe ich im Studio2 einen unglaublichen Trend, der aus Chicago, Detroit, New York City zu uns rüber schwappt, vorgestellt— schon lang in London und vor allem Südfrankreich etabliert, wo es natürlich seit geraumer Zeit schon zig coole Vintage Industriedesign Geschäfte gibt. INDUSTRIEEINRICHTUNG – Möbel und Objekte mit spannender Geschichte…

Durch die Dampfmaschine gab es Fabriken und dadurch Industriemöbel – Möbel und Objekte mit Geschichte aus renommierten alten Fabriken habe ich heute in der Sendung präsentiert.

1764 erhielt James Watt als Universitätsmechaniker den Auftrag, das Modell einer Dampfmaschine nach der Bauart von Thomas Newcomen zu reparieren. Er verbesserte den Wirkungsgrades der Dampfmaschine durch Verlagerung des Kondensationsprozesses aus dem Zylinder in einen separaten Kondensator und gilt heute quasi als Erfinder der Dampfmaschine. So oder so, er hat den Weg für das Industriedesign geebnet.

Der lackierte Werkzeugkasten aus der Jolly Buntstifte Fabrik der Familie Urban war das erste Objekt, das ich vorgestellt hatte – ein ehemaliger Werkzeugkasten umfunktioniert zu einem wunderschönen Küchenblock, der auch einfach individuell ist. Man braucht zwei Menschen, um diesen überhaupt heben zu können. Heute mit Arbeitsplatte aus Eiche versehen, auf welcher man beispielsweise ein Baguette schneiden kann und unten drunter dann das Geschirr verstauen kann. Ein Werkzeugkasten als stylischer Einrichtungsgegenstand für kreative Kunstschaffende. Norbert Oberhauser war ganz von den Socken.

Und nun ist es traurige Tatsache, dass selbst große Möbelhäuser auf den Trend aufspringen und Industriemöbel billig, im nostalgischen Stil nachgebaut, verkaufen, die nie eine alte Fabrik von innen gesehen haben, geschweige denn mit der Qualität des Originals auch nur im Ansatz mithalten können.

Das nächste Objekt war auch aus der Jolly Fabrik, und ist auf Schienen gefahren und wurde wahrscheinlich dafür verwendet schwere Dinge zu transportieren. Heute kommt es als Bücherregal zum Einsatz. Durchaus gewollt in dem shabby chic rostigen Stil – einfach Mut zum Original. Am besten ist es den Ist Zustand zu restaurieren um das “Urige” zu erhalten. Bei der Wertigkeit liegen wir bei 400 bis 600 Euro.

Ein ganz spezielles Stück war das französische Akkord Wagerl. Ich hab damals 60 Stück davon in Südfrankreich erstanden. Rechts angebracht war ein kleines Täfelchen, wo der Arbeiter mit Kreide seinen Namen vermerken konnte. Er musste das Wagerl dann mit einer Tagesproduktion an Schuhen füllen. Konnte er mehr produzieren, gab es ein wenig Geld extra, wurde er nicht rechtzeitig fertig, wurde es wohl eine Nachtschicht. Ich habe selbst eines dieser Wagerl als Schuhregal bei mir in der Wohnung stehen. Um die 35 Paar Schuhe gehen sich bei mir aus.

Sonst natürlich auch in anderer Funktion als wunderbarer Raumtrenner oder als ein herrliches Regal für die Stereoanlage und Bücher, oder in der Küche für Obst und Gemüse als Präsentationsfläche. 

Das dritte Möbelstück war ein Sessel, Rückenlehne aus Bakelit, mit einem Sattelsitz –  da kann man sich so darauf setzen, dass man keinen Bandscheibenvorfall bekommt. 

Das nächste Stück war eine Werkleuchte von Peter Behrens (Wertigkeit 800 bis 1000 Euro, wenn in gutem Zustand), der als erster Corporate Identity für AEG gemacht hat.

Ein kleiner Exkurs: Peter Behrens (* 14. April 1868 in Hamburg; † 27. Februar 1940 in Berlin) war ein deutscher Architekt, Maler, Designer und Typograf, der als Pionier des modernen Industriedesigns gilt. Würde er sehen was heutzutage an Fake Industriedesign Möbeln und Objekte ihr Unwesen treiben, er würde es kaum aushalten….Behrens war ursprünglich Künstler, wurde dann als Architekt vor dem Ersten Weltkrieg zum Vorreiter der sachlichen Architektur und des Industriedesigns. Er ist insbesondere bekannt als Mitbegründer des Deutschen Werkbundes und durch seine umfassende gestalterische Tätigkeit für die AEG vor dem Ersten Weltkrieg. 

AEG ist heute eine Marke für Elektrogeräte des Unternehmens Electrolux. Sie geht zurück auf den 1996 aufgelösten Elektronik-Konzern AEG., Das 1883 in Berlingegründete und im Jahr 1888 in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft umfirmierte Unternehmen stellte neben Produkten für die elektrische Energietechnik und den Haushaltsbedarf sogar beispielsweise Straßenbahnen her.

Aber nun zurück von diesem kleinen Exkurs zu unseren Objekten der Begierde und dem letzten in der Sendung vorgestellten Objekt mit Geschichte:

Der Haltegriff aus einer Linzer Straßenbahn kann heute als Garderobe oder als Handlauf in einem Treppenhaus eingesetzt werden. Man kann aus diesen alten und schönen Industrieobjekten etwas Neues entstehen lassen, ihnen eine neue Funktion geben. 

Apropos Linz, Tabakfabrik Linz: Die von Designer Peter Behrens entworfene denkmalgeschützte Industrieanlage war der erste Stahlskelettbau Österreichs im Stil der Neuen Sachlichkeit. Sie ist architekturgeschichtlich von internationaler Bedeutung und derzeit ist dort das Kommissariat von Julia Stembergers Soko Linz zu finden.

Was für Geschichten Möbel erzählen können…man muss nur genau hinsehen und auch gut zuhören. Was für ein Genuss!

1000 Dank & Mille Baci an die Leihgeberin Nicoletta Monaco von WOHN.ART.WiEN.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Objekte mit Geschichte – Taschenrechner

Montag, 07.02.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Historische Taschenrechner

Für die Matura ist Mathe immer ein großes Thema, egal ob mündlich oder nicht, und ohne Rechner geht es nicht. Auch wenn uns damals in der Schule immer erzählt wurde, dass wir das alles auch so können müssen, da wir im späteren Leben die Rechner doch nie bei uns tragen würden. Was für eine infame Lüge! Heutzutage haben wir alle Rechner auf unseren Smartphones.

Kurz vor Beginn der Maturaprüfungen wollte ich nun in meinem Sendungsbeitrag auf Studio2 als Experte für Altes und Schönes mich dem technischen Beginn, ja der Revolution, die der Taschenrechner ausgelöst hat, widmen.

Beleuchtet habe ich technische, patentierte aber auch „missing links“ der neuen Ära, die auch wieder Sammler:innen auf den Plan rufen und auch Designer:innen inspiriert haben.

Wieder gilt: je seltener desto gesuchter!

Und ein Kuriosum des historischen Gender Marketings: wer wusste denn, dass es Taschenrechner getrennt sowohl für Männer als auch für Frauen gab und noch seltener für die Hausfrau, die sich beim Einkaufen anhand des Handbuchs gleich das Gewicht der Portionen ausrechnen konnte?

Ob heutzutage ein Rechner speziell für die Hausfrau entwickelt ein NO GO wäre? Wahrscheinlich… Gender Marketing Produkte wie Rechner für den „Sir“, in elegantem Schwarz und für die „Lady“ in einer Gold und Rot Kombination wären aber sicher auch heute noch vermarktbar. Hat aber natürlich alles eine Geschichte, Objekte mit Geschichte sozusagen…

Heute war mein Verbal Sparring Partner Martin Ferdiny und dieser meinte gleich zu Beginn der Sendung, dass das Leben an sich ja unberechenbar wäre, allerdings versuche der Homo Sapiens trotzdem es in all seinen Facetten zu berechnen. 

Aber nun widmen wir uns ganz seriös der Geschichte der Rechner, beziehungsweise Taschenrechner, ein kurzer Abriss:

Bereits vor der Einführung der elektronischen Taschenrechner gab es einen Bedarf nach tragbaren Rechenhilfen, den sogenannten Vier-Spezies-Maschinen – also Rechenmaschinen, die Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division beherrschten.

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts verbreitete sich die mechanische Rechenmaschine in Europa. Wie in der Sendung heute auch erwähnt, gab es die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1623 in einem Brief von Wilhelm Schickard an Johannes Kepler. 

Nachdem ab 1830 die Gesetzmäßigkeiten der Elektrizität bekannt waren und ihre breite Anwendung begann, kamen elektromechanische Rechenmaschinen auf. Bei diesen wurden die Kurbeln und Hebel durch einen Elektromotor ersetzt, was mit einer deutlichen Zeitersparnis bei der Bedienung einherging.

Vorläufer elektronischen Taschenrechner war der elektronische Tischrechner.

Die niederländische Firma Philips in Eindhoven entwickelte & baute Anfang der 1960er Jahre drei elektronische Tischrechner, die allerdings nie in Serie gingen. 1962 kam mit der ANITA von Norman Kitz die erste elektronische Tischrechenmaschine auf den Markt. Sie beherrschte die vier Grundrechenarten und kostete so viel wie ein VW Käfer. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen….

Der erste elektronische, handflächengroße Taschenrechner wurde 1967 von Texas Instruments auf den Markt gebracht.  Ein 1,5 kg schwerer Prototyp dieses ersten Taschenrechners ist heute im Smithsonian Institution ausgestellt – schon mit Batterien! Grandios, denn frühere Rechner benötigten noch einen Stromanschluss.

Ein Highlight in der Sendung: Der 1972 entwickelte HP-35 von Hewlett-Packard: nicht nur war es der erste technisch-wissenschaftliche Taschenrechner mit trigonometrischen, logarithmischen und Exponentialrechnungs-Funktionen und läutete somit das Ende der damals noch weit verbreiteten Rechenschieber ein, sondern der Entwickler war kein Geringerer als  Steve Wozniak, Mitbegründer von Apple. Er war einer der Computer-Ingenieure, der die Entwicklung des Personal Computer maßgeblich beeinflusste. Geschichte kann so greifbar sein. Objekte mit Geschichte veranschaulichen die Errungenschaften der Menschheit und sind wegweisend für die Zukunft, wenn man sich nur genau genug damit beschäftigt. 

Folgende historische Taschenrechner hatte ich mit:

Der Sharp EL-808  aus 1973 war einer der ersten mit LC-Display und konnte acht Stellen anzeigen. Er hatte einen inverse LC Display, das nur dann gut ablesbar ist, wenn das Licht im richtigen Winkel eintrifft. Eine wahre Schönheit und um die 100 Euro wert.

Der Olympia CD 80 auch aus 1973.  Space Age Design aus Japan vom Feinsten! 

Der Canon Pocketronic aus 1970 hatte einen Thermodrucker. Leider war er schon für damalige Verhältnisse sehr schwer. Dieses Stück hat musealen Charakter und das teuerste Stück (Wertigkeit liegt bei circa 100o Euro), das ich in der Sendung mithatte!

Der Sovereign von Sinclair, made in Britain, ist aus 1976 und einfach ein wahres Designerstück, sieht fast wie eine Fernbedienung von Bang & Olufsen aus und ist einhändig zu bedienen.mit einer Wertigkeit von 150 Euro.

Den berühmten HP 35 hatte ich schon oben ausgiebig beschrieben.

Aber noch eine ganz wichtige Geschichte, die ich auch in der Sendung erwähnen konnte: Dieses Taschenrechnermodell war 1973 an Bord von Skylab. Skylab war die erste und einzige nur US-amerikanische Weltraumstation.

Der Calcu-pen, der Martin und mich und sicher auch viele Zuschauer:innen an James Bond erinnerte, war aus 1975-1977 und hätte definitv auf einer Bond Mission dabei sein können, da auch voll funktionstüchtig mit einem Wert von 150 Euro.  Q hätte ihn ähnlich liebevoll vorgestellt wie ich.

 Die beiden eingangs erwähnten Gender Marketing Rechner “Lady” und “Sir” von Triumph-Adler sind aus 1975 und um die 20 Euro wert je. Der Verkaufserfolg und damit die Auflage war gigantisch.

Die Haushaltshilfe oder auch Texas Instruments TI-1260 genannte Taschenrechner, limitiert auf 20.000 Stück und circa 250 Euro wert, würde heute wohl Feminist:innen auf den Plan rufen. Denn auch der Mann von heute kann Hilfe beim Einkaufen benötigen 😉 Spaß beiseite, heute haben wir alle Rechner und Internet auf unseren Smartphones und benötigen solche Hilfeleistungen nicht mehr. 

Der stylishe Braun 4 955 700, ein Design von Dieter Rams und Dietrich Lubs aus 1976 zeigt sich in einem wunderbar designten Hartschalen Etui und käme auf 50 Euro.

Und zu guter Letzt machte der Santron Biolator aus den 1970ern einen Auftritt in der Studio2 Sendung. Dieser hätte wohl Auskünfte über den Biorhythmus und das Wohlbefinden des bedienenden Menschen geben sollen. Angeblich ging er weg “wie die warmen Semmel”. Heute ist leider nur die Taschenrechnerfunktion erhalten.

An dieser Stelle vielen Dank an den Leihgeber Erwin Macho, Dorotheum Experte für historische Unterhaltungstechnik.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Möbel und Objekte mit Geschichte – Garderoben

Montag, 31.1.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Garderoben

Wenn man wo hereinspaziert findet man meist eine Garderobe, sei es ein Lokal, eine Kulturinstitution oder der Vorraum einer Wohnung. Dies gewährt einen ersten Eindruck was man vorfinden wird. 

“Ist sich gerade noch ausgegangen!” – mit diesen Worten habe ich meinen Mantel auf dem Wiener Konzerthaus Garderobenständer aufgehängt und Birgit Fenderl begrüsst.

Die Garderobenständer wurden, als das Haus renoviert werden musste, nicht alle wieder verbaut und kamen somit auf den Vintage Design Markt (oder auch Altwarenmarkt). Entworfen wurde diese spezielle Garderobe von Helmer & Fellerer, dem genialen Opern- und Theaterarchitektenbüro.

Screenshot meiner Pünktlichkeit dank NORMALZEIT!

Ein weiteres Prachtstück, oder Möbel mit Geschichte, war der Garderobenständer aus der Wiener Stadthalle von dem legendären österreichischen Architekten Roland Rainer. Damals 2002 wurde mir auf einem Fest zugetragen, dass diese wunderbaren Zeitzeugen und Kulturstücke zwei Tage später verschrottet werden sollten – und dies zum Kilopreis des Eisenhändlers. Die Rainer Garderobenständer aus 1956 aus der Wiener Stadthalle – ich dachte mir damals nur: “Das kann doch nicht sein, das kann man doch nicht einfach machen!”

An besagtem Tag hatten wir zwei Stunden Zeit und schafften es sechzig Stück zu retten, der Rest wurde zu meinem Leidwesen vor meinen Augen eingestampft. Vier LKWs haben wir jedoch vollgeräumt und abtransportiert. 

Wenn man sich überlegt, dass ein Rainer Garderobenständer ein paar Monate später 4500 Pfund bei Sotheby’s in London eingebracht hat, dann kann man es kaum fassen.

Die internationale Presse war damals schockiert und hat sich gefragt “Was macht Österreich mit seinen Kulturgütern nach dem Jugendstil!”. Das muss man sich vorstellen –  eine Nation, die Jugendstil und Biedermeier erfunden hat, geht so mit ihrem kulturellen Erbe um. 

Aber was bedeutet nun die Bezeichnung “Garderobe” überhaupt? Der Begriff kommt aus dem Französischen, wobei garder bewachen auf Deutsch übersetzt heißt und robe Kleidung, ergo bewachte Kleidung. 

Was uns zu den Damen bringt, die jene Kleidung bewacht haben. Schon Ephraim Kishon, der berühmte israelische Satiriker ungarischer Herkunft hat über die Wiener Garderobieren oder “Garderobenhexen” geschrieben, die auf den nichtsahnenden Besucher losstürmten um den Mantel zu entreißen.

Als nächstes Objekt mit Geschichte präsentierte ich einen noch unrestaurierten Kleiderständer aus den Steinhofgründen um 1910 von Josef Hoffmann (nicht verpassen, im MAK gibt es gerade eine sehr interessante Übersichtsausstellung zu besichtigen). Wenn dieser dann auf shabby chic hergerichtet ist, wird er um die 4000 Euro wert sein. 

Ich versuche immer mein Umfeld zu motivieren rechtzeitig Bescheid zu geben, wenn es um die potenzielle Rettung österreichischer Kulturgüter geht, einfach um eine gewisse Wertschätzung und “Awareness” für diese Stücke wiederzubeleben. In dem Fall war es eine Projektleiterin, die mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass etwas Neues dort entsteht – die Gesiba und die Soros Universität sollen dort einziehen – und hat mich dazu animiert diese Kleiderständer vor einem unrühmlichen Schicksal zu bewahren.

Das nächste Objekt war ein gutes altes Kaffeehausstück von Thonet, ein Eckkleiderständer, kein Wandkleiderständer – der dort Verwendung findet, wo wenig Platz ist, in einem kleinen Kaffeehaus. Birgit hat mich dann gefragt, wie man eigentlich ein echtes Stück erkennt. In dem Fall erkennt man ein echtes Stück am Bugholz, also nicht schichtverleimt, an der Linsenkopfschraube (und eben keine Kreuzschlitzschraube). Man merkt es, wenn man mit den Händen drüber fährt – und natürlich gibt die Etikette „Thonet“ den Ursprung preis und gilt als Qualitätszertifikat.

Der aus dem Historismus stammende gußeiserne Kleiderständer (wie im Cafe Sperl, nur dort sind sie schwarz) war einer meiner Lieblingsmodelle, weil es das wunderbare alte Wien repräsentiert. Diese Kleiderständer werden immer wieder neu aufgelegt, immer noch von der selben Firma und sind demnach keine Fälschungen. 

Dieses Stück, wie es da stand, wäre um die 1000 bis 1200 Euro wert.

Das “Monster” wie es Birgit mit einem Schmunzeln auf den Lippen nannte, welches sie an ein Filmset vom Mundl Sackbauer erinnerte war ein praktisch zusammenklappbarer 1970er Jahre Kleiderständer aus hellem Kunststoff. Diesen konnte man auf klein zusammenklappen  – selbst den Schirmständer.

Von der Wertigkeit her liegt dieser bei günstigen 400 Euro, in der typischen knallorangen 70er Pop Art Version steigt der Wert auf 600 bis 700. Was für ein Zeitkolorit!

Einige Zeit lang werden wir ja noch Mäntel brauchen, ergo bleibt die Garderobe integraler Bestandteil unseres (gesellschaftlichen) Lebens und auch in den warmen Monaten hält sie gerne Taschen, Hüte und Westen.

Dank an Paul den Kunstsammler!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Reiseführer

 

Montag, 25.1.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Historische Reiseführer

Wenn der Wahnsinn vorbei ist,steht Urlaub machen ganz oben auf der Prioritätenliste aller Österreicher:innen, bis dahin bleibt es uns in historischen Reiseführern zu schmökern.

1793 erschien der erster Reiseführer für die Schweiz. Also im Grunde gibt es historische Reiseführer schon gefühlt ewig. 

Beginn der Reisetätigkeit um zu Reisen: Ab Mitte des 17. Jahrhunderts sind junge, wohlhabende Absolventen der Universitäten Oxford und Cambridge auf Reisen gegangen –  Reisen durch das Mittelmeer – Ziel dieser Expeditionen waren die Wurzeln der europäischen Kultur durch Kunst, Literatur und Archäologie zu entdecken. „Grand Tours“, wie sie genannt wurden, waren bald sowohl pädagogische als auch soziale Übergangsriten des Adels.

Für einen beliebigen Zeitraum von Monaten bis Jahren sind jene Touristen mit einer Kohorte von Reiseführern und Begleitern durch Länder wie Deutschland, die Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien, Ägypten und die Heiligen Länder gereist.

Großes Reisebudget und aristokratischen Verbindungen machen privilegierte Reisende. Ziel war es die Sprachkenntnisse zu perfektionieren, antike Ruinen zu besuchen, sich mit lokalen Künstlern und Händlern treffen, um Münzen, Skulpturen, Gemälde und Modelle zu sammeln.

Nach den Grand Tours für Adelige als Bildungsreisen folgten die wohlhabenden Bürger. Es begann auch der Urlaub im Ausland für die nicht adelige Gesellschaft. Dies waren ebenfalls Luxusreisen, mit dem Dampfer nach Ägypten oder mit dem Orientexpress nach Istanbul. Passend dazu das Gepäck – Schrankkoffer, Hutschachteln. Man wollte auf eigene Faust erkunden – nicht mit einer Reisegruppe oder einem Guide. Somit benötigte man selbst Literatur, Karten, Informationen. 

Ich hatte einen wunderbaren Baedeker mit, mit dem typischen roten Umschlag, aus 1883. Zur Zeit des Zars Alexander III, der Friedenszar und ein guter Freund von Kaiser Franz Josef, war es opportun nach Russland zu reisen. Da war auch schon ein kleiner Sprachführer dabei. Deutsch und Französisch waren die Hauptsprachen des Adels, der Diplomaten und des gehobenen Bürgertums aber fernab dieser Gesellschaftsschichten und vor allem am Land war es hilfreich ein paar Sätze auf Russisch sagen zu können. Wie heute ja auch.

Als Baedeker wird ein Reiseführer für Reiseziele im In- und Ausland bezeichnet und ist erstmals 1832 erschienen. Der Verlag wurde 1827 gegründet in Koblenz durch Karl Baedeker.

Dieser wurde im 19. Jahrhundert der Reiseführer schlechthin durch seine prägnante Sprache, genaue Reiseinformationen, großzügige Karten, und integrierte auch Sprachführer(die wichtigsten Phrasen zur Kommunikation). Dies war ein früher Beginn für fremdsprachige Ausgaben und somit weltweite Popularität. 

Dieser besondere Baedeker kommt auf ungefähr 500 Euro Wertigkeit. 

Etwas ganz Besonderes war auch die Publikation, die sämtliche Abschnitte der Donau von Wien nach Linz, Burg Kreuzenstein, Klosterneuburg, Dürnstein, Wachau dargestellt hat und ganz wichtig: auch welcher Heuriger, welche Lokale, Restaurants besucht werden sollten. Ein großes Reich war es damals noch – da waren die Touristen sehr vielfältiger Herkunft wie Galizien, Böhmen, Mähren – dies waren dann die Reisenden innerhalb der Österreischisch-Ungarischen Monarchie. 

Die Preisspanne, die ich heute mitgebracht hatte ging von 90 bis 8000 Euro.

Das teuerste und wertvollste Objekt mit Geschichte, das ich mitgebracht hatte, war eine wunderschön grafisch aufbereitete Publikation der Schiffsgesellschaft Österreichische Lloyd, über Dalmatien und Istrien, sämtliche Küstenabschnitte in Falttechnik, inklusive aller Inseln wie Hvar und Korcula Der Preis von 8000 Euro erklärt sich dadurch, dass diese Publikation im Handel nicht erhältlich war, und wahrscheinlich nur für die Kapitäne und Aktionäre bestimmt war.

Heutzutage haben die Reiseführer eher keine große Wertigkeit mehr, da sie in großer Auflage erschienen – außer es ändert sich geopolitisch etwas, dadurch bekommen sie dann eventuell einen Sonderstatus.

Historische Reiseführer sind somit eine gute Wertanlage, wie eine Aktie im Grunde. Haben die Großeltern eine schöne Bibliothek, dann muss man sie unbedingt nach solchen Schätzen durchforsten – nicht nur wegen der Wertigkeit, sondern vor allem weil es eine Reise in eine andere Welt und vor allem Zeit ist.

Dank gilt wie immer an unsere Leihgeber:innen – diesmal war es der wunderbare Erhard Löcker, vom Antiquariat in der Annagasse in 1010 Wien.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Strass

Montag, 17.1.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Strass – Die nächste verpasste Ballsaison

Da die Ballsaison auch heuer wieder ins Wasser fällt, ließen Birgit Fenderl und ich es im Studio2 (dank der wunderbaren Leihgabe von Katharina Husslein) glitzern. 

Birgit hat gleich am Anfang mein Outfit angesprochen, das ich aus Ermangelung an Möglichkeiten es auszuführen, da mein Lieblingsball, der Philharmonikerball und danach anschließend gleich der Techniker Cercle auch, der Pandemiezeit zum Opfer gefallen ist.

Aber was genau ist so besonders an diesem Ensemble – der Sultan von Brunei hatte das Jacket für einen mit mir befreundeten Pianisten für ein Privatkonzert anfertigen lassen, der dieses dann mir vererbte. Nur für ganz besondere Anlässe führe ich dieses Kleidungsstück aus, da es mir auf einer persönlichen Ebene viel bedeutet.  

Aber woher kommt dieser wunderbare Strassschmuck nun? Wir fangen bei der Geschichte an: Schon in der Antike, ab dem Moment wo man schleifen konnte, gab es schon Imitate von echten Stücken. Man denke nur an den Koh-i-Noor, der 108,93 karätige Diamant, der sich im Tower of London als Teil der britischen Kronjuwelen befindet. 

Strass beruht auf einem Eigennamen. Im Jahr 1730 in Paris hat Georg Friedrich Strass, der Namensgeber, Chemiker und Juwelier, seinen eigenen Betrieb aufgemacht. Dieser war spezialisiert auf die Herstellung von Imitationen. Strass beschäftigte sich zeitlebens mit der Imitation (in verschiedenen Farben) und war der erste der dies in großem Stil betrieb. Ab 1734 wurde Georg Friedrich Strass „Juwelier des Königs“ – am Hof Ludwigs des 15. Es herrschte ein unfassbar großer Bedarf an Schmuck. Es etablierte sich die Bezeichnung Pierre de strass (= Steine von Strass) und wurde zum Synonym für die Diamantimitationen.

Im Grunde ist Strass einfach Glas (Glas ist weicher als Brillanten), das mit Blei und Kieselsäure angereichert und mit Folie verspiegelt wird …oder heute wird der  Spiegel aufgedampft, damit der Stein einen Glitzereffekt wie Brillanten bekommen.

Strass ist auch typisch für Gablonzer (Bäumchen, Schmuck,…), auch hierzu habe ich schon einen Studio2 Sendungsbeitrag gemacht, hier nachzulesen.

Strass Christbaum, Aufsteller, handgefertigt, 6 cm Fotoquelle: https://www.gablonzer.at/de/strass-christbaum-aufsteller-6-cm.html

Mein Lieblingsstück und ältestes Teil war die um 1900 gefertigte vergoldete Haarspange.  Sie glitzert fantastisch, wenn man sie hin und her schwenkt. Die Wertigkeit liegt bei 300-400 Euro. Birgit Fenderl meinte dazu lachend “Wer weiß auf welchen Bällen das Stück unterwegs war…”.

Aus den 1950er Jahren hatte ich auch ein wunderbares Objekt mit Geschichte mit – ein Armband, das Coco Chanel geliebt hätte – der sogenannte Baguette Schliff (langgezogen) und Diamantschliff war darauf zu bewundern. Das Strass Armband ist ein sogenanntes Airflex, also Expander Band und passt sich der Größe des Handgelenks an.Die Wertigkeit liegt bei 400 Euro. 

Coco Chanel liebte Strass – aber nicht nur unechte Diamanten, auch unechte Perlen und Metalle, sie ließ sich von Bühne, Film, Revue & Varieté inspirieren. Ihre schlichten Kleiderentwürfe waren schon eine Aufforderung aufwendigen Schmuck zu tragen.

Fotoquelle: https://www.vogue.de/favicon.ico

Weiters hatte ich ein wunderbares Collier in der Sendung mit, im Art Deco Stil – Frankreich wie es leibt und lebt, mit einer Wertigkeit von 1400 Euro – wie man daran sieht kann auch unechter Schmuck sehr wertvoll sein, vor allem wegen der fantastischen Verarbeitung. Man kann es mit vollem Stolz tragen, wie ein Diamantcollier.

Strass in der Mode immer ein Thema auch heute noch, beliebt bei Popstars und Sternchen. Die Imitate wurden teilweise so täuschend echt, dass die Bezeichnung “Simili” eingeführt wurde – was so viel bedeutet wie “ähnlich”. Swarovski ist österreichweit wie international einer der bedeutendsten Player im Strass-Business.

Andere Manufakturen englischer Herkunft konnte man auf dem Zylinder bewundern. Die fantastischen Strass-Earcuffs hatten auf der Rückseite die Signatur der Manufaktur Trifari und liegen bei 850 Euro Wertigkeit. Die Schmuckfirma wurde 1910 von Gustavo Trifari, Sohn von neapolitanischen Einwanderern in den Vereinigten Staaten gegründet. Nicht das Material ist so wertvoll, sondern das Design, der Entwurf und die Verarbeitung machen diese Objekte zu wertvollen Schmuckstücken.

Wichtige Manufakturen:

Napier (älteste seit 1875)

Coro (1902)

Trifari (~1917)

Eisenberg

Miriam Haskell

Elsa Schiaparelli

Joseff of Hollywood

Hattie Carnegie

Schreiner

Nettie Rosenstein

Barclay

Jomaz

Max Müller

Strass kann auch bunt sein, wenn verschiedenen Metallsalze beigefügt werden. Diese haben dann so ein eigenes Schillern in Regenbogenfarben – die bunten Strass Ohrringe, die ich als letztes Objekt präsentierte, würden wunderbar zu Birgits Augen passen – aber wir müssen noch ein wenig Geduld haben, bis wir uns wie Pfauen schmücken und unsere Runden auf dem Parkett drehen können.

Vielen Dank an die großartige Leihgeberin Katharina Husslein. Vintage-Modeschmuck aus den 1950er- und 1960er-Jahren, Art-déco-Moccalöffel oder Eiswürfelbehälter: Katharina Husslein beherbergt echte Schätze in ihrem kleinen Geschäft in der Josefstädter Straße 11, 1080 Wien.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Geschenke

Montag, 10.1.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Die “falschen” Geschenke

Geschenke, Geschenke – jetzt war gerade erst Weihnachten, die Hochblüte des Schenkens – aber was macht man, wenn die Freude über das Geschenk ausbleibt?

Sehr oft überlegt man zu wenig, versetzt sich nicht in den Beschenkten hinein und erfüllt nur seine Pflicht. Das ist nicht nur ein Generationsproblem, sondern sehr oft der Fantasielosigkeit des Schenkers/der Schenkerin geschuldet.  Oft wären diese “falschen” Geschenke bei der/dem Richtigen viel besser aufgehoben – denn die Wertigkeit beginnt bei der Wertschätzung! 

Natürlich ging es in der Sendung nicht um Dinge wie die Vignette für den Nicht-Autofahrer oder das Tranchiermesser für den/die Veganer/in – sondern Birgit Fenderl und ich haben uns die Frage gestellt was man macht, wenn man einen Walter Bosse Handaschenbecher bekommt, aber Nichtraucher ist. Über Bosse haben wir ja schon einmal in einer Studio2 Sendung gesprochen (zum Nachlesen hier) und somit wissen wir von der Wertigkeit der Objekt des legendären Keramiker und Vordenkers der 1920/30er Jahre. Der Beschenkte weiß aber vielleicht auch gar nicht wie wertvoll das geschenkte Stück nun wirklich ist. Nun hatten wir die Idee, dass man das Objekt zweckentfremden könnte und beispielsweise besondere Kleinigkeiten in den Aschenbecher, statt Asche und Zigarettenstummel, geben könnte.

Ein „shabby chic“ Stuhl aus circa 1928-30 aus der Werkbundsiedlung aus dem 13. Bezirk macht vielleicht auf den ersten Blick für das ungeschulte Auge nicht so viel her, aber:  er ist echt, authentisch, man hat damit eindeutig Mut zum Original und darüber hinaus liegen wir hier bei einer Wertigkeit von um die 1000 Euro. Das perfekte Geschenk für einen Vintage Liebhaber.

Krawattentragen ist nicht so mein Ding, wie alle wissen, die mich kennen – mein Großvater war immer mein großes Vorbild in Sachen Eleganz, aber ich habe mich immer schon als Teenager gefragt, wie ich es ein Leben lang schaffen werde, keine Krawatte tragen zu müssen. Nun habe ich aber diese wunderschöne Vintage Versace Krawatte, die um die 300 Euro wert ist, geschenkt bekommen. Ich finde aber sicher einen Krawatten Fan, der sich über dieses “falsche” Geschenk richtig freuen wird.

Die Häferl sind, wenn auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich, wirklich wertvoll – natürlich, jemand der puristisch unterwegs ist, kann damit nichts anfangen. Aber jemand vom Fach oder jemand der auf Objekte mit Geschichte steht, wird daran Gefallen finden. Die Tassen sind von der Keramik Ditmar Urbach aus Tschechien aus den 1930er Jahren, mit einer Wertigkeit von circa 100 Euro pro Tasse, am Flohmarkt gibt es eine große Nachfrage nach diesen Stücken.

Ich bin ja ein bekennender Bakelit Schenker – die Angebetete hätte vielleicht gerne lieber einen Brillanten gehabt, aber der Armreifen aus Bakelit, der eine Geschichte hat, beispielsweise in einem speziellen Fall aus Paris kommend, strahlte einfach mehr Faszination aus.

Wem schenkt man heute noch einen Buchständer von Hagenauer (auch hierzu machten wir schon einmal einen Sendungsbeitrag, hier nachzulesen), wenn die meisten Personen nur noch E-Books lesen – die Buchstützen sind um die 1500 Euro wert, aus dem Jahr 1928 und deshalb auch mit dem Motiv der Mickey Mouse, weil diese damals von Walt Disney herausgebracht wurde.

Das letzte besprochene “falsche” Geschenk war eine Flasche Cognac aus 1924. Birgit hat mich dann gefragt, ob dieser überhaupt noch genießbar wäre. Auch wenn nicht das optimale Geschenk für einen Antialkoholiker ist dies ein wahrer Schatz für einen Genießer von Hochprozentigem. Und durch die Hochprozentigkeit auch sicherlich noch trinkbar und ein Gaumenspiel.  Bezüglich Wert liegen wir da auch bei guten 600 bis 800 Euro, denn auch hier kann man als Kontext geschichtliche Ereignisse heranziehen: 1924, als dieser Cognac rausgekommen ist, war 12 Jahre nachdem die Titanic gesunken ist oder 6 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs.

Und die Moral von der Geschicht’, vergiss’ den Geschmack des Beschenkten beim Beschenken nicht.